Gemeinsam mit 26 Teilnehmer*innen aus 18 verschiedenen Jugendorganisationen haben wir als youpan auf der Fachkonferenz vom 28.-30.06.2024 in Bielefeld Ideen für eine widerstandsfähige Bildung erarbeitet. Die Konferenz bot neben einer Fishbowl-Diskussion mit Bildungspolitikerin Dr. Wiebke Esdar, MdB (SPD) und einer Diskussionrunde mit Saloua Mohammed und Nora Peulen viel freien Raum für Austausch, Vernetzung und die Entwicklung gemeinsamer Projektideen. Wie all unsere Veranstaltungen war die Fachkonferenz kostenlos für die Teilnehmer*innen: Fahrt, Unterkunft und Essen inklusive.
„Zukunftsängsten mit konkreten Visionen und Tatendrang begegnen“
Zum Konferenzauftakt am Freitagabend konnte das Jugendforum die Bielefelder Bundestagsabgeordnete Dr. Wiebke Esdar (SPD) für eine offene Gesprächsrunde gewinnen. Die jungen Teilnehmer*innen waren in Diskussionslaune: keiner der angebotenen Sitzplätze für die wechselnden Mitdiskutant*innen in der „Fishbowl“ blieb lange unbesetzt. Mehrere Teilnehmer*innen wiesen darauf hin, dass Personen, die beHindert werden, besonders stark von rechtsextremer Ideologie und Gewalt betroffen sind, dies aber in der öffentlichen Wahrnehmung viel zu kurz käme. Zudem mahnen sie an, Sprachbarrieren, die in der Verhandlung politischer Inhalte aufgebaut würden, zu reflektieren und zu überwinden.
Dr. Esdar wurde zudem mit Fragen sowohl nach politischen als auch zivilgesellschaftlichen Antworten auf das Erstarken rechtsextremer Kräfte in Deutschland konfrontiert. „Solange wir den jungen Menschen nicht zuhören, habe ich keine Hoffnung, dass sich die politische Kräfteverteilung ändert bis zur nächsten Bundestagswahl“, sagt İrem Erkal, Jungsozialistin aus Bayern und angehende Lehrerkraft. „Wann fangen wir also an ihnen zuzuhören?“ Esdar stimmt zu, dass aktives Zuhören eine der wichtigsten Fähigkeiten von Politiker*innen ist, verweist jedoch gleichzeitig auf die Herausforderung einerseits politische Lösungsansätze angemessen in alle Richtungen zu kommunizieren und andererseits der Vielzahl unterschiedlicher Lebensrealitäten der Bürger*innen gerecht zu werden.
Die jungen Teilnehmer*innen interessieren sich vor allem für konkreten Maßnahmen von denen Esdar einige zu den Themen Rente, Kinderbetreuung und Klimaneutralität parat hat. Sie wollen „Zukunftsängsten mit konkreten Visionen und Tatendrang begegnen“, wie Dewina Leuschner aus dem youpaN formuliert. Zum Ende der Diskussion zeigte sich Dr. Esdar beeindruckt: sowohl von der Bandbreite an Themen, den die Teilnehmer+innen der Konferenz im Gepäck haben als auch von ihrer Bereitschaft ihr gesamtes Wochenende mit dem ehrenamtlichen Engagement für Bildung und Demokratie zu verbringen.
„Ihr und euer Einsatz für unsere vielfältige Demokratie stimmen mich mutig!“
Dr. Wiebke Esdar

BNE, Machtkritik und handfeste Tipps
Der zweite Tag der Konferenz wurde durch einen Dialog zwischen Saloua Mohammed (Trainerin und Referentin für Rassismuskritik und Rechtsextremismusprävention, Diversität und für Antirassismus, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der TU Köln und Sozialarbeiterin) und Nora Peulen (Konzeptwerk Neue Ökonomie) mit einer anschließenden Diskussionsrunde eröffnet. Hier wurden einerseits u. a. Konzepte wie Intersektionalität und verschiedene Diskriminierungsformen besprochen, andererseits konkrete Vorschläge für eine machtkritische Transformation im direkten Umfeld genannt. Mit der Suche nach Verbündeten, der Schaffung von Reflexionsräumen, dem Schmieden von Allianzen mit Expert*innen und/oder Betroffenen und der Begleitung durch eine externe Instanz gab Peulen handfeste Tipps, wie der Umschwung hin zu einer Diversitätsorientierung in einer Organisation und ihren Angeboten gelingen kann.
„In der Lehrkräfte-Ausbildung kommen Machtkritik, Rassismuskritik, Antisemitismuskritik, usw. viel zu kurz. Es ist wichtig, dass wir in diese Räume reininformieren und zurückzumelden: Die angehenden Lehrkräfte brauchen dahingehend Unterstützung! Das ist zwar nicht die Aufgabe der non-formalen Bildung, aber was ist die Alternative?“ – Saloua Mohammed
„Nicht alle sind immer glücklich über Partizipation. Jemanden zu beteiligen kann auch bedeuten, sich selbst zurücknehmen zu müssen – Privilegien abgeben. Da gilt es sich selbst zu reflektieren und sich ehrlich zu machen: Was wollen wir wirklich und was bedeutet das in der Konsequenz? Es ist sehr wichtig, Räume für diese Reflektion zu schaffen.“ – Saloua Mohammed
„Je mehr Perspektiven im Raum sind, desto einfacher ist es für dieden Einzelnen ihreseine Privilegien kritisch zu reflektieren.“ – Nora Peulen
„Empathie bedeutet miteinander zu lernen und Verständnis dafür zu haben, in welchen Reflexionsprozessen wir uns jeweils momentan befinden.“ – Nora Peulen

Barcamps: Bildung wie sie uns gefällt
Das Programm ermöglicht den jungen Engagierten darüber hinaus, sich entsprechend ihrer Interessen in drei verschiedenen Barcamps zu treffen. Dort entwickeln sie in Eigenregie Ideen zu Demokratiebildung, einem Netzwerk für junges Demokratie-Engagement, sowie rund um die Ansprache diverser Zielgruppen. Die Diskussionen und Prozesse der einzelenen Gruppen wurden in einem Graphic Recording aufgezeichnet.
„Die Ergebnisse der diesjährigen Europawahl beschäftigen uns sehr. Wir im youpan sind uns allerdings einig: Wir verfallen nicht in eine Schockstarre – im Gegenteil: wir bleiben aktiv und setzen uns gemeinsam für unsere Demokratie ein!“ – Phillip Gutberlet (youpan)








