youprO: Bildung neu denken

Das aktuelle Bildungssystem

Wie gefällt es dir in der Schule oder Hochschule? Bist du glücklich? Kannst du das lernen/machen, was du möchtest, oder gehst du zu solchen Institutionen, weil du es musst. Weil es alle machen. Weil du später mal einen Arbeitsplatz haben musst, mit dem du überleben kannst. Oder weil du dich vielleicht nicht traust deinen eigenen Weg zu gehen?

Wenn ich diese Fragen beantworte, dann muss ich ehrlich gestehen, dass ich nicht gerne in die Schule gegangen bin. Genauer gesagt mochte ich es überhaupt nicht. Klar, ich habe meine Freunde jeden Tag gesehen, aber für 5-7 Stunden am Tag aus dem Fenster starren in die Schule gehen? Warum?

Natürlich ist das jetzt sehr übertrieben, aber es ist wahr, dass ich oft aus dem Fenster gestarrt und mich gefragt habe, warum das alles? Warum sitze ich hier? Warum muss ich dies und das und jenes lernen, obwohl ich das vielleicht gar nicht möchte? Bin ich in der Schule, um meinen Interessen nachzugehen, verschiedene Dinge auszuprobieren und mein Potenzial zu entdecken und entfalten oder bin ich in der Schule, um Arbeiter zu werden, Befehlen/Aufgaben zu gehorchen und das alles nicht kritisch zu hinterfragen?

Um ein vollständigeres Bild zu bekommen war ich auf einem gewöhnlichen Gymnasium, in der wir Schüler*innen jeden Tag auf unseren Platz sitzen, ruhig sein und dem/der Lehrer*in zuhören mussten. Für manche mag dieses System funktionieren (doch selbst das bezweifle ich), aber für mich und den Großteil meiner Klasse nicht. Fast alle Menschen meiner Klasse gingen nicht gerne zur Schule, lernten für eine Klassenarbeit ein paar Tage davor, um das Gelernte ‚auszukotzen‘ und kurz danach wieder zu vergessen. Deswegen ist dieser Art von Lernen ist obsolet (hinfällig/veraltet). Und was macht man, wenn das der Fall ist?

Ausbrechen!

Um genau solche alternativen Lernwege jenseits der Schule/Hochschule ging es gestern (am 15.12.18) auf dieser Messe im Forum Factory in Berlin, die gleichzeitig im Rahmen eines youprOs umgesetzt wurde. Organisiert wurde die Messe vom Verband freier Bildungsalternativen, deren Vision es ist, dass „jeder Mensch nach seinen Fähigkeiten und Bedürfnissen lernen und leben kann.“ (Quelle)

Ziel der Messe ist/war es, „bestehende Projekte sichtbar zu machen und miteinander zu vernetzen.“ (Quelle) Da war es auch schon keine Frage mehr, dass Marcel und ich vom youpaN dort hingehen, von uns erzählen und Werbung für weitere youprOs machen würden. Nach einer langen Zugfahrt mit wenig Schlaf kam ich morgens an, habe mit Marcel unseren Stand aufgebaut und ich muss sagen, ich bin immer noch ziemlich beeindruckt von den vielen Menschen, die ihre Bildung in die Hand nehmen und individuelle Lernwege jenseits von Schule/Hochschule bestreiten. Sei es die Wanderuni, die ReiseuniProject Peace, die Demokratische Stimme der Jugend e. V., die Akademie für angewandtes gutes Leben, wandlungsträume, das Kollektiv für gelebte Utopie, die Freilerner-Solidargemeinschaft e. V. und viele mehr, sie alle zeigen Wege auf, nicht weiter zur Schule zu gehen oder mal nicht BWL zu studieren, weil man ‚nicht weiß, was man machen soll‘.

Das youpaN wirbt für die youprOs

Marcel, Laura und ich haben viel Werbung für die Projekte gemacht, die wir gemeinsam mit jungen Menschen umsetzen und das kam sehr gut an! Viele schienen interessiert und überlegen es sich, ein youprO mit uns zu machen. Wie viele Projektideen in der nächsten Zeit eintrudeln werden, wird sich zeigen, jedenfalls war es sehr schön auf der Messe zu sein. Vor allem hat sie mich darin bestärkt, auch ‚meinen eigenen Weg weiterhin zu gehen‘, da ich seit meinem Abitur 2015 alternativ lerne (jenseits einer Institution).

Bildung muss tauschlogikfrei sein!

Das besondere an der Messe war, dass sie tauschlogikfrei organisiert wurde.  Friederike Habermann und auch Tobi Rosswog haben dazu am Nachmittag Workshops angeboten. Tauschlogikfrei bedeutet, dass man Dinge bedingungslos bekommt und nicht mehr (so wie heute) etwas dafür geben muss (Geld, Daten, Privatsphäre etc.). Für die Messe musste man also keinen Eintritt zahlen und das Essen war tauschlogikfrei: jede*r durfte etwas mitbringen und teilen, musste es aber nicht. Diesen Gedanken/Ansatz, Dinge außerhalb der Tauschlogik zu organisieren finde ich extrem spannend, weswegen ich auch das Bildungsprojekt TROM übersetze. Dort wird aber nicht der Begriff tauschlogikfrei verwendet, sondern handelsfrei. Schau dir dazu das Buch „Das Geldspiel und darüber hinaus“ und „Die Ursache der meisten Probleme an.

Was denkst du?

Einfach mal ausbrechen und nicht zur Schule/Hochschule gehen – wie fühlt sich das für dich an? Kommen Ängste hoch? Zukunftssorgen? Was könnten die anderen denken?

Oder klingt es auch nach Freiheit, Selbstbestimmtheit und Abenteuer?

Könntest du dir vorstellen nicht mehr zur Schule/Uni zu gehen und Dinge zu lernen, wann, wo, warum, wie und mit wem du willst?

Heutzutage gibt es ein Ding namens Internet, wo Wissen frei zugänglich ist, und Wissensplattformen, wie die Khan Academy, auf der jeder Mensch in seiner Geschwindigkeit lernen kann.

Nelson Mandela hat mal gesagt:

„Bildung ist die mächtigste Waffe, die du verwenden kannst, um die Welt zu verändern.“ (Quelle)

Vielleicht müssen wir jungen Menschen einfach mal ausbrechen, alternative Lernwege jenseits der Schule gehen und Bildung neu denken.

Dieser Artikel wurde von Aaron geschrieben.

Mit der Digitalisierung in eine nachhaltige Zukunft! Teil 2

Die Bits&Bäume Konferenz in Berlin

Quelle

Am Freitag Abend hieß es dann für mich wieder auf nach Berlin, auf die Konferenz für Digitalisierung und Nachhaltigkeit, wo Räume geschaffen wurden, in dem sich die Bits (Technik-Spezialisten) und die Bäume (Nachhaltigkeits-Spezialisten) austauschen und vernetzen konnten.

Da hab ich auch Sander vom Jugendbeirat Ba-Wü und Christoph und Dilan von der youboX getroffen, mit denen wir gemeinsam den youpaN Stand im Lichtforum vertreten haben.

Die Bits&Bäume war überfüllt von Workshops, Vorträgen, Podiumsdiskussionen und Vernetzungsmöglichkeiten, da auch eine Vielzahl von Organisationen, Vereinen und Initiativen vertreten waren. Einen Überblick über das Programm bekommst du hier und es gibt sogar Videoaufzeichnungen wo du nachverfolgen kannst, was passiert ist.

Prägend für die Bits&Bäume fand ich persönlich, dass es kapitalismuskritisch war und Lösungen durch digitale Technologien, wie freie Software, dezentrale Energiewende, ein freies, dezentrales und sicherheitsfokussiertes Internet und viele andere Technologien gezeigt hat. Es gibt sogar eine ganze Website, die sich der Frage widmet, wie eine neue/andere Gesellschaft (eine commons-basierte Gesellschaft) aussehen könnte, welche nicht auf bisherigen Kapitalismus-Logiken (Markt, Eigentum, Ware, Staat etc.) basiert. Auch die Open Source Ecology (OSE) Germany möchte das Wirtschaftssystem verändern. Sie ist eine ist eine offene Bewegung, die eine Open Source Ökonomie aufbaut, welche sowohl Produktion als auch Verteilung optimiert, und dabei die Regeneration der Umwelt und soziale Gerechtigkeit fördert.

Quelle

Was mich gefreut hat ist, dass einige Bäume (Nachhaltigkeits-Spezialisten) bei ihrem Betriebssystem auf FLOSS (Free/Libre Open Source Software) umgestiegen sind. Ich persönlich benutze die GNU/Linux Distribution Ubuntu. Es gibt zahlreiche Infos im Internet, wie auch du FLOSS benutzen kannst.

Zum Schluss gab wurden noch Forderungen, die aus der Konferenz hervorgegangen sind, vorgestellt. Du kannst sie hier nachlesen: Bits&Bäume Forderungen.

Aufgefallen ist, dass viele Bits gleichzeitig Bäume und Bäume auch gleichzeitig Bits waren/sind, das heißt, Technik-begeisterte Menschen setzen sich auch schon für Nachhaltigkeit ein und Nachhaltigkeits-begeisterte Menschen setzen sich für Technik/Digitalisierung ein, bzw. nutzen sie als ein Werkzeug für eine nachhaltigere Welt.

Fazit:

Das leitet auch sehr gut zum Fazit über, denn die Digitalisierung ist ein Werkzeug und wir Menschen bestimmen, was wir damit machen. Solange wir uns in einem Handels- und Wirtschaftssystem befinden, welches auf Profit und Wachstum basiert, sehen wir, dass Digitalisierung nicht dem Wohle der Menschen und der Umwelt dient, sondern vor allem den großen Konzernen, wie GAFAM, die durch den Datenkapitalismus noch reicher und mächtiger werden.

Folglich muss das oberste Ziel sein, unser globales Handels- und Wirtschaftssystem zu verändern, damit es keinen Anreiz mehr gibt, technologische Werkzeuge zum Schaden und Ausbeutung von Mensch und Erde zu nutzen, sondern zum Wohle aller. Wie das funktionieren könnte wird ausführlich in dem Buch „Das Geldspiel und darüber hinaus“ beschrieben.

Dieser Artikel wurde von Aaron geschrieben.

Mit der Digitalisierung in eine nachhaltige Zukunft? Teil 1

Bild von Manuel Hilscher

Wir leben im Zeitalter eines grundlegenden strukturellen Wandels: der digitalen Revolution. Künstliche Intelligenz (KI), Automatisierung und Autonomisierung, Industrie 4.0, Blockchain, 3D-Drucker, Internet der Dinge und vieles mehr sind Begriffe, die immer öfter fallen und mit denen meine Großeltern, geschweige denn Eltern, wenig anfangen können. So eine technologische Entwicklung hat es noch nie in der Geschichte der Menschheit gegeben und das führt zu vielen Fragen. Die wahrscheinlich wichtigste Frage ist, ob Digitalisierung und Nachhaltigkeit zusammen passt und zusammen gedacht werden soll, ja sogar muss, um vorhandene und auch immer stärker werdende Probleme, wie den Klimawandel, soziale Ungerechtigkeit, Hunger, Armut, Umweltzerstörung etc. zu lösen?

Ermöglicht uns die Digitalisierung mehr Freiheit, indem Maschinen und Roboter die langweiligen, monotonen und gefährlichen Arbeiten übernehmen und wir Menschen uns frei entfalten können oder verursacht die Digitalisierung immer mehr Probleme?

Auf den letzten zwei Veranstaltungen, auf denen ich in Vertretung des Jugendbeirats Ba-Wü und dem youpaN war, sollte es um diese Fragen gehen.

Das THINK-Forum 2018 in Heidelberg

Bild von Manuel Hilscher

Am 15.11.2018 kamen Menschen, die sich für Nachhaltigkeit und Digitalisierung interessieren, im Bürgerhaus B3 zusammen, um sich Gedanken zu machen, wie diese beiden zusammenpassen. Das Forum für junge Visionäre wurde im Vorfeld vom „Wir ernten was wir säen“-Team und dem Jugendbeirat Ba-Wü organisiert.

Es gab zwei Think-Labs mit verschiedenen Themen, jeweils eins am Vormittag und eins am Nachmittag, um sich auszutauschen, von den eingeladenen Experten zu lernen und zu diskutieren.

Es ging um die Arbeitswelt der Zukunft, Industrie & Handwerk 4.0, Datenschatz vs. Datenschutz, Mensch und Maschine, Blockchain, Achtsamkeit in der digitalen Welt und smart food produktion – alles super spannend!

Joschka Bödecker von der Universität Freiburg

Besonders gefallen hat mir der Workshop „Mensch und Maschine“ mit Joschka Bödecker von der Universität in Freiburg, wo es um die neuesten Entwicklungen von KI und Robotik ging. Er hat uns auch von seinen Forschungen erzählt.

Die wichtigsten Punkte am Ende des Tages sind unserer Meinung nach:

  • Technik- & Datensuffizienz: Das bedeutet, genügsamer mit digitalen Geräten umzugehen, die ja doch alle Ressourcen brauchen, um hergestellt zu werden und um zu funktionieren.
  • Datensouveränität: Große Konzerne, wie Google, Apple, Facebook, Amazon und Microsoft (GAFAM), aber auch Staaten, wie USA (NSA) und China, sammeln jegliche Daten von Menschen. Es ist wichtig, sich davor zu schützen, denn Daten sind Informationen und das bedeutet Macht, die missbraucht werden kann (personifizierte Werbung, Manipulation, Überwachung etc.).
  • Gemeinwohlorientierung: Open Source, Commons, Kooperationen, freie Software etc. machen es möglich, dass alle von der Digitalisierung Nutzen haben und nicht, dass nur die großen Konzerne noch reicher und mächtiger werden.
  • Kritische digitale Bildung: Es ist wichtig, die Digitalisierung zu verstehen, damit man besser einschätzen kann, was die Chancen und Risiken sind.

Der Abend wurde bei lockeren Gesprächen zur Vernetzung und Austausch beendet. Mehr zur Nachhaltigkeitsstrategie Baden-Württemberg erfährst du hier.

Wie es dann auf der Bits&Bäume Konferenz in Berlin war, erfährst du im zweiten Teil des Artikels.

Dieser Artikel wurde von Aaron geschrieben.

Das youpaN bekommt Verstärkung

Schon am Mittwoch, den 7.11.18 haben sich Marcel und ich (Aaron) auf den Weg nach Berlin gemacht, um bei zwei wichtigen Dingen dabei zu sein: Die Projektbeiratssitzung und das Onboarding neuer Mitglieder.

Aaron (youpaN) und Lukasz (Stiftung Bildung) stellen das youpaN vor

Projektbeiratssitzung

Am Donnerstagmorgen haben wir uns im Posteo Lab mit der youboX getroffen, um alles vorzubereiten. Nach dem Eintreffen der anderen ging es auch schon mit einer Reflektionsphase und Bestandsaufnahme los. Was ist seit Beginn des youpaNs passiert und was haben wir noch vor. So wurde aus den vier Themenbereichen berichtet: youcoN, youInfo, youpaN und youprO.

Der Projektbeirat im Posteo Lab

Die wichtigsten Neuigkeiten auf eine Blick:

  • die youcoN 2019 findet vom 29.05-02.06  statt – vormerken!
  • für youInfo ist der NAP in leichter Sprache, ein BNE-Erklärvideo und eine super coole BNE-App geplant – sei gespannt
  • 14 youprOs wurden schon umgesetzt oder sind in Planung – da gibt es noch Potenzial nach oben, deshalb mach auch du deine Idee zum Projekt und gestalte die Zukunft!
  • es gibt 10 neue youpaN Mitglieder! Das youpaN bekommt Verstärkung
Unsere 14 BNE-Mikroprojekte

Onboarding neuer youpaN-Mitglieder

Damit wir auch mit den neuen Mitgliedern direkt durchstarten können, wurden die fünf, die in der ersten Bewerbungsrunde ausgewählt wurden, ins Posteo Lab eingeladen und von der youboX, Marcel und mir in die Arbeit eingeführt. Was machen wir, wie kann man sich beteiligen und wo ist noch Potenzial nach oben. Ich denke, wir konnten alle Fragen beantworten und ich persönlich bin sehr gespannt auf die neuen Mitglieder. Das nächste youpaN-Treffen findet Anfang Dezember in Weimar statt und bis dahin erfährst du Neuigkeiten auf unserem Instagram– oder Facebook-Channel. Aus der youcoN ging auch ein Instagram-Channel, mit der Namen welt_verbessern hervor.

Es geht um Aktionen, Infos & Co. Rund um Nachhaltigkeit & wie man mit kleinen Dingen die Welt ein bisschen besser macht – sehr cool!

Das youpaN muss auch nach 2019 weitergehen

Dieser kurze Artikel wurde von Aaron geschrieben.

Soziale Ungleichheit – auch in Deutschland?

Wir leben in einer Welt, in der 8 Männer genau so viel besitzen, wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung zusammen.

Ja genau, Du hast richtig gelesen! Eine Studie von Oxfam listet diese 8 Menschen auf, die so viel verdienen, wie die allermeisten Menschen in ihrem Leben niemals verdienen werden:

Platz Name Unternehmen Vermögen (Mrd. US$)
1 Bill Gates Microsoft 75,0
2 Amancio Ortega Inditex 67,0
3 Warren Buffett Berkshire Hathaway 60,8
4 Carlos Slim Helu Grupo Carso 50,0
5 Jeff Bezos Amazon 45,2
6 Mark Zuckerberg Facebook 44,6
7 Larry Ellison Oracle 43,6
8 Michael Bloomberg Bloomberg LP 40,0
Summe: 426,2

Zum Vergleich: Die ärmsten 50 % der Weltbevölkerung besitzen zusammen 409,1 Milliarden US$.

„Das reichste Prozent der Weltbevölkerung verfügt über mehr Vermögen als der Rest der Welt zusammen“

Allein diese beiden Tatsache sind schon absurd und zeigen in was für einer verrückten Welt wir leben.

Aber so etwas gibt es doch nicht in Deutschland… oder?

Leider doch! (aus der Oxfam Studie „Ein Wirtschaftssystem für die Superreichen“  aus dem Jahr 2016):

  • „Die reichsten 10% der Haushalte in Deutschland besitzen mindestens 63% des Gesamtvermögens. Der größte Anteil dieser Vermögensungleichheit geht auf Erbschaften und Schenkungen zurück.
  • Deutschland weist die höchste Vermögensungleichheit in der Eurozone auf.
  • Die Lohnspreizung hat in Deutschland seit dem Jahr 2000 erheblich zugenommen. Die Löhne der ärmsten 10% der sozialversicherungspflichtig Vollzeit-Beschäftigten sind inflationsbereinigt zwischen 2000 und 2005 um 2% gesunken und zwischen 2005 und 2010 um weitere 6%. Die reichsten 10%in der Einkommensskala haben dagegen enorm hinzugewonnen.“ 

In der ARD: Ungleichland Deutschland

Superreicher Unternehmer Christoph Gröner in seinem Privatjet (Quelle)

Die ARD hat zu dem Thema der sozialen Ungleichheit in Deutschland eine Reportage mit dem Titel „Ungleichland – Wie aus Reichtum Macht wird“ gemacht, die meiner Meinung nach absolut sehenswert ist. Es wird unter anderem ein spannender Einblick in das Leben eines superreichen Unternehmers in Deutschland, Christoph Gröner, gegeben.

Es gibt 3 Teile, die jeweils 45 min lang sind (Teil 1, Teil 2, Teil 3) oder eine kürzere Version, die in 45 min alle 3 Teile zusammenfasst.

Ursache(n) der sozialen Ungleichheit

Nach diesen schockierenden Tatsachen stellt sich direkt die Frage: Wie entsteht soziale Ungleichheit? Wie ist es möglich, dass wir in einer solch ungerechten Welt leben?

Dieselbe Oxfam Studie hat folgende Gründe herausgefunden:

  • „hohe Renditen, die durch Kapitalanlagen erzielt werden und geringer Lohnzuwachs bei Angestellten und Arbeiter/innen                                                  -> Mehrheit der Gesellschaft profitiert immer weniger von den durch wirtschaftliches Wachstum erzielten Wohlstandsgewinnen
  • Kapitalbesitzer/innen vermehren ihr Vermögen stetig, z.B. durch Zinseinnahmen oder Dividenden, mit Steigerungen, die über den Wachstumsraten des Bruttonationaleinkommens lagen.
  • Steuervermeidung
  • Senkung von Steuern auf Kapitalgewinne
  • größer werdende Diskrepanz zwischen dem Verdienst von Angestellten und Arbeiter/innen, der in den vergangenen Jahren stagnierte, und den Salären der Führungskräfte großer Unternehmen, die in den vergangenen Jahren geradezu explodierten“ (Quelle

Auch Thomas Piketty, der mit seinem Buch „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ für weltweites Aufsehen gesorgt hatte, unterscheidet zwischen zwei Hauptursachen der immer größer werdenden sozialen Ungleichheit:

  • „Bezieher hoher Einkommen (wie z.B. Manager) haben ihre Macht dazu genutzt, sich selbst hohe Einkommen zu verschaffen. Anders als vielfach behauptet, entspricht die relative Höhe der Einkommen gegenüber niedrigeren Einkommen nicht der jeweiligen Produktivität.
  • Einkommen aus Kapital wachsen im Kapitalismus in der Regel prozentual stärker als die Gesamtwirtschaft.“ (Quelle

Einfach ausgedrückt:

Die soziale Ungleichheit ist neben anderen Problemen, wie Klimawandel, Umweltverschmutzung, Waffenhandel + Krieg, Wasserknappheit etc., ein weiteres Symptom unseres aktuellen Handels- und Wirtschaftssystem mit all seinen Regeln und Mechanismen.

„Oxfam fordert deshalb ein Wirtschafts- und Finanzsystem, von dem alle profitieren – und in dem für Steueroasen kein Platz ist. “ (Quelle)

Auch ich denke, dass wir nicht länger ein paar Spielregeln ändern müssen, sondern das komplette Spiel. Wie das funktionieren könnte, wird ausführlich in dem Buch „Das Geldspiel und darüber hinaus“ erklärt, welches absolut lesenswert ist!

Mein Schlussappell an den Begriff Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)

Das Ziel von BNE sollte es sein, Ungleichheit zu bekämpfen, denn sie ist alles andere als nachhaltig. Folglich muss BNE die Ursache der Ungleichheit und damit das aktuelle Wirtschafts- und Handelssystem thematisieren, hinterfragen und schließlich über zukunftsfähige Lösungen diskutieren.

Dieser Artikel wurde von Aaron geschrieben.

TV-Tipp: Europas dreckige Ernte – Das Leid hinter dem Geschäft mit Obst und Gemüse

Wo kommt eigentlich das Obst und Gemüse im Supermarkt her?

Mir ist aufgefallen, dass Obst und Gemüse oft aus Spanien und Italien kommt, was ja auch Sinn macht, denn dort ist es warm und es gibt für viele Pflanzen gute Bedingungen zum Wachsen. Außerdem ist es ja auch besser als aus Asien, Afrika oder Südamerika, denn das ist doch wegen des weiten Transports nicht gerade sehr umweltschonend. Zu guter Letzt ist es ja Europa, das heißt, die Arbeiter werden fair bezahlt und bei den Produktionsbedingungen werden die höchsten Standards eingehalten.

Doch stimmt das? Und wie kann das Obst und Gemüse so billig sein?

Das Erste hat sich genau diese Fragen gestellt und sich das mal genauer angeschaut. Was sie herausgefunden haben, haben sie in einer Sendung ausgestrahlt, die jetzt kostenlos in der ARD Mediathek zu finden ist.

Meiner Meinung nach sind die Probleme und Misstände, die in der Sendung gezeigt werden,  Symptome unseres profitorientierten Handels- und Wirtschaftssystems, denn, weil das Hauptziel von jedem Unternehmen Gewinn (Profit) ist, werden auf die Umwelt und Menschen wenig oder gar keine Rücksicht genommen.

Wie sieht es denn mit Fleisch aus?

Dazu habe ich in den letzten Tagen ein Buch aus dem Englischen übersetzt. Es hat den Titel „Die Welt und uns selbst essen“ und Du kannst es kostenlos lesen.

Was kann man tun?

Eine Lösung ist, das Handels- und Wirtschaftssystem zu ändern, damit solche Bedingungen gar nicht erst entstehen, doch das ist gar nicht so einfach und braucht Zeit. Deswegen ist meiner Meinung nach am Besten:

  • Lebensmittel, die weggeworfen werden, retten (foodsharing, containern, in Berlin wurde sogar ein Supermarkt für weggeworfene Lebensmittel eröffnet)
  • weniger/kein Fleisch essen bei einem Bio-Landwirt regional und saisonal einkaufen (Beispiel Solidarische Landwirtschaft)
  • bei einem einem spannenden Open Source Projekt, wie dem farmbot oder verschiedenen urban gardening Projekten in der Stadt engagieren
  • Gemüse selbst anbauen
  • das Wissen teilen (mit anderen Menschen darüber reden, Vorträge, Workshops machen)
  • und was fällt Dir noch ein? 

Dieser Artikel wurde von Aaron geschrieben.

Das erste YoupaN Treffen 2018

Bei gefühlten -20°C kommen Nora und ich (Aaron) im Harz an. Es ist schon abends und wir sind müde, doch wir freuen uns, die anderen wieder zu sehen. Mit dem Programm sind sie auch schon so gut wie am Ende, denn es steht nur noch ein Punkt an – die Sternwarte. In einer sternklaren Nacht blicken wir mit einem Teleskop auf den Mond und den Orion-Nebel, bevor wir ins Bett fallen und schlafen. Am nächsten Morgen gibt es wichtige Themen zu besprechen.

Hier sind die Updates vom YoupaN:

Projekte

Gestalte deine Zukunft! – Bildungs-Projekte für Nachhaltigkeit
Du hast eine tolle Idee für eine nachhaltige Welt? Und du willst damit andere Menschen begeistern? Du suchst nach Mitmacher*innen? Dann nutze die Chance und mache ein Bildungs-Projekt mit uns. Wir vom Jugendbeteiligungsprojekt youpaN suchen nach jungen Ideengeber*innen für ein nachhaltiges Morgen. Ganz egal, ob du zur Schule gehst, studierst oder eine Ausbildung machst. Deine Projektidee ist gefragt. Finde uns hier und mache mit unseren youprOs Zukunft!

Wir haben uns am YoupaN Treffen im Harz mit Projektkriterien und der Entscheidung von Projekten beschäftigt. Wenn Du ein cooles Projekt mit BNE-Bezug hast, dann können wir das unterstützen und mit Dir durchführen! Du hast total Bock darauf, was zu machen? Dann reiche Deine Projektidee unter diesem Link ein 🙂 Wir freuen uns darauf!

Öffentlichkeitsarbeit

Wir konzentrieren uns wahrscheinlich auf 3 Plattformen – unsere Website, Facebook und Instagram. Dort findest Du Neuigkeiten, Infos und coole Sachen 😀

Entscheidungen

Hast Du Dir schon mal überlegt, wie man Entscheidungen in einer Gruppe mit 20 jungen Menschen trifft? Das ist eine spannende Frage und genau darüber haben wir lange diskutiert. Haben wir eine Entscheidung getroffen, wie wir Entscheidungen treffen? Das wird sich bald herausstellen 🙂

Kommunikation

Hast Du Dich schon mal gefragt, wie man in einer Gruppe mit 20 jungen Menschen kommuniziert? Auch dafür haben wir lange gebraucht, denn es gibt viele Möglichkeiten, wie zum Beispiel Slack, WhatsApp, Riot, Signal, Telegram und viele mehr. Wir haben uns auf Teams (von Microsoft) geeinigt und werden die anderen Möglichkeiten beenden, denn Kommunikation ist das A und O!

Fachforen

Wir geben den jungen Menschen in Deutschland eine Stimme! Wir sitzen am Tisch in allen 6 Fachforen (frühkindliche Bildung, Schule, berufliche Bildung, Hochschule, non-formales und informelles Lernen/Jugend, Kommunen) und wir können mitdiskutieren. Diese Fachforen haben entscheidend an dem Nationalen Aktionsplan (NAP) mitgewirkt, doch dort waren wir noch nicht dabei. Jetzt können wir mit den Fachforen an der Umsetzung des NAP arbeiten.

Positionspapier

Stichwort Positionspapier – Brauchen wir als YoupaN ein Papier, indem unsere Meinung zum Konzept BNE steht oder nicht? Soll sich das YoupaN inhaltlich zu verschiedenen Themen äußern und Positionen einnehmen oder sich unter dem schwammigen Wort BNE verschleiern? Was verstehen wir unter BNE? Was verstehst Du unter BNE? Darüber werden wir beim nächsten Treffen diskutieren und entscheiden.

Vergangene Veranstaltungen

  • Clara, Erdem und Aaron waren im Januar in Berlin auf dem Kongress „Zukunft? Jugend Fragen!“.
  • HannaMio und Aaron waren vor 2 Wochen Woche in Hannover auf der Bildungsmesse didacta.

Kommende Termine:

  • Am 10. März halten Katharina und Marcel einen Workshop beim Open Transfer Summit in Berlin
  • Am 21. – 23. März kannst Du Hanna und Ronja auf dem Global Festival of Action in Bonn treffen.
  • Am 13.04 findet das Jubiläum 10 Jahre Nachhaltigkeitsstrategie Baden-Württemberg in Stuttgart statt. Dort kannst Du Hanna und Aaron treffen.

Sonstiges:

Aaron hat ein cooles Ebook zu BNE ins Deutsche übersetzt. Es hat den Titel „Das Geldspiel und darüber hinaus“ und Du kannst es kostenlos lesen und herunterladen. Weitere interessante Bücher von seinem Projekt findest Du hier.

Wir waren an diesem Treffen im Harz nur 9 Menschen, weil viele Stress in der Schule, im Studium oder sonst was haben. Das kennst Du doch bestimmt auch. Trotz allem wollen wir dieses Jahr mit Deinem Projekt durchstarten und die Welt zu einem besseren Ort machen. Du hast da voll Bock drauf?
Dann melde Dich – wir freuen uns drauf!

Dein YoupaN

Bildung 2.0? Die didacta in Hannover

Nach einer langen Anreise kommen Hanna und ich (Aaron) am Hauptbahnhof in Hannover an und machen uns, kurz nach dem Einchecken in unserer Unterkunft, auf den Weg zur Bildungsmesse didacta 2018 – dem Bildungsgipfel im Flachland.

Durch den Eingang West kommen wir direkt in Halle 13 und schnell wird klar, dass sich hier alles um Digitalisierung und Industrie 4.0 handelt. Wir sind in der Halle mit den Themengebieten Berufliche Bildung und didacta Digital.

Es gibt 3D-Drucker,

 

 

 

 

Roboterarme werden ausgestellt, mit denen verschiedene Prozesse automatisiert werden können und viele Start-ups präsentieren ihre neuen Ideen. Noch nie habe ich so stark gemerkt, dass wir in einer Zeit leben, in der sich alles verändert. Ich habe auch noch nie einen 3D-Drucker gesehen und mir wird bewusst, was das für eine bahnbrechende Technologie ist. Auf Knopfdruck kann theoretisch jedes Ding, was man sich wünscht, ausgedruckt werden – wir sehen sogar eine Geige, die von einem 3D-Drucker gedruckt wurde – cool!

Werden wir in Zukunft noch Dinge kaufen, oder sie von unserem Drucker ausdrucken lassen? Wie wird das Arbeitsleben in Zukunft aussehen? Werden wir noch arbeiten müssen, wenn vieles automatisiert werden kann? Werden wir weniger arbeiten, weil wir durch solche Technologien immer effizienter werden? Das sind spannende Fragen die wir uns stellen sollten.

Bildung 2.0

Aber hier auf der didacta geht es um Bildung und das merken wir auch. Riesige Whiteboards werden ausgestellt, die die normalen Tafeln, auf der Lehrer mit Kreide schreiben, schon lange abgelöst haben – zumindest auf der Schule, wo ich war. Ob das schon überall der Fall ist, weiß ich nicht, aber ich bin mir sicher, dass es die alten Kreide-Tafeln in Zukunft nicht mehr geben wird.

Die Frage die ich mir stelle ist, ob sich etwas an den Unterrichtsmethoden ändert. Wird es weiterhin Frontal-Unterricht geben? Werden wir an dem aktuellen Konzept von der Schule festhalten oder wollen wir innovative Wege gehen, wie zum Beispiel Finnland, welches die Schulfächer bis 2020 abschaffen will. (Quelle) Wie gehen wir mit der Digitalisierung um?

Ich erinnere mich, wie ich früher meine Eltern alles gefragt habe: Wie funktioniert eine Videokamera? Was ist das größte Tier, das jemals existiert hat? Wie viele Menschen gibt es auf der Welt? Außerdem hatten meine Eltern Kochbücher und Landkarten, wenn wir in den Urlaub gefahren sind, um zu schauen, welcher Weg der richtige war. Obwohl meine Eltern einige gute Ansätze auf meine Fragen hatten und wir immer das Ziel erreichten, wenn wir reisten, und obwohl meine Eltern viele leckere Gerichte kochen und mir das beigebracht haben, sind ihre Ansätze veraltet. Das liegt nicht daran, dass ich das so will, sondern weil wir jetzt Computer und das Internet haben.

Durch irgendwelche Suchmaschinen bekomme ich eine Antwort auf so gut wie alle Fragen. Wenn ich ein Ziel erreichen möchte, benutze ich einen der vielen Online- und Offline Kartennavigatoren und wenn ich etwas kochen möchte, dann gibt es im Internet tausende Möglichkeiten ein Gericht zu kochen.

Natürlich nimmt es die menschliche Erfahrung nicht weg, aber wir können so gut wie alles durch das Internet lernen. Ist die Schule an sich veraltet und obsolet?

In Halle 12 geht es genau um das Thema Schule/Hochschule. Es gibt sehr viele Verlage, die ihre Schulbücher präsentieren, zahlreiche Schulmaterial-hersteller sind vertreten und auch andere Organisationen, wie Greenpeace, die Heinrich-Böll-Stiftung, PETA etc..

Weiter geht es mit Halle 11, die in das Thema Schule und Frühkindliche Bildung aufgeteilt ist. Es gibt einen Stand von dem Klimahaus Bremerhaven, dem deutschen Jugendherbergswerk, dem Bund der freien Waldorfschulen e.V. und von viele anderen.

Die didacta hat sogar eine eigene Internetseite, wo du alle Aussteller und viele zusätzliche Informationen finden kannst.

Auf dem Weg zu Mio

Doch eigentlich sind Hanna und ich auf dem Weg zu Mio. Wo ist denn eigentlich Mio? Er nimmt an einer Podiumsdiskussion teil aber wir wissen nicht, wo diese stattfindet.

Wir kommen an den BNE-Stand (Bildung für nachhaltige Entwicklung) von der UNESCO, machen ein kurzes Foto und erfahren, dass er im Congress Center sein müsste. Dort angekommen, sitzen alle beim Mittagessen also kommen wir genau richtig. Doch Mios Auftritt haben wir verpasst, was Schade ist. Wir schnacken kurz, doch dann muss er auch schon weiter – wie man Mio halt so kennt (er ist immer unterwegs 🙂 ).

Nach dem Mittagessen laufen wir noch mit Dilan und Sophia von der YouboX herum, bevor wir dann am Abend völlig erschöpft in unsere Betten fallen und sofort einschlafen.

Vielleicht bis nächstes Jahr?

Am nächsten Tag heißt es auch schon auf Wiedersehen, denn Hanna macht sich jetzt schon auf den Weg zum YoupaN Treffen im Harz, zu dem Nora und ich später dazu stoßen werden, weil wir noch das Treffen vom Fachforum Schule haben.

Ich schaue nochmal auf der didacta vorbei, lasse mich von einer Albert-Einstein-Figur aus einem 3D-Drucker faszinieren, wage mich mit einer Spezial-Brille von Google in virtuelle Welten und frage mich, was die Bundeswehr auf einer Bildungsmesse macht.

Alles in allem war es interessant auf der didacta zu sein, doch wie Bildung in Zukunft aussieht, steht immer noch offen. Was denkst du?

„Zukunft? Jugend fragen!“

Zukunft? Jugend Fragen!

Mit diesem Statement lädt das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) interessierte Jugendliche zu einem Kongress ins Betahaus in Berlin ein.

Nach der Registrierung und den ersten Small-Talks geht es pünktlich um 10 Uhr los.

Dr. Gerd Scholl vom IÖW präsentiert die Ergebnisse der Studie

Mitarbeiter des IÖW und des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) präsentieren uns ihr Konzept, Jugendliche bei ihrer Arbeit zu integrieren (quasi auf Augenhöhe mit ihnen zu forschen) und stellen uns anschließend die Ergebnisse der Studie „Zukunft? Jugend fragen! – Nachhaltigkeit, Politik, Engagement – Eine Studie zu Einstellungen und Alltag junger Menschen“ vor.

Aus zahlreichen Befragungen einer repräsentativen Gruppe von 1034 Jugendlichen kristallisiert sich die Erkenntnis, dass das Bewusstsein für Nachhaltigkeit bei Jugendlichen groß ist. Jedoch fühlen sich viele hilflos, beziehungsweise sie sind überzeugt, dass sie unfähig sind, als Einzelne(r) etwas zu bewirken. Außerdem zeigen die ehrlichen Antworten der Jugendlichen auch Widersprüche: Einerseits gibt es wenig Interesse für die traditionelle Politik (establishment), andererseits befürworten und erwarten viele Jugendliche staatliche Eingriffe zum Schutz der Umwelt oder für soziale Gerechtigkeit. Des Weiteren ist zwar das Bewusstsein für nachhaltiges Handeln und Umweltschutz vorhanden, dennoch wollen die meisten ihren Lebensstandard beibehalten.

Mehrere Male werden die Vorträge für 5-minütige Murmelrunden unterbrochen, in denen die Ergebnisse der Studie diskutiert werden können.

Nach der Mittagspause geht es weiter mit drei parallelen Foren. Wir – Aaron, Clara, Erden – haben uns auf die drei Foren aufgeteilt:

1 ) „Was bedeutet Nachhaltigkeit im Alltag und beim Konsum für dich?“ – nachhaltiger Konsum im Alltag

2) „Wie wollen wir in unserer Stadt nachhaltig leben?“ – zukünftige/ zukunftsfähige Stadtentwicklung

3) „Wie politisch sind wir?“ – Einstellung der Jugendlichen zur Politik / politische Einstellung der Jugendlichen

Forum 1: Zuerst werden wir in einem Vortrag über die Ergebnisse der Jugendstudie zu nachhaltigem Konsum und Barrieren informiert. Anschließend schauen wir uns die Geschichte einer Jeans vom Herstellungsprozess bis zum Endprodukt in Deutschland an. Danach geht es weiter mit einer Diskussionsrunde über nachhaltigen Konsum heute und in der Zukunft.

Ich (Aaron) halte es für richtig, dass wir uns mit den negativen Auswirkungen unseres Konsumverhaltens auseinandersetzen, aber finde es wichtiger dass wir uns mit einer nachhaltigeren Konsum mehr beschäftigen: Wie sieht nachhaltiger Konsum aus? Ist es überhaupt möglich, in den gegebenen Rahmenbedingungen nachhaltig zu konsumieren? Was braucht es, um diese Rahmenbedingungen zu ändern, um die negativen Effekte unseres Konsums gar nicht erst zuzulassen?

Forum 2: Wir machen uns Gedanken, was wir uns unter einer Stadt vorstellen, in der man gut und gerne lebt ( 😉 ), was uns an unseren Städten momentan stört, was wir konkret verändern wollen und wie wir andere Menschen dazu bringen, sich uns anzuschließen. Außerdem wird uns ein Projekt vorgestellt, das mit Schüler/innen an einem Gymnasium in Frankfurt (Oder) durchgeführt wurde: Schüler/innen wurden mit einer Kamera ausgestattet, machten Bilder von Plätzen, die sie als positiv/neutral/negativ empfanden und werteten diese anschließend aus. Viele verschiedene Meinungen und Ideen werden gehört und diskutiert.

Interessant finde ich (Clara) dabei die Idee, Licht-Reklame-Werbung zu bestimmten Uhrzeiten zu verhindern, um Lichtverschmutzung und Stromverschwendung zu begegnen.

Das Beste kommt zum Schluss und nennt sich „Flotter Hocker“: Akteure aus Wirtschaft (Benjamin Peter, Handelsverband Deutschland), Politik (Ingrid Müller (BMUB)), Elke Plate (Berliner Senat) und Zivilgesellschaft (Celia Sicher, BUND-Jugend) stellen sich unseren Fragen.

Es kommen unterschiedliche Ansichten zu Wort und es wird ein breites Spektrum an Themen angesprochen, von der plastikverpackten Biogurke über die Langweiligkeit politischer Prozesse bis zur Kritik am Kapitalismus.

Leider ist die dafür vorgesehene Zeit von einer Stunde viel zu schnell vorbei.

Wir verabschieden uns von dem Kongress mit vielen neuen Eindrücken und Kontakten zu jungen Leuten, die sich ebenfalls von ganzem Herzen für nachhaltige Entwicklung und Jugendpartizipation einsetzen.

Dieser Artikel wurde von Clara und Aaron geschrieben.

Kommentar zur Studie „Zukunft? Jugend fragen“

Studie Zukunft? Jugend Fragen!

Es handelt sich bei der Studie um Befragungen von Jugendlichen zwischen 14 und 22 Jahren, die aufgrund repräsentativer Daten des statistischen Bundesamtes ausgewählt wurden und ihre Meinung zu verschiedenen Themen aus den Bereichen Umwelt, Politik und Soziales formulierten. Die Studie wurde vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung  (IÖW) durchgeführt.

Dabei wurde bewusst ein partizipativer Ansatz gewählt, das heißt, die Forscher des IÖW arbeiteten auf Augenhöhe mit den Jugendlichen. Um die Jugendlichen auch direkt an der Erstellung der Studie zu beteiligen, wurde auch extra ein Jugendbeirat gegründet, der an der Studie mitarbeitete.

Die Studie ist in Form einer Broschüre für alle Interessierten verfügbar gemacht worden.

Wichtige Erkenntnisse aus der Studie:

Es besteht ein ausgeprägter Wunsch nach verlässlichen persönlichen Beziehungen, die im Leben Halt geben sollen.

Außerdem existiert ein Wunsch nach mehr Solidarität und sozialem Miteinander im Zusammenleben der Menschen.

Sensibilität für die Bedrohungen der Zukunftsperspektiven durch globale Umweltzerstörungen und Klimawandel sind bei vielen Jugendlichen vorhanden.

Allerdings führt die Überzeugung, selbst wenig verändern zu können, oft zum mehr oder weniger bewussten Ausblenden von ökologischen Themen in ihrem Alltag.

Darüber hinaus wurden die Jugendlichen zu drei möglichen Zukunftsszenarien befragt:

  1. wirtschaftlich-liberal: Es herrscht Konkurrenz, Leistung, mehr Innovationen, mehr Effizienz auch rohstoffbezogen, das heißt, wir fahren weiter fort wie ins jetzt, können uns aber durch mehr Innovationen noch über Wasser halten.
  2. staatlich-steuernd: Maßnahmen des Staats zur Umverteilung von Reichtum sowie Vorschriften zu Umwelt. Das Wirtschaftswachstum „leidet“ darunter, allerdings gibt es mehr soziale Sicherheit für alle. Das Motto lautet: Absicherung statt mehr Wohlstand
  3. gemeinschaftlich-vernetzt:  Es bilden sich Initiativen, die unabhängig von Politik und Wirtschaft sind (oder sein wollen). Die Betonung liegt auf Gemeinschaft und „Sharing“

In der von den Forschern erstellten Online-Community/Plattform kam heraus, dass das erste Szenario als realistisch eingestuft wird, aber nur für eine Minderheit wirklich wünschenswert ist. Die Mehrheit präferiert Szenario 2 oder 3, hält es jedoch für unrealistisch, dass es eintreten wird.

Durch die ehrlichen Antworten der Jugendlichen, wird das Bild eines komplexen Dilemmas bei den jungen Menschen erzeugt:

Jugendliche sind sich der Gefährdung der Lebensgrundlagen bewusst, allerdings sind sie gleichzeitig überzeugt, als Individuen nichts an der Situation ändern zu können.

Überdies gibt weitere Widersprüche:

  1. Das Interesse an traditioneller Politik („Establishment“) ist gering, gleichzeitig gibt es jedoch eine Erwartung und sogar Befürwortung staatlicher Eingriffe, etwa, um die Umwelt zu schützen, oder um eine gewisse Umverteilung des aus der Wirtschaft gewonnen Reichtums zu gewährleisten.
  2. Es gibt relativ wenig aktive Partizipation (zum Beispiel in Parteien) an Politik. Trotzdem haben viele Jugendliche eine ausgeprägte politische Haltung.
  3. Zwar ist das Umweltbewusstsein bei vielen Jugendlichen durchaus ausgeprägt und auch die Erkenntnis, dass es dafür einer Änderung des Lebensstils bedarf, gleichzeitig wollen sie jedoch an ihrem gewohnten, eigenen Lebensstandard festhalten und sind nicht bereit, auf Flugreisen oder Fleisch zu verzichten.

Unser persönlicher Eindruck

Wir sind überrascht, wie pessimistisch-realistisch die Mehrheit der Jugendlichen ist. Obwohl junge Leute sich durchaus bewusst sind, dass wir globale Probleme haben und diese lösen müssen, tendieren erstaunlich viele dazu, Verantwortung von sich abzuschieben, mit einem resignierten Schulterzucken und der Einstellung: „Wir können ja sowieso nichts verändern“.

Die Studie findest du hier.

Dieser Artikel stammt von Clara und Aaron.