Große Ziele erreichen – mit Jugendbeteiligung

 

Foto: Nele Kälberloh

„We don´t need hope – We need action!“ Unter diesem Motto gestalteten Thomas Hohn von Greenpeace und Elena Keil vom youpaN, beide vom Bündnis Zukunftsbildung, einen Workshop am Freitag auf der youcoN. Sie gestalteten den Workshop, um junge Menschen Konzepte für eine bessere Zukunft entwickeln zu lassen. Zu Beginn des Workshops erklärten sie, welche Ziele das Pariser Abkommen verfolgt und was SDGs sind, damit alle Teilnehmenden eine gute Informationsgrundlage hatten.

Pariser Abkommen

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie beschreibt das Pariser Abkommen als ein neues, globales Klimaschutzabkommen. Im Dezember 2015 einigten sich bei den UN-Klimakonferenz 197 Staaten für das Pariser Abkommen auf zentrale Ziele, die die Europäische Kommission zusammenfasst: Die Regierungen sollen jeweils Wege finden, um die Erderwärmung „deutlich unter“ zwei Grad Celsius zu begrenzen. Zudem sollen sich die Staaten bemühen, zeitnah die Emissionswerte zu senken.

Die Staaten haben vor und nach der Konferenz nationale Klimaschutzpläne vorgelegt. Diese Pläne sollen dazu beitragen, dass die Ziele err

eicht werden. Die Staaten, die sich auf das Abkommen geeinigt haben, treffen sich alle fünf Jahre beginnend mit dem Jahr 2018, um strengere Ziele festzulegen, wenn nötig. Außerdem verpflichten sie sich mit dem Pariser Abkommen dazu, öffentlich Bericht darüber zu erstatten, welche Fortschritte sie bei der Umsetzung der Pläne verzeichnen können.

Sustainable Development Goals (SDGs)

 

Die SDGs sind 17 Ziele, die für eine erstrebenswerte und nachhaltige Zukunft bis 2030 erreicht werden sollen, und wurden von allen UN-Mitgliedsstaaten beschlossen. Sie berücksichtigen laut dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung erstmals drei Dimensionen der Nachhaltigkeit gleichermaßen: Soziales, Umwelt und Wirtschaft. Die UN schreiben, dass die Ziele ausgerichtet an den globalen Herausforderungen unserer Zeit sind und Themen wie Hunger, Armut, Gleichberechtigung, Frieden, Klima und Bildung umfassen.

Die SDGs bilden das Kernstück der Agenda 2030. Die Agenda 2030 bestehe aus einer Präambel, einer politischen Deklaration, den Sustainable Development Goals, einem Abschnitt zu Umsetzungsmitteln und zur globalen Partnerschaft sowie einem Abschnitt zu Nachbereitung und Überprüfung, erklärt das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nuklearer Sicherheit. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung schreibt über die Agenda 2030: „Die Agenda 2030 gilt für alle Staaten dieser Welt: Entwicklungsländer, Schwellenländer, Industriestaaten: Alle müssen ihren Beitrag leisten“

Unser optimales 2030

Die Referenten forderten die jungen Teilnehmenden nach dem Input auf, sich in Gruppen Gedanken über eine erstrebenswerte Zukunft in 2030 zu machen. Die Jugendlichen sollten diskutieren, in welcher Welt sie 2030 leben wollen, ohne sich bei ihren Überlegungen davon einschränken zu lassen, was sie für möglich oder unerreichbar halten. Die zentrale Fragestellung war: Wie sieht dein optimales 2030 aus?

In zwei Gruppen stellten die Jugendlichen ihre Ergebnisse vor. Die Jugendlichen wünschen sich einen Fortschritt durch Digitalisierung und keine Massentierhaltung mehr. Sie setzen voraus, dass die Ziele des Pariser Abkommens erreicht wurden und wollen, dass Urban Gardening eine große Bedeutung in Städten gewonnen hat. Straßen sollen ein Ort für und mit Menschen sein. Damit geht für sie auch einher, dass Städte frei von Autos sind. Dafür wollen sie teils alternative Arten der Fortbewegung finden, aber auch den ÖPNV stärken und ausbauen.

Zudem ist diese Gruppe der Teilnehmenden sich einig: Im Bildungssektor soll sich einiges ändern. Sie tauschten sich über eine Bildungsreform aus, in der das Thema Nachhaltigkeit mit eingebunden wird und Bildung insgesamt eine höhere Relevanz in der Gesellschaft hat. Einige der Jugendlichen sprachen sich für Wahlen ab 16 aus, um die Jugendbeteiligung zu stärken und politische Einflussnahme für die Jugend zu ermöglichen.

Andere Teilnehmende hatten sich für drei zentrale Werte entschieden, die sie schon in der frühkindlichen Bildung vermitteln wollen: Respekt, Wertschätzung und Gleichberechtigung. 2030 wollen sie eine offene und bewusste Gesellschaft.

Youth for Change: Von Utopien zum konkreten Projekt

Thomas Hohn und Elena Keil beauftragten daraufhin die Jugendlichen, sich konkret zu überlegen, wie man die Ziele erreichen kann und welche Wege man dafür gehen kann. Hier äußerten die Jugendlichen unterschiedliche Möglichkeiten. Zum einen könne man selbst aktiv werden, meint die Teilnehmende Laura Rupenow. Sie hatte mit ihrer Gruppe über kreative Straßenaktionen gesprochen. Marcel Kupfer hingegen sagte, dass man erst auf politischer Ebene seine Ziele langfristig erreichen könne. Teilweise hatten die Teilnehmenden Schwierigkeiten, sich auf konkrete Ideen zur Umsetzung ihrer Ziele zu fokussieren und wägten unterschiedliche Herangehensweisen ab.

Initiative ergreifen für mehr Jugendbeteiligung

Die beiden Referenten unterstützten die Jugendlichen, gaben Tipps und brachten ihre Gedanken mit in die Gespräche ein. Thomas Hohn ist seit den 80ern für Greenpeace aktiv, arbeitet seit vier Jahren für den Verein und ist Sprecher des Bündnis Zukunftsbildung. Das Bündnis Zukunftsbildung nennt sich selbst eine Initiative deutscher Nichtregierungsorganisationen aus den Bereichen Jugend, Umwelt- und Naturschutz, Entwicklung und Menschenrechte. Das Bündnis hat sich in einem offenen Brief an die Bundeskanzlerin und verschiedene Ministerien gewendet und gefordert, Bildung konsequent an einer nachhaltigen Entwicklung auszurichten und Jugend aktiv mit einzubinden. Deshalb setzt er sich auch speziell mit dem vierten SDG auseinander: „Inklusive, gerechte und hochwertige Bildung gewährleisten und Möglichkeiten des lebenslangen Lernens für alle fördern“. Der Schwerpunkt liegt für ihn in der Stärkung und Mobilisierung der Jugend.

Thomas Hohn sprach zudem mit uns über Jugendbeteiligung und darüber, wie man selbst Veränderung schaffen kann.

„Ich glaube, wir brauchen Utopien. Wir müssen uns Ziele setzen, die momentan vielleicht für uns unmöglich erscheinen.“ – Thomas Hohn

Er sagt, wir müssten aus unserer Box kommen, die uns ohnehin im Alltag einschränke, um eine Lösung für die Probleme zu finden, mit denen wir zu kämpfen haben. „Utopien sind absolut notwendig, damit wir aus unserem eingeschränkten Denken kommen“, sagt Hohn. „Das, was zu Beginn unmöglich erscheint, kommt irgendwann zu dem Punkt, an dem es als völlig selbstverständlich angenommen wird. Das war auch schon in der Vergangenheit so.“

Hohn sagt, für den persönlichen Einsatz müsse jeder für sich selbst ausloten, was machbar sei. Jeder könne Veränderung in seinem ganz persönlichem Rahmen für sich selbst anfangen. Es gebe sehr viele verschiedene Möglichkeiten, wie man sich engagieren könne, und hierbei müsse jeder für sich selbst herausfinden, wo das Herz brenne und was man selbst gerne verändern wolle.

Ein Statement zu Fridays for Future

An den Fridays for Future gehen zahlreiche Menschen jeden Freitag auf die Straße, um für Klimaschutz zu demonstrieren. Thomas Hohn sieht, wie sich hier die Jugend beteiligt.

Das ist Bildung. Das ist genau das, was mit Partizipation und handlungsorientiertem Ansatz gemeint ist. Das ist gemeint, wenn wir davon sprechen, dass sich Jugend komplexen Inhalten nähern und für ihre Ziele eintreten soll. – Thomas Hohn

Sein Eindruck sei, dass die Fridays for Future jetzt schon maßgeblich politische Debatten mitgestalten. Das macht er daran fest, dass bei der diesjährigen Europawahl Klimawandel und Umwelt eine große Rolle gespielt haben. Er sieht Fridays for Future als einen Impuls, auf den noch mehr folgen kann. „Wenn die Politik die Jugend weiter ignoriert, dann wird die Jugend nur lauter. Wie lange das geht, bleibt meiner Meinung nach offen“, sagt Hohn.

Dieser Artikel wurde geschrieben von Johanna Dörrie von der Jugendredaktion der Jungen Presse e.V., die live von der youcoN auf ihrem Magazin www.youthmag.de berichtet und uns diesen Beitrag freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Seit über 65 Jahren setzt sich die Junge Presse ehrenamtlich für medieninteressierte Jugendliche ein und ist einer der größten bundesweit aktiven Jugendmedienverbände.

„UN(ist)möglich“ – Jugendbeteiligung bei den Vereinten Nationen

Foto: Franziska Metzner

Nikolas ist Jugenddelegierter der Vereinten Nationen (UN) und ist auf der youcoN mit seinem Workshop „UN(ist)möglich – It’s up to youth“ vor Ort. Da die Jugendbeteiligung auch eines der großen Themen auf der youcoN ist, haben wir vom Youthmag uns einmal angeschaut, was Nikolas als UN-Jugenddelegierter macht.

Was sind eigentlich UN-Jugenddelegierte?

UN-Jugenddelegierte beraten die deutschen Diplomaten und Diplomatinnen in Jugendfragen. Jedes Jahr werden dafür zwei neue junge Menschen ausgewählt, die dann auch mit nach New York zur Generalversammlung der Vereinten Nationen kommen. Dieses Jahr sind dies Josephine Hebling und Nikolas Karanikolas. Sie sind dort die Stimme der deutschen Jugend.

Um alle in Deutschland lebenden Jugendlichen auch entsprechend vertreten zu können, reisen die Jugenddelegierten vor der UN-Versammlung durch das ganze Land. Sie versuchen während ihrer Deutschlandtour so viele Meinungen, Visionen und Forderungen wie möglich einzufangen. Das ist wichtig für die Jugenddelegierten, um sich als Repräsentanten der Jugendlichen zu legitimieren und sich ein Bild von den Meinungen der Jugendlichen machen zu können.

Auch haben die Jugenddelegierten ein Rederecht im dritten Ausschuss der UN-Generalversammlung, um den Stimmen der Jugendlichen Gehör zu verschaffen. Ziele des UNO-Jugenddelegierten-Programmes sind es unter anderem, die Jugend mehr bei Entscheidungen mit einzubeziehen und auch die Arbeit und Werte der UNO für Jugendliche in Deutschland nachvollziehbarer zu machen.

Nikolas Karanikolas engagiert sich gegen Not und Armut, seit er zehn Jahre alt ist . Deshalb haben wir vom Youthmag gefragt, wie man denn eigentlich Jugenddeligierter wird und was für die Deutschlandtour geplant ist.

Youthmag: Muss man, so wie du, jahrelanges ehrenamtliches Engagement mitbringen, um sich für das Amt als UN-Jugenddeligierter zu bewerben?

Nikolas: Nein, man muss kein jahrelanges Engagement mitbringen, um sich zu bewerben. Es kommt sehr auf die Persönlichkeit und auf deine Einstellung an. Ich hatte mich tatsächlich für das Amt 2018 schon beworben und wurde in der ersten Phase aussortiert und hatte mich dann für 2019 nochmal beworben.

Youthmag: Woran glaubst du, lag es, dass du 2018 nicht genommen wurdest?

Nikolas: Ich denke, ich hatte damals noch die falsche Einstellung, weil ich dachte: Ich bringe meine Werte dort ein. Aber das ist nicht der Sinn, die Aufgabe ist es, die Werte und Themen der Jugendlichen in ganz Deutschland zu sammeln und diese weiter zu tragen.

Youthmag: Kann man irgendwo sehen, wo du und deine Amtspartnerin Josephine auf eurer Deutschlandtour hinkommen werden?

Nikolas: Demnächst wird es einen öffentlichen Kalender geben, der ist nur noch nicht veröffentlicht, weil wir dieses Jahr sehr viel Zeit für die Auswahl der Orte aufwenden, da wir dieses Jahr die Priorität auf Orte legen wollen, die noch nicht so oft besucht wurden.

Youthmag: Welche Einrichtungen und Orte habt ihr dann vor zu besuchen, wenn ihr neue Stimmen hören wollt?

Nikolas: Wir möchten auf jeden Fall auch viele Communities besuchen, zum Beispiel die „People of Color Communities“, […], Hauptschulen, Jugendpsychiatrien oder auch Jugendstrafgefängnisse.

Als UN-Jugenddeligierter vertritt man die Meinung aller in Deutschland lebenden Jugendlichen.

Eine gewaltige Aufgabe ist das. Deshalb ist es eine super Idee von den diesjährigen Amtsinhabern, junge Menschen zu besuchen, die noch nicht so häufig gehört wurden, anstatt immer die selben Einrichtungen zu besuchen. Wenn ihr euch jetzt fragt, wo ihr Nikolas und Josephine eure Meinung über bestimmte politische Fragen weitergeben könnt, sodass diese vielleicht in die Rede bei der UN-Generalversammlung mit einfließt, könnt ihr ihnen zum Beispiel auf  der Facebook Seite der UN-Jugenddelegierten schreiben.

Dieser Artikel wurde geschrieben von Franziska Metzner von der Jugendredaktion der Jungen Presse e.V., die live von der youcoN auf ihrem Magazin www.youthmag.de berichtet und uns diesen Beitrag freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Seit über 65 Jahren setzt sich die Junge Presse ehrenamtlich für medieninteressierte Jugendliche ein und ist einer der größten bundesweit aktiven Jugendmedienverbände.

Cordelia Möhrer und Josephin Wagner vom „netzwerk n“ im Interview

Foto: Nele Kälberloh

Cordelia und Josephin sind beide Mitglieder von netzwerk n und geben in diesem Interview einen kleinen Einblick in ihre Vereinsarbeit. Das netzwerk n wurde 2010 gegründet und engagiert sich seither für einen Wandel in der gesamtdeutschen Hochschullandschaft im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung in allen Bereichen hochschulischen Handelns (Betrieb, Lehre, Forschung, Governance). Als Vernetzungsplattform bringt der Verein sämtliche Akteure mit Universitätsbezug zusammen und ermöglicht somit in verschiedenen Formaten Wissens-, Erfahrungs- und Kompetenzaustausch: Das Wandercoaching unterstützt Nachhaltigkeitsinitiativen, während der konferenz n werden Transformationsprozesse weiter vorangetrieben, bei perspektive n werden Diskussionsreihen zur Zukunftsfähigkeit von Hochschulen in ganz Deutschland organisiert.

Youthmag: Was genau ist Eure Aufgabe im netzwerk n und woran arbeitet Ihr gerade?

Josephin: Ich bin seit April im Vorstand von netzwerk n, d.h. ich entwickele zusammen mit sechs anderen Menschen den Verein weiter. Zur Zeit haben wir gerade mehrere Projekte am Laufen, die von Vorstandsseite her geregelt werden müssen. Meine Aufgabe im Speziellen sind die Betreuung eines dieser aktuellen Projekte als „Buddy“ und der Austausch mit den ganzen Angestellten, ob alles richtig läuft. Dann bin ich auch noch für das Thema „Gender and Diversity“ zuständig und werde in den nächsten Jahren, in denen ich im Vorstand bin, das Thema stärker beleuchten und zeigen wie divers das netzwerk n ist.

Youthmag: Also wollt Ihr erstmal noch nicht hochschulintern Diversität thematisieren?

Josephin: Das wäre der nächste Schritt. Erstmal würden wir uns vereinsintern mit dem Thema befassen.

Cordelia: Ich war letztes Jahr im Wanderchoaching-Jahrgang. Das ist eines der Programme vom netzwerk n, in dem Leute ausgebildet werden, die Hochschulgruppen dabei zu unterstützen, mehr Nachhaltigkeit an den Universitäten durchzusetzen. An Wochenenden verbringen wir immer Zeit mit eben diesen Leuten, helfen ihnen als Team bei Problemen und bringen ihnen dann auch allerlei Methoden bei – so ähnlich wie wir das dieses Wochenende in diesem Workshop machen.

Youthmag: Ihr zählt gerade knapp 100 Mitglieder. Wie glaubt Ihr, könnt Ihr noch mehr Leute erreichen bzw. für netzwerk n begeistern?

Josephin: Die Mitgliederzahl spiegelt nicht unbedingt die Zahl von Menschen wider, die mit dem netzwerk n schon einmal in Berührung gekommen sind. Wir haben dieses Jahr schon den 5. Wanderchoaching-Jahrgang und bei jedem Jahrgang werden ca. 20 Hochschulgruppen gechoacht, d.h. diese nehmen dabei Programme und Angebote vom netzwerk n oder auch perspektive n in Anspruch. Dabei unterstützen wir Hochschulgruppen, Podiumsdiskussionen mit unterschiedlichen Akteursgruppen zu organisieren. Nicht alle Menschen, die jemals mit netzwerk n zusammen gearbeitet haben, sind also Mitglieder im Verein.

Foto: Carolin Schnelle

Youthmag: Gibt es schon konkrete Pläne oder Ideen, das Format konferenz n in Lehrveranstaltungsprogramme von Unis zu integrieren, beispielsweise als Schlüsselqualifikation oder als Möglichkeit, sich ein solches Seminar anrechnen zu lassen?

Josephin: Das ist leider nicht mein Arbeitsbereich und gehört habe ich davon auch noch nichts. Es ist aber auf jeden Fall eine sehr gute Idee, die ich mitnehmen werde.

Youthmag: Ihr seid als Netzwerk für das Konzept, die gesamtdeutsche Hochschullandschaft im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung zu verbessern, vom UNESCO-Weltaktionsprogramm ausgezeichnet worden. Inwiefern hat Euch das als Verein einen Schub verpasst?

Josephin: Generell werden wir relativ oft mit Preisen ausgezeichnet. Dadurch werden wir öffentlich wahrgenommen, unsere Programme angenommen und unser Bekanntheitsgrad auch größer.

Cordelia: So eine Auszeichnung zu bekommen hat auch viel mit Wertschätzung zu tun. Dass gesehen wird, welche Arbeit gerade geleistet wird. Dass man dadurch auch ernster genommen wird und man nicht nur einfach als Zusammenschluss von studentischen Initiativen belächelt wird, sondern, dass auch etwas hinter dieser Arbeit steckt.

Youthmag: Stimmt,das hat auf jeden Fall Sinn. Es wollen sich ja nicht nur Studenten, sondern auch Professoren und andere Berufstätige einbringen.

Josephin: Genau. Wir versuchen Partizipation von allen Akteursgruppen an Hochschulen zu fördern.

Youthmag: Wollt Ihr noch abschließende Worte an die Leser richten?

Josephin: Wer Interesse hat oder einfach mal schauen will, was netzwerk n an der eigenen Uni anbietet, kann sich auf unserer Webseite bei plattform n anmelden und alle neusten Infos erhalten. Das ist nämlich die Idee: Alle Hochschulinitiativen, die sich mit Nachhaltigkeit befassen, können sich vernetzen.

Youthmag: Vielen Dank für das Interview.

Dieser Artikel wurde geschrieben von Sebastian Schroth von der Jugendredaktion der Jungen Presse e.V., die live von der youcoN auf ihrem Magazin www.youthmag.de berichtet und uns diesen Beitrag freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Seit über 65 Jahren setzt sich die Junge Presse ehrenamtlich für medieninteressierte Jugendliche ein und ist einer der größten bundesweit aktiven Jugendmedienverbände.

Print – Geschichten nachhaltig festhalten

Foto: Johanna Dörrie

„Print ist tot“, wirft ein Redakteur der Jungen Presse bei der ersten Redaktionssitzung auf der youcoN in den Raum. „Steht das nicht im Widerspruch zum Thema Nachhaltigkeit?“, erwidert eine Teilnehmende der Veranstaltung. 2019 gibt es zum ersten Mal eine Print-Ausgabe zur Berichterstattung der Jungen Presse auf der youcoN. Bei der Planung der youcoN haben sich Florian Sandmann, Vorsitzender der Jungen Presse, und Christoph Pennig von der youboX mit einem Team bewusst zum ersten Mal für eine zusätzliche Print-Ausgabe entschieden.

Christoph Pennig arbeitet seit zwei Jahren für die Stiftung Bildung im Team der youboX. In diesem Rahmen plant er die youcoN mit und leistet damit Öffentlichkeitsarbeit. Er sagt: „Zu unserer youcoN können nur 150 Menschen kommen. Wir hätten gerne so viel mehr da, die nun leider auf der Warteliste stehen. Doch wir haben so viele Geschichten zu erzählen, dass es sich lohnt, die auch mal zu drucken.“

Pennig glaubt an einen Multiplikationseffekt: Jeder Teilnehmende der youcoN bekommt die Print-Ausgabe und soll somit mit einem Erinnerungsstück nach Hause gehen. Sie sollen daraufhin das Wissen um die Veranstaltung und die erarbeiteten Ziele weitergeben: Sei es an Freunde, Familie oder Politiker. Denn in Foren wie dem youpaN, dem Jugendforum der youcoN, oder aus persönlichem Engagement sind einige der Teilnehmenden aktiv im Austausch mit Politikern zum Konzept Bildung für nachhaltige Entwicklung und wollen sie von der Relevanz des Themas überzeugen. Um auch solche Zielgruppen zu erreichen, sei es wichtig, die Ergebnisse und die Berichterstattung der youcoN gedruckt zu haben. „Mit 300 gedruckten Ausgaben können wir also nicht nur 300 Lesende erreichen, sondern viel mehr“, sagt Pennig.

„Wir achten sehr darauf, auch auf der Veranstaltung selbst nachhaltig zu leben. Deshalb gibt es das Programm auch primär online. Doch wir wollen auch soziale Nachhaltigkeit berücksichtigen“, sagt Pennig. Sowohl die Veranstaltung als auch die Berichterstattung sollen „barrierefrei“ sein. Durch die gedruckte Ausgabe soll gewährleistet werden, dass jeder darauf zugreifen kann.

Pennig sagt: „Tausend Blatt Papier zu bedrucken, klingt erstmal nicht gut, weil es viele Ressourcen verbraucht. Dann muss man aber auch berücksichtigen, wie viele Ressourcen es kostet, wenn ich alles ausschließlich digital hinterlege. Wie viele Ressourcen verbraucht eine Google-Anfrage? Wir haben die Entscheidung bewusst getroffen, weil wir ein größeres Ziel haben.“

Florian Sandmann ist schon seit elf Jahren in der Jungen Presse aktiv und seit 2016 Vorsitzender des Vereins. Er will eine Print-Ausgabe, damit die Ergebnisse nachhaltig gesichert sind. „Online ist alles sehr schnelllebig. Print hat hier eine höhere Wertigkeit und wird somit nachhaltiger wahrgenommen.“ Ihm ist es genau wie Pennig wichtig, die Berichterstattung zur Veranstaltung für jeden zugänglich zu machen und will mit dem ausgedruckten Magazin neue Zielgruppen erreichen.

Ist Print denn zukunftsfähig? Sandmann antwortet mit einem klaren „Ja.“ Auflagen gingen zwar zurück, eigener Einschätzung nach jahrelanger Arbeit in der Jungen Presse zufolge, sei er allerdings überzeugt, dass die Teilnehmenden der youcoN Print als handfestes Mittel einsetzen können. Er wolle ihnen etwas mitgeben, dass sie auf den Tisch legen oder jemandem in die Hand geben können und ihnen eine Möglichkeit geben, die Ergebnisse der Jugendkonferenz gefestigt mit in Gespräche zu nehmen. Sandmann sagt: „Wir stehen hinter unserer Entscheidung.“

Finanziert wird der Druck von dem Bundesministerium für Bildung und Forschung. Um lokale Unternehmen zu stärken, wurde Druckerei Kruse mit dem Druck beauftragt. Mit einer Auflage von 300 Stück gibt die Junge Presse gemeinsam mit der youcoN das Magazin an Teilnehmende der youcoN und Interessenten heraus.

Dieser Artikel wurde geschrieben von Johanna Dörrie von der Jugendredaktion der Jungen Presse e.V., die live von der youcoN auf ihrem Magazin www.youthmag.de berichtet und uns diesen Beitrag freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Seit über 65 Jahren setzt sich die Junge Presse ehrenamtlich für medieninteressierte Jugendliche ein und ist einer der größten bundesweit aktiven Jugendmedienverbände.

Ist Print noch zeitgemäß?

Foto: Carolin Schnelle

Wir haben euch gefragt: Was haltet ihr davon, dass wir auf einem Nachhaltigkeitskongress eine gedruckte Ausgabe des youthmags erstellen? Sollte man überhaupt noch drucken?

Die Leiterin der Jugendherberge, Luisa Eichhorn (36), ist sehr überrascht, dass wir das youthmag drucken lassen. Sie hätte gedacht, dass die jüngere Generation eher mit neuen und digitalen Medien verknüpft sei.

Die Frage, ob sie Print für überflüssig halte, verneint sie deutlich.

Ich bin ein Bücherwurm und liebe Bücher.

Sie habe schon probiert, Bücher auf ihrem Handy zu lesen oder auf E-Books, aber für sie sei das nicht das selbe Gefühl wie ein gedrucktes Buch in der Hand zu halten.

Für alltägliche Nachrichten gehe sie allerdings gern ins Internet, da diese dort meist am aktuellsten sind.

Simeon Timmer (20), Teil des youcoN-Teams

Er findet es gut, dass unser Magazin auch gedruckt erscheint, weil es so noch mehr Menschen erreichen kann, die sich vielleicht nicht viel mit Digitalem auseinandersetzen.

Online Medien werden niemals komplett analoge Medien verdrängen.

Simeon denkt, dass gedruckte Dinge nicht so kompliziert zu handhaben seien und es auch Menschen gebe, die nicht immer einen Internetzugang bzw. ein internetfähiges Gerät bei sich haben.

Wenn man etwas in der Hand hat ist es vom Gefühl her vollwertiger, die Erfahrung ist eine ganz andere .

Dieser Artikel wurde geschrieben von Ennes Karatoprak von der Jugendredaktion der Jungen Presse e.V., die live von der youcoN auf ihrem Magazin www.youthmag.de berichtet und uns diesen Beitrag freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Seit über 65 Jahren setzt sich die Junge Presse ehrenamtlich für medieninteressierte Jugendliche ein und ist einer der größten bundesweit aktiven Jugendmedienverbände.

Wie nachhaltig ist die youcoN eigentlich?

Foto: Carolin Schnelle

Mit dem Anlaufen der diesjährigen youcoN auf Rügen ist nur noch eins Thema: Nachhaltigkeit.

Doch wenn man genau hinsieht, können einige Fragen aufkommen. Wenn es um Nachhaltigkeit geht, warum dann der ganze Aufwand? Warum eigentlich diese Veranstaltung – und dann noch auf der Insel Rügen, die ja nun wirklich nicht mitten in Deutschland und damit für jeden problemlos zu erreichen, sondern tief im Norden Deutschlands ist, umgeben von kleineren Dörfern. Die neu renovierte „Umweltjugendherberge“ scheint ja wenigstens zum Thema Nachhaltigkeit zu passen. Doch was genau ist eine Umweltjugendherberge eigentlich? Und wie rechtfertigen die Veranstalter den Müll, der entsteht und die hohen CO² Emissionen der Anreise?

Warum Prora?

Es hat einen ganz bestimmten Grund, warum sich die youcoN dieses Jahr als Veranstaltungsort die Jugendherberge Prora ausgesucht hat: Neben der Möglichkeit, die über 150 Teilnehmenden aufzunehmen, gibt es hier auch – anders als beispielsweise in Großstädten – die Möglichkeit, direkt vor der Jugendherberge zu zelten, Lagerfeuer zu machen und die Natur zu erkunden. Doch auch sonst passt das Konzept der Umweltjugendherberge Prora  zur youcoN und dem Thema Nachhaltigkeit. Die Jugendherberge verzichtet von sich aus schon zum größten Teil auf Plastik, z.B. bei Verpackungen.

Doch „Umweltjugendherberge“ heißt nicht nur Vermeidung von Abfällen wie Einwegverpackungen, sondern beinhaltet auch den Bereich der Pädagogik. Mit der Umweltpädagogin direkt im Haus beschäftigen sich Schulklassen in Workshops mit Umweltverschmutzung, bedrohten Arten, aber auch mit Teambuilding. Doch durch die Lage der Jugendherberge, das Equipment, das mitgebracht wurde und viele andere mögliche Kritikpunkte, lässt sich doch die Frage stellen, inwiefern die youcoN denn jetzt akut für Nachhaltigkeit sorgt oder wie sie sich darum kümmert. Da hier nicht nur Menschen aus Bayern, mit mehr als 10 Stunden Anfahrtszeit, sondern auch einzelne  Teilnehmende extra angereist aus Russland, dabei sind, kann man schon mal ins Grübeln kommen, was für einen ökologischen Fußabdruck man hinterlässt. Doch wenn man dann bei den Veranstaltern von der Stiftung Bildung und dem youpaN  hier auf der youcoN nachfragt, so bekommt man Antworten.

Die Veranstalter achten auf nachhaltig produzierte „Giveaways“:

Foto: Nele Kälberloh

Neben der Tragfähigkeit von mindestens 200 Personen war den Veranstaltern auch sehr wichtig, dass vegetarisches bzw. veganes Essen serviert werden kann. Das Essen ist außerdem durch Bio Qualität der Lebensmittel ausgezeichnet. Auch die schöne Umgebung mit Meer und Strand passt perfekt. Doch wie lassen sich die Beutel, Flaschen etc. erklären? Inwiefern hilft so etwas der Umwelt?

Nun, die Beutel sind erst einmal ebenso bio und sind neben der Praktikabilität auch noch Werbung. Ganz genau so ist es mit den Armbändern, die für Essensausgabe, aber auch als Erinnerung wie Festivalbänder genutzt werden. Man verbreitet den Namen der youcoN. Die Flaschen sind einfach nur praktisch. Sie sind immer wiederverwendbar, aus Glas und geben echt prima Tipps für Mischungen mit Apfelsaft und anderen Säften. Damit es keine übrig gebliebenen Flaschen oder Beutel gibt, hat der Veranstalter sich für eine bewusste Unterproduktion entschieden. Andere Dinge, wie unsere anpinnbaren Namensschilder, sind zwar aus Plastik, werden aber genau wie Whiteboards und anderes Equipment immer wieder verwendet und an andere Organisationen verliehen.

Das wahrscheinlich größte Problem ist die Anreise und die damit verbundenen CO²-Emissionen. Es wurde zwar vereinbart, dass alle Teilnehmer bis auf wenige Ausnahmen mit der Bahn kommen, doch selbst dann entstehen Treibhausgase. Das ist nicht optimal, doch leider auch nicht änderbar bei einem so besonderen Veranstaltungsort wie Prora. Die Veranstalter sind sich der Problematik bewusst und versuchen daher im Ausgleich die CO²-Emissionen so gut es geht auszugleichen. Genau das ist es auch, was sie sich für die Zukunft der youcoN wünschen. Sie wollen mehr Reichweite und 100% der CO²-Emissionen ausgleichen. Die Veranstalter wünschen sich im Allgemeinen eine größere Kapazität der Veranstaltung und bauen auf die Reichweite und Netzwerke der Teilnehmer, durch die der Gedanke der Nachhaltigkeit verbreitet wird.

Dieser Artikel wurde geschrieben von Florian Ring von der Jugendredaktion der Jungen Presse e.V., die live von der youcoN auf ihrem Magazin www.youthmag.de berichtet und uns diesen Beitrag freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Seit über 65 Jahren setzt sich die Junge Presse ehrenamtlich für medieninteressierte Jugendliche ein und ist einer der größten bundesweit aktiven Jugendmedienverbände.

Gesichter der youcoN

Wer sind die Teilnehmer der youcoN, woher kommen sie und auf welche Veranstaltungspunkte freuen sie sich besonders? Wir haben einige von ihnen befragt.

Andy, 17, aus Uffing

„Aus meiner Heimatstadt Uffing bin ich über 800 Kilometer in knapp elf Stunden angereist. Ich freue mich darauf, auf der youcoN neue Leute kennenzulernen und mich deutschlandweit mit ihnen zu vernetzen. In meiner Freizeit engagiere ich mich bei Diversity München e.V. – darüber habe ich auch von der youcoN erfahren und habe mich direkt angemeldet. Das große Angebot an Workshops gefällt mir echt gut. Komm doch auch mal vorbei!“

 

Leon, 19, aus Kaltenkirchen

„Ich habe in einer WhatsApp-Gruppe von der youcoN erfahren und fand das Angebot sehr interessant. Vor allem freue ich mich darauf, hier auf Rügen viel über BNE und Methodenvermittlung zu lernen, also wie ich meine Inhalte an andere weitergebe. Besonders gespannt bin ich auf das Fest der Zukunft am Samstag!“

 

Paula, 16, aus Friedrichsdorf

„Ich freue mich darauf, auf der youcoN neue Leute kennenzulernen, die sich für ähnliche Dinge interessieren wie ich und mit denen ich darüber Gespräche führen kann. Besonders gespannt bin ich auf den Austausch am Samstag und die Workshops, in denen man selber etwas bauen kann.“

 

Silvia, 17, aus Friedrichsdorf

„Ich bin zusammen mit meiner Freundin Paula angereist, mit dem Zug haben wir aus Friedrichsdorf neun Stunden gebraucht. Auf der youcoN möchte ich auch vor allem neue Leute kennenlernen. Ich bin sehr gespannt auf das Fest am Samstag und darauf, die Ergebnisse aus allen Workshops zu sehen, die ich selber nicht besuchen konnte.“

Dieser Artikel wurde geschrieben von Marie Haase von der Jugendredaktion der Jungen Presse e.V., die live von der youcoN auf ihrem Magazin www.youthmag.de berichtet und uns diesen Beitrag freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Seit über 65 Jahren setzt sich die Junge Presse ehrenamtlich für medieninteressierte Jugendliche ein und ist einer der größten bundesweit aktiven Jugendmedienverbände.

Glücklich zurück im Kindergarten

Foto: Carolin Schnelle/Nele Kälberloh

Gerne erinnere ich mich zurück an meine Zeit im Kindergarten. Unbeschwert und sorgenfrei den ganzen Tag damit verbringen, Bauklötze zu stapeln, Mandalas auszumalen oder sich an Tische zu setzen, die heute selbst als Stuhl zu klein wären. Es war für mich aber vor allem auch eine Zeit, die ich jetzt rückblickend mit dem Auge eines Studenten als unglaublich wichtigen und prägenden Kindergarten-Unterricht bezeichnen würde. Spannender war danach die Grundschule und die ersten Jahre am Gymnasium. Diese Zeit verbinde ich unter anderem auch mit dem Erstellen von Mindmaps und riesigen Post-Its. Das lag unter anderem an den von den Lehrern mit viel Mühe vorbereiteten Flipchart-artigen Tafelbildern mit gefühlten 3000 schon beschrifteten Post-Its.

Lange Zeit habe ich nicht viel von dieser Methode gehalten, zu durchgetaktet war mir der Unterricht. Diskussionsrunden waren immer an eine Art Skript (in dem Fall die beschrifteten Post-Its) gebunden und konnten sich meiner Meinung nach nie wirklich frei entwickeln – meistens im Unterricht von sehr engagierten Referendaren. Anders heute im Workshop „denken, handeln, wandeln – Hochschule transformieren“. Dieser ist einer von vielen thematisch unterschiedlichen Workshops, die bis zum Samstag Nachmittag, also dem inhaltlichen Ende der youcoN 2019, als Blockseminar angeboten werden. Inhaltlich sowie unterrichtstechnisch habe ich überhaupt keine Erwartungen an den Workshop, vielmehr habe ich die Hoffnung, positiv überrascht zu werden, und das werde ich.

Im Workshop beschäftigen wir uns mit der Frage, welche Visionen wir als Studenten für Universitäten im Jahr 2030 in den Bereichen Lehre, Betrieb, Governance und Forschung haben und entwickeln dazu eigene Projekte für eine zukunftsfähige Universität. Allein des Themas wegen habe ich deshalb das Gefühl, die Gesprächsrunden werden anders – mehr altersbezogen. Denn vergleichsweise ist das Publikum der youcoN recht jung und sehr dynamisch.

Kindergarten-Methoden auf Hochschulniveau

Die beiden Leiterinnen Cordelia und Josephin berichten kurz von ihren Aufgaben beim „netzwerk n“ und fangen gleich thematisch an. Sofort fliegt mir viel Sympathie und Einsatz entgegen, weshalb ich es grundsätzlich überhaupt nicht einsehe, die Methodik der Flipcharts und Riesen-Karteikarten als unangebracht zu empfinden. Im Gegenteil – ich bin sogar überzeugt davon, dass dieses Thema, verbunden mit dieser Technik, um einiges anschaulicher dargestellt werden kann. Vor allem werden mir erst dadurch die unnötig komplizierte Hochschulpolitik und Universitätssysteme etc. klarer. Nach der Theorie kommt dann die Praxis: Alle Teilnehmer laufen die nächste halbe Stunde im Raum herum und müssen je nachdem, wo sie stehen, zusammen mit anderen Teilnehmern hochschulbezogene Fragen beantworten, die auf Plakate am Boden geschrieben sind. Danach sammeln kleinere Grüppchen auf Postern ihre Vorstellungen von den einzelnen Universitätsbereichen, ergänzen sie und präsentieren sie später im Plenum. Alles wieder, wie ich es finde, sehr im Stile eines Kindergarten-Unterrichts. Für diese Bezeichnung kann man mich gerne kritisieren – ich sehe keinen Anlass diese Kritik nicht ernst zu nehmen oder an mir abprallen zu lassen.

Sehr entspannend ist das autogene Training, eher bekannt unter dem Namen Traum- oder Fantasiereise. Josephin spricht, während alle anderen die Augen geschlossen haben, zu einer beruhigenden Audiodatei und alle im Raum versuchen sich den vorgelesenen Text bildlich vorzustellen.

Der einzige Moment, bei dem ich ernsthaft überlege, aus Prinzip die mir zugetragene Aufgabe nicht zu erledigen, ist  nach der Traumreise und gegen Ende. In kleineren Teams müssen wir unsere Visionen aus eben diesen Traumreisen zusammentragen und künstlerisch mit einem Bastelkasten umsetzen. Sehr zurückhaltend bringe ich meine Ideen zur Umsetzung ein und setze diese auch genauso minimalistisch um. Trotzdem entstehen daraus recht passable Gesamtergebnisse. Nach der Vorstellung endete der erste Tag des Workshop.

Dieser Artikel wurde geschrieben von Sebastian Schroth von der Jugendredaktion der Jungen Presse e.V., die live von der youcoN auf ihrem Magazin www.youthmag.de berichtet und uns diesen Beitrag freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Seit über 65 Jahren setzt sich die Junge Presse ehrenamtlich für medieninteressierte Jugendliche ein und ist einer der größten bundesweit aktiven Jugendmedienverbände.

Jugendpolitik als Ehrenamt

Foto: Carolin Schnelle

“Ich habe das Gefühl, Erwachsene vergessen manchmal, was junge Menschen im Ehrenamt alles leisten”, sagt die 20-jährige Elena Keil, die sich seit einem Jahr aktiv im Jugend-Panel “youpaN” einbringt. Das youpaN beteiligt junge Menschen im Alter von 14 bis 23 Jahren an der Umsetzung des Nationalen Aktionsplans. Im Gespräch stellt Elena ihr ehrenamtliches Engagement im youpaN vor und weiß, was Jugendliche erreichen können.

Ann-Kathrin: Was macht das youpaN?
Elena Keil: Im youpaN arbeiten wir auf zwei Ebenen: Politisch und zivilgesellschaftlich. Es gibt eine nationale Plattform BNE, die beratende Funktionen in der Politik übernimmt und auf der wir stimmberechtigt sind. Sie besteht aus Fachforen, in denen unglaublich viele Expertinnen und Experten sitzen und tagt zweimal im Jahr. Das sind alles Erwachsene. Die haben ihren Blick und das Fachwissen für ihre Bereiche, aber sie reden über Bildung, das geht uns Jugendliche an. Es ist deshalb ganz wichtig, dass wir als youpaN junge Perspektiven mit einbringen und hier vertreten sind. Das wird erst durch Jugendprojekte, wie die youcoN und youprO möglich.

Was ist nachhaltige Bildung für dich?

Foto: Carolin Schnelle

Der Nachhaltigkeits-Gedanke muss in Kindergärten und Schulen getragen werden, damit Menschen so früh wie möglich lernen, nachhaltig auf diesem Planeten zu leben. Der ganze Lernort muss nachhaltig gestaltet werden. Mit Nachhaltigkeit meine ich nicht nur ökologische Aspekte, sondern auch nachhaltiges Lernen. Ich bin gegen dieses typische Bulimielernen, sich ganz viel Wissen aneignen, das kotze ich dann später in der Prüfung wieder aus und es ist vorbei. Es gilt für das Leben zu lernen und nicht für den Schreibtisch.

Was fordert das youpaN?

In allen Forderungen geht es darum, Jugendbeteiligung und das BNE voranzubringen. Es gilt die Strukturen der Jugendbeteiligung zu verbessern und passende Formate zu schaffen, damit sich noch mehr junge Menschen beteiligen können. Wir fordern, dass es in jedem Land einen Jugendzukunftsrat gibt, in dem Jugendliche zusammenkommen und politische Entscheidungen mitberaten und entscheiden können. Es ist auf Bundesebene möglich; warum nicht auch in den Ländern.

Was sind deine Aufgaben?

Ich mache die Öffentlichkeitsarbeit, weil ich darin eine große Chance sehe, viele Menschen zu erreichen. Viele Menschen kennen BNE nicht. Sie wissen nicht genau, was sie sich darunter vorstellen können. Außerdem unterstütze ich ab und  zu unsere Bildungsprojekte, die youprOs. Wir als youpaN können frei über ein Budget entscheiden, das für nachhaltige Projekte vorgesehen ist und junge Ideen mit bis zu 5.000€ fördern.

Welches Projekt ist dir in Erinnerung geblieben?

Letztes Jahr hat ein Team zur Weihnachtszeit einen Workshop zum nachhaltigen Schenken gemacht, das fand ich richtig schön. Sie haben gemeinsam überlegt, welche Geschenke sie nachhaltig verschenken können und ob wir diesen Konsum-Wahnsinn überhaupt brauchen. Das finde ich ganz cool, denn ich beschäftige mich auch persönlich viel mit Konsum. Auch soziale Nachhaltigkeit ist wichtig. Das vergessen viele allerdings. Deshalb haben wir auch einen Workshop für Seminarleitungen gefördert: Was machst du, wenn du selbst einen Kurs leitest und mit jemandem konfrontiert bist, der rechte Thesen vertritt? Auch die vielen kleinen Projekte mag ich sehr: Da waren zum Beispiel Schülerinnen, die Green-Boxen in ihrer Schule aufbauen wollen und dabei Förderung benötigen und  es gibt viel weitere Ideen.

Was ist dir bei deinem Ehrenamt wichtig?

Anerkennung und Wertschätzung! Ich mache das super gern, aber es muss eine gute Balance gefunden werden. Im youpaN haben wir eine totale Akzeptanz-Haltung. Wenn da jemand sagt, er schafft es diesen Monat nicht, dann ist das auch total in Ordnung.

Wir sind eine Schnittstelle zwischen jungen Menschen und Erwachsenen. Auf der youcon sammeln wir viele junge Stimmen und versuchen das in einen politischen Prozess, der langwierig und vielleicht an vielen Stellen eingefahren ist, mit einzubringen. Politische Sitzungen sind immer gleich aufgebaut: Es wird kurz geredet, dann wird eine Entscheidung gefällt und das war’s dann. Es gibt aber doch so viele coole Formate, schau dir unsere Workshops an, bei denen sich jeder beteiligen darf und soll.

Was kann das youpaN bewegen?

Wir, als Akteure jugendpolitischer Beteiligung, lösen bei den Erwachsenen ein Umdenken aus, weil wir in den Sitzung mit drin sitzen. Die Politiker haben gemerkt, dass sie etwas verändern müssen, weil viele Jugendliche auf die Straße gehen. Wir müssen aufpassen, dass das Interesse der jungen Menschen nicht zu einer Scheinbeteiligung wird oder Jugendliche ausgestellt werden: “Hey wir machen jetzt auch etwas mit Jugendlichen!” Das Stimmrecht des youpaN auf politischer Ebene ist etwas Einzigartiges. Auch auf internationaler Ebene hat es das noch nie gegeben, dass Jugendliche ein Stimmrecht haben. Andere politische Strukturen können sich darauf berufen, um selber Jugendliche zu beteiligen.

Zum Ende ein Statement…

Mir ist soziale Nachhaltigkeit sehr wichtig, weil ich denke, dass es durch die Technik und den Fortschritt schnell verloren geht. Ich finde gerade das Zwischenmenschliche ist das, was uns besonders macht und das sollten wir uns alle erhalten.

Dieser Artikel wurde geschrieben von Ann-Kathrin Hegger von der Jugendredaktion der Jungen Presse e.V., die live von der youcoN auf ihrem Magazin www.youthmag.de berichtet und uns diesen Beitrag freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Seit über 65 Jahren setzt sich die Junge Presse ehrenamtlich für medieninteressierte Jugendliche ein und ist einer der größten bundesweit aktiven Jugendmedienverbände.

Wirtschaftliches Handeln als Ursache vieler Probleme

Foto: Carolin Schnelle

Nach seinem Abitur reiste Aaron Boos ein Jahr durch Australien und verbrachte sieben Monate in Asien. Während seiner Reise sammelte er viele Erfahrungen und neue Ideen, bis er in das Projekt “TROM” einstieg. Dessen Ziel ist es, Ursachen gesellschaftlicher Probleme aufzuzeigen und realistische Lösungen vorzustellen. An den Beiträgen auf der Website “Tromsite” schreiben zwölf Autoren aus verschiedenen Ländern auf der ganzen Welt. Sie vernetzen sich online, um auch über Ländergrenzen hinaus kommunizieren zu können. Ihre Videos und Texte sollen die Wertvorstellungen der Menschen herausfordern und sind kostenlos und frei zugänglich.

“Unsere Vision ist es, die Gesellschaft zu verändern. Wir können so nicht weitermachen. Die Probleme, wie Klimawandel, Umweltverschmutzung und soziale Ungleichheit nehmen zu und wir müssen etwas an der Ursache dieser Probleme verändern.” – Aaron Boos

“Ich habe mir schon super viele Gedanken über unsere Gesellschaft und das große Ganze gemacht und versucht zu verstehen, was es auf der Welt für Probleme gibt, wer sie schafft und warum sie entstehen.”, erzählt er begeistert. Interessierte können kostenlos Antworten auf diese komplexen Fragen in dem Werk: “Die Ursache der meisten Probleme” nachlesen. Die Themen, die das Projekt TROM behandelt, sind vielfältig. In den Beiträgen “Die Welt und uns selbst essen” werden Essgewohnheiten auf Verstand und Moral geprüft und nachhaltige Alternativen aufgezeigt, “Anstößig und obszön” kritisiert unsere Wahrnehmung von Nippeln, Genitalien und Nacktheit und wie Geld unser Handeln bestimmt, ist in “Das Geldspiel und darüber hinaus” nachzulesen.

Inhalt und Gestaltung

Die Texte sind in einfacher Sprache geschrieben und leicht verständlich. Damit die Themen für möglichst viele Menschen zugängig sind, legt das Team auf die Gestaltung besonders viel wert. Im Gegensatz zu einem normalen Buch werden die Inhalte im Comic-Design aufbereitet. “Damit ist auch für junge Menschen interessant”, erzählt Aaron.

Um möglichst viele Leser nachhaltig von ihren Inhalten zu überzeugen, führt das Team außerdem Quellenangaben und Belege an. Diese sind in der Online Version direkt am Text verlinkt und in wenigen Sekunden prüfbar.

Zukunftspläne

Aaron zieht in wenigen Monaten nach Spanien, um sich in Vollzeit für das ehrenamtliche Projekt zu engagieren und neue Videoformate zu drehen: “Ich habe Freunde, die keine Bücher lesen und ich denke die erreichen wir eher mit Videos.” Am liebsten würde er sich nur für dieses Projekt engagieren, aber um sich sein Leben zu finanzieren, wird er sich in Spanien einen Nebenjob suchen müssen. Wenn er Glück hat, kann er auch Spenden für das Projekt sammeln, die seine Arbeit mitfinanzieren.

Dieser Artikel wurde geschrieben von Ann-Kathrin Hegger von der Jugendredaktion der Jungen Presse e.V., die live von der youcoN auf ihrem Magazin www.youthmag.de berichtet und uns diesen Beitrag freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Seit über 65 Jahren setzt sich die Junge Presse ehrenamtlich für medieninteressierte Jugendliche ein und ist einer der größten bundesweit aktiven Jugendmedienverbände.