Soziale Ungleichheit – auch in Deutschland?

Wir leben in einer Welt, in der 8 Männer genau so viel besitzen, wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung zusammen.

Ja genau, Du hast richtig gelesen! Eine Studie von Oxfam listet diese 8 Menschen auf, die so viel verdienen, wie die allermeisten Menschen in ihrem Leben niemals verdienen werden:

Platz Name Unternehmen Vermögen (Mrd. US$)
1 Bill Gates Microsoft 75,0
2 Amancio Ortega Inditex 67,0
3 Warren Buffett Berkshire Hathaway 60,8
4 Carlos Slim Helu Grupo Carso 50,0
5 Jeff Bezos Amazon 45,2
6 Mark Zuckerberg Facebook 44,6
7 Larry Ellison Oracle 43,6
8 Michael Bloomberg Bloomberg LP 40,0
Summe: 426,2

Zum Vergleich: Die ärmsten 50 % der Weltbevölkerung besitzen zusammen 409,1 Milliarden US$.

„Das reichste Prozent der Weltbevölkerung verfügt über mehr Vermögen als der Rest der Welt zusammen“

Allein diese beiden Tatsache sind schon absurd und zeigen in was für einer verrückten Welt wir leben.

Aber so etwas gibt es doch nicht in Deutschland… oder?

Leider doch! (aus der Oxfam Studie „Ein Wirtschaftssystem für die Superreichen“  aus dem Jahr 2016):

  • „Die reichsten 10% der Haushalte in Deutschland besitzen mindestens 63% des Gesamtvermögens. Der größte Anteil dieser Vermögensungleichheit geht auf Erbschaften und Schenkungen zurück.
  • Deutschland weist die höchste Vermögensungleichheit in der Eurozone auf.
  • Die Lohnspreizung hat in Deutschland seit dem Jahr 2000 erheblich zugenommen. Die Löhne der ärmsten 10% der sozialversicherungspflichtig Vollzeit-Beschäftigten sind inflationsbereinigt zwischen 2000 und 2005 um 2% gesunken und zwischen 2005 und 2010 um weitere 6%. Die reichsten 10%in der Einkommensskala haben dagegen enorm hinzugewonnen.“ 

In der ARD: Ungleichland Deutschland

Superreicher Unternehmer Christoph Gröner in seinem Privatjet (Quelle)

Die ARD hat zu dem Thema der sozialen Ungleichheit in Deutschland eine Reportage mit dem Titel „Ungleichland – Wie aus Reichtum Macht wird“ gemacht, die meiner Meinung nach absolut sehenswert ist. Es wird unter anderem ein spannender Einblick in das Leben eines superreichen Unternehmers in Deutschland, Christoph Gröner, gegeben.

Es gibt 3 Teile, die jeweils 45 min lang sind (Teil 1, Teil 2, Teil 3) oder eine kürzere Version, die in 45 min alle 3 Teile zusammenfasst.

Ursache(n) der sozialen Ungleichheit

Nach diesen schockierenden Tatsachen stellt sich direkt die Frage: Wie entsteht soziale Ungleichheit? Wie ist es möglich, dass wir in einer solch ungerechten Welt leben?

Dieselbe Oxfam Studie hat folgende Gründe herausgefunden:

  • „hohe Renditen, die durch Kapitalanlagen erzielt werden und geringer Lohnzuwachs bei Angestellten und Arbeiter/innen                                                  -> Mehrheit der Gesellschaft profitiert immer weniger von den durch wirtschaftliches Wachstum erzielten Wohlstandsgewinnen
  • Kapitalbesitzer/innen vermehren ihr Vermögen stetig, z.B. durch Zinseinnahmen oder Dividenden, mit Steigerungen, die über den Wachstumsraten des Bruttonationaleinkommens lagen.
  • Steuervermeidung
  • Senkung von Steuern auf Kapitalgewinne
  • größer werdende Diskrepanz zwischen dem Verdienst von Angestellten und Arbeiter/innen, der in den vergangenen Jahren stagnierte, und den Salären der Führungskräfte großer Unternehmen, die in den vergangenen Jahren geradezu explodierten“ (Quelle

Auch Thomas Piketty, der mit seinem Buch „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ für weltweites Aufsehen gesorgt hatte, unterscheidet zwischen zwei Hauptursachen der immer größer werdenden sozialen Ungleichheit:

  • „Bezieher hoher Einkommen (wie z.B. Manager) haben ihre Macht dazu genutzt, sich selbst hohe Einkommen zu verschaffen. Anders als vielfach behauptet, entspricht die relative Höhe der Einkommen gegenüber niedrigeren Einkommen nicht der jeweiligen Produktivität.
  • Einkommen aus Kapital wachsen im Kapitalismus in der Regel prozentual stärker als die Gesamtwirtschaft.“ (Quelle

Einfach ausgedrückt:

Die soziale Ungleichheit ist neben anderen Problemen, wie Klimawandel, Umweltverschmutzung, Waffenhandel + Krieg, Wasserknappheit etc., ein weiteres Symptom unseres aktuellen Handels- und Wirtschaftssystem mit all seinen Regeln und Mechanismen.

„Oxfam fordert deshalb ein Wirtschafts- und Finanzsystem, von dem alle profitieren – und in dem für Steueroasen kein Platz ist. “ (Quelle)

Auch ich denke, dass wir nicht länger ein paar Spielregeln ändern müssen, sondern das komplette Spiel. Wie das funktionieren könnte, wird ausführlich in dem Buch „Das Geldspiel und darüber hinaus“ erklärt, welches absolut lesenswert ist!

Mein Schlussappell an den Begriff Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)

Das Ziel von BNE sollte es sein, Ungleichheit zu bekämpfen, denn sie ist alles andere als nachhaltig. Folglich muss BNE die Ursache der Ungleichheit und damit das aktuelle Wirtschafts- und Handelssystem thematisieren, hinterfragen und schließlich über zukunftsfähige Lösungen diskutieren.

Dieser Artikel wurde von Aaron geschrieben.

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