Jugendbeteiligung 2030: Wie kann man sich beteiligen?

Foto: Nele Kälberloh

Was ist eigentlich Jugendbeteiligung? Sich zu beteiligen, also sich einbringen, bedeutet aktive Teilnahme an den Prozessen des öffentlichen Lebens, in der Schule, Vereinen, der Gemeinde oder in der Familie. Es gibt unterschiedliche Beteiligungsformate, wie zum Beispiel Jugendforen, youcoN und die Mitbeteiligung in Gremien. Beteiligung bedeutet nicht nur eine Stimme zu haben, sondern sich in allen Bereichen einzusetzen.

Videodreh in 3 Tagen

Foto: Nele Kälberloh

Wie werden sich junge Menschen im Kontext von „Nachhaltigkeit 2030“ beteiligen? Am Donnerstag fing die Erstellung eines Szenarios an. „Erforsche die Zukunft und entwickle Szenarien in Videos“ lautete das Motto dieses Workshops. Dabei gibt es bei der Erstellung der Szenarien fünf Phasen.

  1. Problemanalyse (Problem beschreiben)
  2. Einflussanalyse (Einflussfaktoren, die im Zusammenhang mit dem Problem stehen)
  3. Deskriptorenanalyse (Wie stell ich mir das vor?)
  4. Entwicklung von Szenarien
  5. Entwicklung von Strategien und Maßnahmen zur Problemlösung

Diese wurden bis Samstag bearbeitet, wobei tolle Endergebnisse entstanden.

Julius Grund (Institut Futur) berichtet, dass es im Workshop darum geht, dass sich die Leute beteiligen. Jeder Einzelne müsse sich Ziele setzen und sich überlegen, wie er sein eigenes Umfeld mitgestalten kann. Jeder solle dahinter stehen, was er oder sie will. Die Aufgabe der Erwachsenen sei es, die Jugendlichen dort abzuholen, wo sie sind und dort hinzuführen, wo sie sich beteiligen möchten.

„Jugendliche wünschen sich eine Verdreifachung von Nachhaltigkeit in der Bildung, das ist ein Ist-Stand […]. Da sie aber in der Gestaltung der Lerninhalte nicht beteiligt sind, können sie solche Entscheidungen nicht treffen. Wir sollten die Jugendliche selbst aussuchen lassen, um eine verbesserte Zukunft zu gestalten.“ – Julius Grund

Dieser Artikel wurde geschrieben von Seyma Erdogan und Seyed Hosseini von der Jugendredaktion der Jungen Presse e.V., die live von der youcoN auf ihrem Magazin www.youthmag.de berichtet und uns diesen Beitrag freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Seit über 65 Jahren setzt sich die Junge Presse ehrenamtlich für medieninteressierte Jugendliche ein und ist einer der größten bundesweit aktiven Jugendmedienverbände.

Nur noch kurz die Welt retten

Foto: Nele Kälberloh

Rügen ist mit seinen kilometerlangen Sandstränden, Alleenstraßen, Kreidefelsen oder auch dem Kurhaus von Binz eines der beliebtesten Urlaubsziele Deutschlands. Und diese Woche nun auch Standort der youcoN 2019. Fünf Tage wird in der Jugendherberge Prora, einem mehr als geschichtsträchtigen Ort, über Möglichkeiten diskutiert, die Bildung zukünftig nachhaltig zu gestalten.

Besser hätte das Wetter für den Kick-Off nicht sein können: Strahlend blauer Himmel und frische Meeresluft passen perfekt zu der allgemein lebendigen Stimmung. Etwas gequält lustig eröffnen die Moderatoren die Jugendkonferenz und präsentieren allen zu Beginn kleinere Clips von youcoN-Konferenzen der letzten Jahre. Gesellige und erfrischend neue Kennenlernspiele stärken gleich im Anschluss die Gruppengemeinschaft. Besonders witzig: die etwas verzerrte Deutschlandkarte mit den Herkunftsorten aller Teilnehmer.

Gastrednerin Prof. Dr. Stoltenberger informiert an diesem Abend über die „Bildung für nachhaltige Entwicklung“, kurz BNE, und allgemein die Brennpunkte der deutschen Bildungspolitik. All das wirkt wie eine Art Unterricht bzw. Vorlesung in einer Scheune – bei offenen Türen und Fenstern fühlt sich das fast wie ein Klassenzimmer unter freiem Himmel an. Wichtig ist für Frau Stoltenberger das globale Verständnis, dass nachhaltige Zukunftskonzepte in den Bildungssystemen erklären können, wie Jugendliche weltweit ihre Kompetenzentwicklung selbstständig verbessern können. Dabei ist für sie Kommunikation das entscheidende Medium. Außerdem sei es die Aufgabe der Bildungsinstitutionen, nachhaltige Entwicklung als Konzept und langfristigen Prozess greifbar zu machen und neue Sicht- und Denkweisen zu vermitteln. Ein Selbstverständnis für die Existenz von Menschenrechten und der Natur als Lebensgrundlage aller Dinge hat für sie hierbei oberste Priorität. Als Fazit nennt Prof. Dr. Stoltenberger einige NGOs, ohne die all das nicht möglich wäre.

In einem Fragenhagel werden Experten und Expertinnen aus der UNESCO, dem Bundesministerium für Bildung und Forschung, dem Institut futur und der Stiftung Bildung zu allen möglichen Themen befragt. Sehr sympathisch verkündet hierbei Rabea Willers, dass das youpaN-Team zu einer Gesprächsrunde ins Ministerium für Bildung und Forschung eingeladen ist.

Insgesamt wirkte die ganze Eröffnungsveranstaltung sehr entspannt, manchmal aber auch sehr aufgesetzt. Allgegenwärtig ist ein besonders starkes „Wir-finden-uns-alle-sehr-cool-Gefühl“ und „gemeinsam-retten-wir-die-Welt“.

Dieser Artikel wurde geschrieben von Sebastian Schroth von der Jugendredaktion der Jungen Presse e.V., die live von der youcoN auf ihrem Magazin www.youthmag.de berichtet und uns diesen Beitrag freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Seit über 65 Jahren setzt sich die Junge Presse ehrenamtlich für medieninteressierte Jugendliche ein und ist einer der größten bundesweit aktiven Jugendmedienverbände.

youcoN 2019, was machen wir hier eigentlich? 

Foto: Carolin Schnelle

Die youcoN versucht die „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ (BNE) näher zu bringen. Durch Workshops eignet man sich nicht nur Theorie Erfahrungen an, sondern lernt auch, wie man es praktisch umsetzten kann.

Die youcoN 2019 findet dieses Jahr auf der Insel Rügen, Ostseebad Binz statt. Sie richtet sich an junge Visionär*innen, die Lust haben, ihre Meinung zu sagen und die Zukunft zu ändern. Die youpaN ist das Jugendforum, das junge Menschen dazu anstiftet, sich an der Umsetzung des „Nationalen Aktionsplans Bildung für nachhaltige Entwicklung“ zu beteiligen. Die youpaN wird von der youboX der Stiftung Bildung mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung umgesetzt.

Foto: Carolin Schnelle

Luisa Eichhorn ist die Leiterin der Jugendherberge und managt die Unterbringung und Verpflegung aller Teilnehmer und Betreuer. Die Ziele der Veranstaltung decken sich mit den Ansichten der Jugendherberge in ganz vielen Schnittpunkten, weswegen sie die Kombination ideal findet. Sie ist begeistert von der youcoN und findet, dass es ein ganz anderes, neues und modernes Format sei. Junge Leute sollten in jedem Fall daran beteiligt werden, Zukunftsvisionen zu entwickeln, eine eigene Vorstellung von Ihrer Zukunft zu gestalten und die Chance haben, diese dann umzusetzen, so Luisa.

„Ich bin hingerissen, dass es eine solche Convention gibt, wie alles organisiert ist und wie viele unterschiedliche Aspekte unter einen Hut gebracht werden können.“ – Luisa

Für unsere Zukunft sorgen

Svenja und Daniel sind Betreuer der youcoN und wollen der Veranstaltung einen tollen Rahmen schaffen und für gute Laune sorgen. Sie sehen es als ihre Pflicht, den Jugendlichen Wissen über Nachhaltigkeit weiterzugeben und ihnen den Umgang mit der Umwelt in der Zukunft beizubringen.

„Jugendliche sind die Zukunft und wir sollten ein Bewusstsein erlangen mit nachhaltigen Produkten umzugehen.“ – Daniel

Dieser Artikel wurde geschrieben von Seyma Erdogan und Seyed Hosseini von der Jugendredaktion der Jungen Presse e.V., die live von der youcoN auf ihrem Magazin www.youthmag.de berichtet und uns diesen Beitrag freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Seit über 65 Jahren setzt sich die Junge Presse ehrenamtlich für medieninteressierte Jugendliche ein und ist einer der größten bundesweit aktiven Jugendmedienverbände.

Jugendbeteiligung stärken – aber wie?

Foto: Carolin Schnelle

Die Teilnehmer der youcoN sind jung und haben das Leben noch vor sich. Dennoch entscheiden oft ältere Menschen über das Leben, das die Jugendlichen jetzt und in den nächsten Jahren führen. Dies spiegelt sich in zahlreichen gesellschaftlichen, sozialen oder (schul-)politischen Aspekten wieder. Gerade bei jugendrelevanten Themen wie Schul- oder Klimapolitik werden die Entscheidungen von einer Generation getragen, die deren langfristige Folgen nicht mehr erleben wird. Doch wie schafft man es, Jugendlichen eine stärkere Beteiligung im öffentlichen Raum zu ermöglichen?

Wichtig ist vor allem: Jeder, der sich an politischen Prozessen beteiligen möchte, soll sich auch beteiligen können, unabhängig vom sozialen Hintergrund oder sonstigen Qualifikationen. Grenzen, denen Jugendliche bei ihrer Initiative für mehr Beteiligung begegnen, müssen überwunden werden. Vor allem Schüler werden in ihrem gesellschaftlichen Engagement oft von Lehrern oder der Schulleitung ausgebremst, wenn sie beispielsweise eine Freistellung während der regulären Schulzeit benötigen.

Weiter wird von Jugendlichen, die sich aktiv für eine bessere Gesellschaft einsetzen, von der Schule die gleiche Leistung wie von allen anderen Schülern erwartet. Dass die engagierten Schüler weniger Zeit für Hausaufgaben, Unterrichtsvor- und Nachbereitung haben, wird dabei nicht bedacht. Eine faire Lösung zu finden, die diesem Problem gerecht wird, ist schwierig, aber hoffentlich möglich: Das youpaN entwirft bereits Ideen, um die Kultusministerkonferenz auf dieses wichtige Thema aufmerksam zu machen. So könnten beispielsweise für gesellschaftliches Engagement oder vergleichbare Jugendbeteiligung Leistungspunkte vergeben werden, die schulische Leistungen ausgleichen.

Gerade diese Punkte sind youpaN-Mitglied Marcel Kupfer sehr wichtig:

„Jugendliche müssen dazu ermutigt werden, sich aktiv an unserer Gesellschaft zu beteiligen und an einer lebenswerten Zukunft zu arbeiten.“

Sie sollen mitreden, Lösungen konzipieren, Ideen einbringen und gemeinsam Ansätze für eine Welt entwickeln, in der wir alle gut und gerne leben können. Es gibt viele Möglichkeiten, sich einzubringen – sei es in der Schülervertretung, dem Sportverein, der Gemeinde oder einem überregionalen Projekt. Das youpaN schafft Möglichkeiten für eine gute Jugendbeteiligung auf politischer Ebene.

Die Weichen dafür werden jetzt gestellt: hier und heute, auch auf der youcoN.

Dieser Artikel wurde geschrieben von Marie Haase von der Jugendredaktion der Jungen Presse e.V., die live von der youcoN auf ihrem Magazin www.youthmag.de berichtet und uns diesen Beitrag freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Seit über 65 Jahren setzt sich die Junge Presse ehrenamtlich für medieninteressierte Jugendliche ein und ist einer der größten bundesweit aktiven Jugendmedienverbände.

Die youcoN in Zahlen

Foto: Nele Kälberloh

In diesem Jahr findet die youcoN zum dritten Mal statt – Zeit, einmal nachzufragen welche Kapazitäten ein solches Event fordert! Dafür haben wir mit Dilan Aytac von der Stiftung Bildung gesprochen und herausgefunden, was hinter dem ganzen Event so steckt.

Dieses Jahr nehmen rund 150 Jugendliche an der youcoN teil. Das Organisationsteam bedauert allerdings, dass sie rund 50 möglichen Teilnehmern aufgrund begrenzter Teilnehmerzahlen absagen mussten. Wir merken uns direkt für die nächste youcoN: Schnell sein zählt! Die Teilnehmer sind zwischen 14 und 27 Jahren alt, wobei der durchschnittliche Teilnehmer etwa 18,5 Jahre alt ist. Die youcoN wird gefördert vom Bundesministerium Bildung und Forschung (BMBF), umgesetzt wird die Veranstaltung von der Stiftung Bildung. Rund 36 Leute arbeiten während der gesamten Veranstaltung hauptamtlich hier vor Ort. Hinzu kommen die Mitglieder des youpaN und eine Vielzahl an Referenten, die nur für bestimmte Workshops anreisen. Insgesamt sind das weitere 40-60 Personen.

Die meisten Teilnehmer haben für die youcoN eine lange Anreise auf sich genommen: Bis zu 950 km wurden dabei zurück gelegt. Die kürzeste Anreise hingegen war bereits nach zwölf km beendet. Zur Veranschaulichung: Mit dem Auto sind die 950 Kilometer in etwa zehn Stunden geschafft, der Zug braucht noch deutlich länger. Die Kosten für Anreise, Verpflegung und Unterbringung, die das BMBF übernimmt, belaufen sich insgesamt auf eine sechsstellige Summe.

Für die Verpflegung der Teilnehmer während des Events wurden von der Jugendherberge etwa 1500 Brötchen eingeplant. Hinzu kommen 840 Mittagessen, 670 Abendessen, 32 Wassermelonen und 160 Liter Kaffee. Für die Teilnehmer ist also bestens gesorgt.

Dieser Artikel wurde geschrieben von Simon Porath von der Jugendredaktion der Jungen Presse e.V., die live von der youcoN auf ihrem Magazin www.youthmag.de berichtet und uns diesen Beitrag freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Seit über 65 Jahren setzt sich die Junge Presse ehrenamtlich für medieninteressierte Jugendliche ein und ist einer der größten bundesweit aktiven Jugendmedienverbände.

Onkel Otto ohne Auto oder Mobilität auf dem Land

Leicht verspätet beginnt der Workshop, gleich nachdem sich Alexander Sust und Sarah Kamenarov als Leiter des Workshops vorgestellt haben. Alex ist Regionalentwickler, d.h. er gibt Anstoßhilfe in Sachen Mobilität für Bewohner des ländlichen Raums rund um Fulda. Sarah macht ein Praktikum bei ihm.

Er berichtet den Teilnehmern von vergangenen Pilot-Projekten, die er geleitet hat. Ein nennenswertes Beispiel wäre hierbei das  inzwischen eingestellte Projekt „Hin-und-Weg“, welches durch Klimaschutzabgaben gefördert und finanziert wurde. Weil die Klimaschutzziele zwar bekannt, aber nicht erreicht sind, wurde dieses Projekt unter anderem gegründet. Alexander sagt außerdem, dass er erst erkennen musste, dass sich Mobilität nicht von heute auf morgen ändere. Man könne nicht nur darauf hoffen, dass bald neue Technologien kommen, die schon alles lösen würden. Der Workshop solle den Teilnehmern zeigen, was schon heute möglich sei und was man ab sofort selber tun könne.

Die Teilnehmer des Workshops kommen sowohl aus dem ländlichen als auch aus dem städtischen Raum. Dadurch entsteht ein reger Austausch, der aufgrund mangelnder Zeit leider immer wieder unterbrochen wird. Das Problem auf dem Land: „Ohne Auto geht’s nicht“. Die Jugendlichen wollen unabhängig von ihren Eltern sein und gleichzeitig nachhaltig leben. Für sie entsteht deshalb ein Konflikt: Freie und individuelle Mobilität? Sich abhängig vom Dorfbus machen oder doch wieder das Elterntaxi in Anspruch nehmen?

Workshopleiter Alexander sagt, mehr Busse seien auch nicht automatisch die Lösung. Vielmehr solle man auf Mitfahrgelegenheiten setzen. Bereits heute gebe es zahlreiche Systeme, die genau sowas vermitteln. Kommerziell und nicht kommerziell. Das Problem bisher: Die Systeme sind nicht weit genug verbreitet. Vor allem im ländlichen Raum ist es sehr schwer, über solche Systeme eine Mitfahrgelegenheit zu finden. Ein weiteres Problem in diesen Randbereichen ist die Anbindung an den ÖPNV. Eine Lösung ist hierbei ein flexibles (Bus-)System, welches es den Fahrgästen erlaubt, bei Haltewunsch ihre Haltestelle anzufordern. Dieses System wird sicherlich bald das fahrplangebundene System ablösen.

Die alternativen Ideen der Teilnehmer sind zahlreich. Ohne Frage hat man das Gefühl, der Workshop könne noch ewig gehen – immer wieder müssen die Leiter Diskussionen unterbrechen.

Dieser Artikel wurde geschrieben von Simon Porath und Sebastian Schroth von der Jugendredaktion der Jungen Presse e.V., die live von der youcoN auf ihrem Magazin www.youthmag.de berichtet und uns diesen Beitrag freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Seit über 65 Jahren setzt sich die Junge Presse ehrenamtlich für medieninteressierte Jugendliche ein und ist einer der größten bundesweit aktiven Jugendmedienverbände.

„Aus Grau mach Bunt“ – Die Geschichte des Veranstaltungsortes

Foto: Franziska Metzner

„Zukunft feiern“ ist das Motto der youcoN, welche dieses Jahr auf der Insel Rügen, genauer im ursprünglichen „KdF-Seebad“ Prora statt findet. Dieser geschichtsträchtige Ort soll also der Grundstein für innovative Ideen sein. Ideen, die die Zukunft verbessern sollen.

Die youcoN an einem Ort zu veranstalten, der so viel zu erzählen hat wie Prora, passt bestens zu den wichtigen Themen der Zukunft, die hier diskutiert werden. Denn wie kann man die Zukunft besser machen? Indem man aus der Vergangenheit lernt. Das findet auch Christoph Pennig von der Stiftung Bildung: „Wir dürfen die Vergangenheit nicht vergessen und die Geschichte dieses Ortes werden wir auf der youcoN auch nicht kommentarlos stehen lassen. Dafür bieten wir zum Beispiel die History Tour an, bei der die Teilnehmer sich mit der Geschichte der Anlage hier auseinandersetzten können.“

Die Geschichte des Veranstaltungsortes

Das „KdF-Seebad“ wurde ursprünglich von der NS-Organisation „Kraft durch Freude“ geplant und auch zu großen Teilen fertig gestellt. Die heute denkmalgeschützte, fast 5 km lange Anlage an der Ostsee war ursprünglich für 20.000 Urlauber geplant. Die Urlaubslandschaft blieb allerdings unvollendet, mit Kriegsausbruch 1939 wurde die Anlage für „kriegswichtige Zwecke“ genutzt. Bedeutet: Der ehemals geplante Erholungsort wurde unter anderem zur Ausbildungsstätte für das Militär, Unterkunft für Evakuierte und zum Lazarett umfunktioniert.

Nach dem Krieg wurde der Standort Prora weiter militärisch genutzt: 1952 wurden die Gebäude zur Kaserne ausgebaut und ab 1956 war Prora dann der Militärstandort der nationalen Volksarmee (NVA). In der DDR arbeiteten mehrere tausend Bausoldaten hier, die Bauarbeiter waren Wehrdienstverweigerer, die in Prora ihren Dienst ableisten mussten. Nachdem Anfang der 90er Jahre  die Bundeswehr die Anlage genutzt hatte, ging die Anlage in den Besitz des Bundes über, welche nach und nach einzelne Blöcke verkaufte.

„Aus Grau mach Bunt“

Seit 2011 gibt es im Block 5 des ehemaligen „KdF-Seebads“ die Jugendherberge Prora. Sie hat unter anderem das Motto „aus Grau mach Bunt“. Aus den Ruinen des Seebads wurde eine moderne Umwelt-Jugendherberge gestaltet.

Christoph Pennig von der Stiftung Bildung erklärt uns, wie die Wahl für die youcoN 2019 ausgerechnet auf diesen Ort fiel: „Wir haben auch diesen Standort gewählt, weil die Umwelt-Jugendherberge Prora unsere Themen zur Nachhaltigkeit teilt. Allein, dass die Jugendherberge dieses alte Gebäude wieder belebt hat, ist schon nachhaltig. Denn 50% unseres Mülls ist Bauschutt. Die Umgebung hier ist außerdem ein Naturschutzgebiet und das ist ein schöner Kontrast zu der letzten youcoN, die in der Autostadt Wolfsburg stattfand.“

Ein guter Ausgleich zu den letzten beiden youcoNs ist die Insel Rügen mit ihrer schönen Natur und der Ostsee auf jeden Fall. In dieser naturbelassenen und historischen Umgebung kann man bestens darüber nachdenken, wie wir die Zukunft gestalten können. Denn aus den Fehlern der Vergangenheit kann man hier besonders gut lernen, weil man sie sieht. Aber man sieht auch wie die Zukunft sein kann: zum Beispiel in Form der Umwelt-Jugendherberge und der umgebenden Natur, welche es in Zukunft noch weiter zu schützen gilt.

Dieser Artikel wurde geschrieben von Franziska Metzner von der Jugendredaktion der Jungen Presse e.V., die live von der youcoN auf ihrem Magazin www.youthmag.de berichtet und uns diesen Beitrag freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Seit über 65 Jahren setzt sich die Junge Presse ehrenamtlich für medieninteressierte Jugendliche ein und ist einer der größten bundesweit aktiven Jugendmedienverbände.

Nachhaltig Reisen – Widerspruch in sich?!

Im Workshop „Fair(er) Reisen“ von Marie Sauß ging es darum, wie nachhaltig Tourismus ist und wie man selbst seine Reisen fairer gestalten kann. Leider war der Workshop sehr streng konzipiert, Diskussionen wurden nicht gefördert, sondern von der Leiterin abgebrochen.

Die Teilnehmer wurden mit Fließtexten empfangen, aus denen in Teams je zwei Personen zu vier Themen Informationen herausgefiltert werden sollten. Ob man sich dabei fühlt wie in der Schule, wenn Lehrende versuchen, den Frontalunterricht durch Gruppenarbeiten aufzulockern? Vielleicht. Die große Begeisterung blieb unter den Teilnehmenden jedenfalls aus.

Neue Erkenntnisse bleiben aus

Obwohl die Teilnehmenden an mehreren Punkten die Diskussion suchten und die Atmosphäre auflockern wollten, war der Ablauf durch die Seminarleitung sehr an ihre Vorstellungen gebunden. So wurden Plakate in den Teams mit den aus den Fließtexten ausgewerteten Inhalten gestaltet und im Nachgang für die Gruppe vorgestellt.

Die Gruppe, die sich mit Siegeln für nachhaltigen Tourismus auseinandersetzten, berichteten in diesem Bereich von fehlender Transparenz und Qualitätskontrollen und einem sehr niedrigen Bekanntheitsgrad. Außerdem führt die Vielfalt der Siegel auch zu einer extremen Unübersichtlichkeit. Zeit, darüber zu sprechen, was man dagegen unternehmen kann und wie man sich einen Überblick verschaffen kann, blieb nicht, schließlich musste es ja direkt mit der nächsten Präsentation einer Zweier-Gruppe weitergehen.

Im Verlauf des Workshops wurde in dieser Form weiter über ökologische Probleme vor Ort in der bereisten Region gesprochenen, wie beispielsweise den Müll, der übermäßig durch den im Tourismus erhöhten Konsum entsteht und für den vor Ort meist keine logistisch sinnvollen Entsorgungssysteme vorhanden sind. Außerdem entstehen durch vermehrten Tourismus in einem Gebiet zahlreiche Probleme, die im Zusammenhang mit Wasser stehen. Denn speziell um Touristen in die Region zu bringen bzw. um den Ansprüchen von Reisenden gerecht zu werden, entstehen oft luxuriöse Poollandschaften, Hotelanlagen mit Brunnen und Pflanzen oder Parkanlagen. Natürlich müssen solche Exklusivitäten auch bewässert und gepflegt werden. Dies gestaltet sich besonders schwierig, wenn für die angepflanzte Flora eigentlich komplett andere klimatische Bedingungen herrschen müssten. Aber Hauptsache, der Tourist kann sich über Blütenprachten und Springbrunnen freuen. Aber ist das wirklich ein Grund zur Freude?

Der Grundwasserspiegel sinkt folglich immer weiter, bis ein Punkt angekommen ist, an dem eine Region über ihre Ressourcen leben muss, um aufrecht zu halten, was für den Massentourismus aufgebaut wurde.

Eine weitere gravierende Auswirkung des Massentourismus ist die Versiegelung großer Landflächen durch den Bau von beispielsweise Flughäfen und die Erweiterung der Infrastruktur. Das gesamte Abwassersystem muss deshalb überholt werden.

Nicht zu vergessen sind allerdings die unglaublich großen Massen an Emissionen, die vor allem bei der An- und Abreise und bei Schifffahrten entstehen. Daran anknüpfend bekam die Gruppe Input zu CO2- Kompensation. Vor allem zu diesem Thema hatten die youcoN-Teilnehmenden alle ihre eigene Meinung. Aber für konstruktive Gedanken zu den einzelnen Themen und Vorschläge dafür, wie man selbst seine Reise nachhaltiger und fairer gestalten könnte, war keine Zeit mehr, schließlich hatte sich die Referentin noch vorgenommen, eine Traumreise mit den Jugendlichen zu machen. Jeder sollte sich hierbei eine kleine Notiz an sich selbst aufschreiben, nach welchem Grundsatz man für sich im Kontext der Nachhaltigkeit seine Reisen in Zukunft gestalten will. Folgendes Zitat teilte einer der Teilnehmenden mit der Gruppe und fasste damit die allgemeine Einschätzung sehr gut zusammen:

Eine Auszeit ist wichtig, das Gewissen aber auch.

Mit diesem Merksatz mache er für sich klar, dass man sich natürlich auch mal eine Auszeit gönnen, aber er diese auch nachhaltig gestalten müsse, damit er mit einem reinen Gewissen danach wieder in den Alltag starten kann.

Dieser Artikel wurde geschrieben von Johanna Dörrie von der Jugendredaktion der Jungen Presse e.V., die live von der youcoN auf ihrem Magazin www.youthmag.de berichtet und uns diesen Beitrag freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Seit über 65 Jahren setzt sich die Junge Presse ehrenamtlich für medieninteressierte Jugendliche ein und ist einer der größten bundesweit aktiven Jugendmedienverbände.

Ist doch bloß Blut! – Muss man aber auch wissen…

Beim Markt der Möglichkeiten auf der youcoN2018, auf dem verschiedene Projekte vorgestellt wurden, fand sich auch ein Stand mit dem Titel „Erdbeerwoche“. Eine Umschreibung, die eigentlich zur Tabuisierung des Themas Menstruation beiträgt, ein bisschen wie „das, dessen Name nicht genannt werden darf“. Eine Umfrage des Projektes „Erdbeerwoche@school“ unter 1100 Jugendlichen zwischen 13 und 17 Jahren hat ergeben, dass 60% der Mädchen das Thema peinlich ist.

„Es gibt insgesamt über 5.000 Umschreibungen auf der Welt für das Wort Menstruation.
Die Umschreibung Erdbeerwoche ist bekannt. Sie ist ein Türöffner für das Thema“ – Annemarie Harant

Die youcoN, auf der die jüngsten Teilnehmenden 14 Jahre alt sind, findet hier eine gute Zielgruppe. Und tatsächlich bleiben viele Mädchen an dem Stand stehen, um mit Annemarie Harant zu reden, die das Team des digitalen Lernportals „Ready for Red“ auf dem Markt der Möglichkeiten vertreten hat. Das Lernportal richtet sich vor allem an Lehranstalten und Eltern, die ihre Kinder zum Thema Menstruation aufklären wollen. Denn nach der Umfrage fehlt das Wissen um den eigenen Körper und die Menstruation im Allgemeinen an allen Ecken und Enden.

„Bei der Umfrage wussten rund 50% der Mädchen nicht einmal, wie der Zyklus funktioniert. Und genau so viele Jungen denken immer noch, Mädchen könnten während der Regel nicht schwanger werden.“ – Annemarie Harant

Auch beim Thema ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit bestehe viel Nachholbedarf, findet Annemarie Harant. Laut Umfrage würden 83% der befragten Mädchen ihre Tampons und Binden in der Toilette entsorgen. Nur zwei Prozent würden Menstruationstassen benutzen, um Wegwerfartikel zu vermeiden. Und nicht nur in der schulischen Aufklärung gibt es Probleme.

„Bei Hygieneprodukten für Frauen gibt es eine Gesetzeslücke. Anders als bei unserem Essen müssen nämlich auf der Verpackung keinerlei Inhaltsstoffe auf den Verpackungen angegeben werden. Dadurch gelangen Chemikalien an die empfindlichsten Regionen des Körpers, die dort gar nichts zu suchen haben.“ – Annemarie Harant

Hygieneartikel sind in Deutschland immer noch mit 19% Mehrwertsteuer belegt. In vielen anderen Ländern wie Großbritannien und Irland gibt es diese Steuer nicht mehr. Auch Australien hat sie vor drei Tagen abgeschafft. Alles Dinge, die vor allem Mann (aber auch Frau) oft nicht weiß, weil das Thema im Alltag nicht offen besprochen wird. „Ready for Red“ hat das Ziel, im jungen Alter anzusetzen und mithilfe von spielerischem und kreativem Content Tabuisierungen aufzubrechen und Wissen an Jungen wie an Mädchen zu vermitteln.

Dieser Artikel wurde geschrieben von Pascal Bucksteeg von der Jugendredaktion der Jungen Presse e.V., die live von der youcoN auf ihrem Magazin www.youthmag.de berichtet und uns diesen Beitrag freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Seit über 65 Jahren setzt sich die Junge Presse ehrenamtlich für medieninteressierte Jugendliche ein und ist einer der größten bundesweit aktiven Jugendmedienverbände.

Wenn das Wasser in der Flasche mal grau ist…

Der Bau einer nachhaltigen Wasser-Recycling-Installation dauert ungefähr zwei Tage. Der erste Entwurf eines solchen Systems lässt sich aber schon in anderthalb Stunden Workshop-Zeit erarbeiten. Referentin Katrin Hoffmann wohnt, soweit es gesetzlich möglich ist, in einem Tiny House. Ein mobiles Zuhause, das auf zehn Quadratmetern eigentlich alles bietet, was ein Mensch braucht. Damit kann Katrin einfach von Ort zu Ort reisen, um ihre Lebensweise vorzustellen, mit anderen zusammenzuarbeiten und sich auszutauschen.

Doch wie wird das Tiny House wirklich autark und unabhängig von starren Infrastrukturen? Wie kann ein nachhaltiges Wasser-Recycling-System hergestellt werden, dass praktisch in den Alltag passt – an jedem Ort?

Losgelöst von Vorgaben sammeln die Teilnehmenden Inspirationen und Ideen.

Das größte Vorbild ist dabei die Natur. Niederschlagswasser, das im Boden versickert, läuft durch verschieden grobe, teils mineralhaltige Bodenschichten und wird so maschinell gefiltert und mineralisiert, bevor es zum Grundwasser gelangt. Das Mäandern eines Flusses hilft, Wasser zu säubern – in den Kurven liegen große Steine, die für Verwirbelungen sorgen, sodass sich dort Schmutzpartikel ablagern. Der ständige Strom und UV-Einstrahlung durch das Sonnenlicht behindert die Arbeit von bakteriellen Kulturen und hat somit eine desinfizierende Wirkung. In stehenden Gewässern verwerten Sumpfpflanzen und Mikroorganismen organische Materialen wie Tenside.

Wie können diese natürlichen Materialien in einem kompakten System in den Haushalt integriert werden und wo sind ihre Grenzen? Sumpfpflanzen können in geschlossenen Räumen ohne UV-Einstrahlung nicht überleben; Mikroorganismen stoppen ihre Arbeit bei zu kalten Temperaturen. Außerdem nutzen wir Wasser unterschiedlich – im Bad findet sich im Abwasser Seife, in der Küche gelangt das Fett von Essensresten ins Spülwasser. Damit gelten für verschiedene Räume nicht die gleichen Anforderungen an ein Wasser-Recycling-System.

Eine allgemeine Konstruktion kann dennoch funktionieren, wenn entsprechende Substanzen vorher entfernt werden. Fett von Tellern lässt sich mithilfe von getrocknetem Kaffeesatz aufsaugen und dieser lässt sich anschließend als Dünger verwenden – viele Haushaltsabfälle können also durch und durch selbstständig nachhaltig verwertet werden.

Verwirklichte Beispiele, interessante Entwürfe

Katrin Hoffmann zeigt an einem kleinen Holzmodell, wie sie eine Gartenhütte ästhetisch und praktisch mit einem nachhaltigen Wassersystem ausgestattet hat. Durch eine Dachrinne fließt Regen- und Schmutzwasser. Dabei ist in der Rinne ein maschinelles Filtersystem integriert: In Nylonstrümpfen befinden sich Materialien wie Kiesel und Aktivkohle. Nach Säuberung des Wassers kann es zum Gießen der Pflanzen um die Gartenhütte genutzt werden. Ein großer Vorteil ist, dass das Material in den Strümpfen bei Abnutzung leicht auszutauschen ist. Denn müsste man zum Beispiel zur Instandhaltung einer Wasser-Recycling-Konstruktion jedes Mal ein Rohr ab- und wieder anschrauben, würde das einfach den Alltag zu sehr behindern.

Die Teilnehmenden bringen danach ihre Entwürfe und Ideen für verschiedene Elemente zu Papier.

Zum Sammeln von Niederschlag soll eine Trichterform verwendet werden. Der Trichter kann dabei zum Beispiel aus einem Material bestehen, an dem Wasser kondensieren kann, um auch Tauwasser gewinnen zu können. Oder in ihm werden Sumpfpflanzen gesetzt, die das Wasser schon reinigen und durch einen Verschluss wird der Wasserfluss reguliert, damit die Pflanzen überleben. In Rohren, durch die das Wasser natürlicherweise nach unten fließt, können Wasserräder angebracht werden, die wiederum eine Pumpe betreiben, die das Abwasser zurück zum Anfang des Filtersystems bringt. Filtermaterialien und Mineralsteine können einfach ausgetauscht werden, wenn sie in Schubladen im Wasserrohr angeordnet werden.

Es wird deutlich, dass die ersten Entwürfe so nicht direkt umgesetzt werden können. Dennoch sind die Ideen, die entstehen, wenn man sich von klassischen Erwartungen an scheinbar so etwas kompliziertes wie Wasser-Recycling löst, vielleicht wegweisend sind für nachhaltige Veränderungen.

Dieser Artikel wurde geschrieben von Palina Tkachonak von der Jugendredaktion der Jungen Presse e.V., die live von der youcoN auf ihrem Magazin www.youthmag.de berichtet und uns diesen Beitrag freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Seit über 65 Jahren setzt sich die Junge Presse ehrenamtlich für medieninteressierte Jugendliche ein und ist einer der größten bundesweit aktiven Jugendmedienverbände.