Christoph Pennig

youprO: Das war ThinkTank

Nachhaltigkeit ist ein Schlüsselwort im politischen und gesellschaftlichen Diskurs, insbesondere in der Zukunftsgestaltung. Doch trotz des inklusiven Anspruches des Nachhaltigkeitkonzepts werden große Bevölkerungsgruppen von diesem Transitionsprozess ausgeschlossen. Betroffen sind davon z.B. Jugendliche aus einem sozio-ökonomisch schwachen Hintergrund oder mit Migrationsgeschichten.

Themen wie Nachhaltigkeit berühren die Lebenswelt dieser jungen Menschen häufig nicht. Sie werden aber auch selten an sie kommuniziert – Initiativen, Stiftungen und Umweltverbände richten ihre Angebote und Projekte häufig an eine ohnehin politisch gebildete Jugendliche. Diese Erfahrung haben wir als junge Menschen mit Migrationshintergrund selber gemacht. Daher haben wir das youprO „ThinkTank „Nachhaltigkeit für Alle?“ gestartet. Es schafft Zugänge zum Thema und gibt jungen Menschen den Raum, kritisch über Nachhaltigkeit zu diskutieren. Uns Interessierte:

  • was sie unter Nachhaltigkeit verstehen
  • welche Relevanz das Nachhaltigkeitskonzept in ihrem Leben einnimmt
  • aber vor allem, wie wir sie für das Thema begeistern können.

Mithilfe dieser Informationen haben wir überlegt, wie wir das Thema Nachhaltigkeit an unsere Zielgruppe vermitteln können und versucht, Werkzeuge und Strategien zu entwickeln. Darüber hinaus haben wir versucht, auch auf der lokalen Ebene zu bleiben: Wir besuchten gemeinsam das Pizza Lab, ein veganes Restaurant eines Hausprojekts und hielten unsere Workshops größtenteils in der Libelle Leipzig und der Universität Leipzig.

„Nachhaltigkeit muss ein inklusiver Prozess sein, an dem alle Jugendlichen beteiligt sind – Schließlich geht es um unsere Zukunft!“

Gemeinsam Ideen sammeln in Workshops

Insgesamt nahmen 11 junge Menschen zwischen 21 und 30 Jahren an unserer Veranstaltung teil. Die Realisierung mehrerer Workshops an verschiedenen Orten ebenso wie die Verpflegung und Unterbringung von 11 Personen haben unser dreiköpfiges Orga-Team herausgefordert, haben aber unglaublich viel Spaß gemacht und uns weitergebracht.

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Am Anfang war die Skepsis groß. Doch dann ließen sich unsere Teilnehmenden auf den Themenkomplex Nachhaltigkeit ein. Bereits bei der ersten Übung, bei der jede*r die ersten Assoziationen mit Nachhaltigkeit aufschreiben sollte, wurde klar, dass viele mit Nachhaltigkeit nichts verbinden konnten. Nach Diskussionen in der Gruppe schrieben alle etwas auf. Auch Begriffe, die wir nicht erwartet haben: Dankbarkeit, lokale Apps zum Foodsharing oder ökologische Konzepte. An einfachen Fragen entbrannten Diskussionen (z.B. über die Existenz des Klimawandels) und so zogen sich die Workshops in die Länge, da wir diesen Eifer nicht dämpfen wollten.

Ein kontrollierender Staat oder doch lieber Eigenverantwortung?

Häufig war die Tendenz zu beobachten, dass eher systematische Lösungsansätze verfolgt wurden. So argumentierten viele Teilnehmenden für mehr staatliche Restriktionen gegenüber Umweltverschmutzung oder sozialer Ungerechtigkeit. Die Eigenverantwortung als Bürger*in und Konsument*in wurden als sehr gering eingeschätzt. Das ist ein wertvoller Indikator für uns, wo wir zukünftig anknüpfen können: z.B. am

Demokratieverständnis und an bewussten Konsum. Andere Teilnehmende hielten dagegen und brachten häufig lokale Beispiele an: Sie schätzen die globale Reichweite ihres Handels gering ein, sehen aber positiven Einfluss in ihrem persönlichen Umfeld. Ihnen ist eine saubere Umwelt und ein bezahlbares, qualitatives Leben wichtig.

„Es war förmlich spürbar, wie sehr manche Teilnehmenden in den Diskussionen darin aufgingen.“

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Es schien, als hätten viele über diese Themen vorher noch nie nachgedacht, aber auch, dass sie noch nie um ihre Meinung gefragt wurden. Wir haben diese Diskussionen als Empowerment wahrgenommen, einfach, weil wir jungen Menschen einen Raum geben konnten, ihre Meinung zu artikulieren und zu vertreten.

Und auch wenn wir vermutlich das Handeln unserer Teilnehmenden kurzfristig nicht ändern konnten, haben wir doch Denkanstöße geben können, wir haben viele mit einem bisher unbekannten Thema in Berührung gebracht und sie mit Menschen zusammengebracht, die versuchen, ein nachhaltiges Leben zu führen.

Aber nicht nur unsere Teilnehmenden haben von dem Workshop profitiert, wir als Vorbereitungsteam haben durch die intensive Befassung mit dem Thema Nachhaltigkeit viel gelernt. Wir mussten uns durch die kritischen Fragen in den Workshops auch immer wieder selbst hinterfragen. Gerade die soziale Dimension des Nachhaltigkeitskonzepts war für viele nicht greifbar, und so mussten wir lange und breit erklären, warum Gleichberechtigung ebenfalls nachhaltig ist.

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Als direkter Output aus dem OpenSpace ist die Idee für ein Planspiel über Globale Gerechtigkeit entstanden, welches wir weiterentwickeln werden. Bald erfahrt ihr mehr!

Weiter geht‘s

Unser ThinkTank, welches als Brainstorming gedacht war, hat unsere Erwartungen übertroffen: Wir konnten engagierte Teilnehmende gewinnen, die rege diskutiert und produktiv gearbeitet haben. Und wir haben auch direkte Outcomes und Impacts sehen können! Wir hoffen, diese Gruppe als Netzwerk etablieren zu können, und noch mehr über Nachhaltigkeit zu machen, z.B. mehr lokale Aktionen oder der Anschluss an größere Gruppen. Es hat uns allen unglaublich viel Spaß gemacht und es war eine wertvolle Lernerfahrung auf allen Ebenen – Wir als Netzwerk fühlen uns gestärkt und inspiriert, unser Engagement für Jugendliche aus sozioökonomisch schwachem Hintergrund zu erweitern!

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