Christoph Pennig

Nachhaltig Reisen – Widerspruch in sich?!

Im Workshop „Fair(er) Reisen“ von Marie Sauß ging es darum, wie nachhaltig Tourismus ist und wie man selbst seine Reisen fairer gestalten kann. Leider war der Workshop sehr streng konzipiert, Diskussionen wurden nicht gefördert, sondern von der Leiterin abgebrochen.

Die Teilnehmer wurden mit Fließtexten empfangen, aus denen in Teams je zwei Personen zu vier Themen Informationen herausgefiltert werden sollten. Ob man sich dabei fühlt wie in der Schule, wenn Lehrende versuchen, den Frontalunterricht durch Gruppenarbeiten aufzulockern? Vielleicht. Die große Begeisterung blieb unter den Teilnehmenden jedenfalls aus.

Neue Erkenntnisse bleiben aus

Obwohl die Teilnehmenden an mehreren Punkten die Diskussion suchten und die Atmosphäre auflockern wollten, war der Ablauf durch die Seminarleitung sehr an ihre Vorstellungen gebunden. So wurden Plakate in den Teams mit den aus den Fließtexten ausgewerteten Inhalten gestaltet und im Nachgang für die Gruppe vorgestellt.

Die Gruppe, die sich mit Siegeln für nachhaltigen Tourismus auseinandersetzten, berichteten in diesem Bereich von fehlender Transparenz und Qualitätskontrollen und einem sehr niedrigen Bekanntheitsgrad. Außerdem führt die Vielfalt der Siegel auch zu einer extremen Unübersichtlichkeit. Zeit, darüber zu sprechen, was man dagegen unternehmen kann und wie man sich einen Überblick verschaffen kann, blieb nicht, schließlich musste es ja direkt mit der nächsten Präsentation einer Zweier-Gruppe weitergehen.

Im Verlauf des Workshops wurde in dieser Form weiter über ökologische Probleme vor Ort in der bereisten Region gesprochenen, wie beispielsweise den Müll, der übermäßig durch den im Tourismus erhöhten Konsum entsteht und für den vor Ort meist keine logistisch sinnvollen Entsorgungssysteme vorhanden sind. Außerdem entstehen durch vermehrten Tourismus in einem Gebiet zahlreiche Probleme, die im Zusammenhang mit Wasser stehen. Denn speziell um Touristen in die Region zu bringen bzw. um den Ansprüchen von Reisenden gerecht zu werden, entstehen oft luxuriöse Poollandschaften, Hotelanlagen mit Brunnen und Pflanzen oder Parkanlagen. Natürlich müssen solche Exklusivitäten auch bewässert und gepflegt werden. Dies gestaltet sich besonders schwierig, wenn für die angepflanzte Flora eigentlich komplett andere klimatische Bedingungen herrschen müssten. Aber Hauptsache, der Tourist kann sich über Blütenprachten und Springbrunnen freuen. Aber ist das wirklich ein Grund zur Freude?

Der Grundwasserspiegel sinkt folglich immer weiter, bis ein Punkt angekommen ist, an dem eine Region über ihre Ressourcen leben muss, um aufrecht zu halten, was für den Massentourismus aufgebaut wurde.

Eine weitere gravierende Auswirkung des Massentourismus ist die Versiegelung großer Landflächen durch den Bau von beispielsweise Flughäfen und die Erweiterung der Infrastruktur. Das gesamte Abwassersystem muss deshalb überholt werden.

Nicht zu vergessen sind allerdings die unglaublich großen Massen an Emissionen, die vor allem bei der An- und Abreise und bei Schifffahrten entstehen. Daran anknüpfend bekam die Gruppe Input zu CO2- Kompensation. Vor allem zu diesem Thema hatten die youcoN-Teilnehmenden alle ihre eigene Meinung. Aber für konstruktive Gedanken zu den einzelnen Themen und Vorschläge dafür, wie man selbst seine Reise nachhaltiger und fairer gestalten könnte, war keine Zeit mehr, schließlich hatte sich die Referentin noch vorgenommen, eine Traumreise mit den Jugendlichen zu machen. Jeder sollte sich hierbei eine kleine Notiz an sich selbst aufschreiben, nach welchem Grundsatz man für sich im Kontext der Nachhaltigkeit seine Reisen in Zukunft gestalten will. Folgendes Zitat teilte einer der Teilnehmenden mit der Gruppe und fasste damit die allgemeine Einschätzung sehr gut zusammen:

Eine Auszeit ist wichtig, das Gewissen aber auch.

Mit diesem Merksatz mache er für sich klar, dass man sich natürlich auch mal eine Auszeit gönnen, aber er diese auch nachhaltig gestalten müsse, damit er mit einem reinen Gewissen danach wieder in den Alltag starten kann.

Dieser Artikel wurde geschrieben von Johanna Dörrie von der Jugendredaktion der Jungen Presse e.V., die live von der youcoN auf ihrem Magazin www.youthmag.de berichtet und uns diesen Beitrag freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Seit über 65 Jahren setzt sich die Junge Presse ehrenamtlich für medieninteressierte Jugendliche ein und ist einer der größten bundesweit aktiven Jugendmedienverbände.

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