Unsere Forderungen

Wie wir die Zukunft sehen

Unser Jugendpanel youpaN fordert eine jugendgerechte Umsetzung von Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE), die zukunftsgewandt, langfristig und partizipativ ist.

1. Jugendbeteiligung besser machen – jede*r hat die Möglichkeit sich zu beteiligen.
Wir fordern, dass die Bildung und Befähigung der Jugend zu gesellschaftlicher Teilhabe durch Engagement ein gelebtes Ziel von Bildungsinstitutionen wird. So wollen wir Raum für informelle Lernprozesse durch Beteiligung schaffen. Jugendliche sollen in den Bildungsinstitutionen darin unterstützt werden, beständig an der Gestaltung und Weiterentwicklung ihres Lebens- und Lernraumes mitarbeiten zu dürfen, zum Beispiel durch Arbeitsgemeinschaften (AG). So können sie lernen, wie sie aus eigenen Träumen und eigener Kraft demokratisch basierten Wandel schaffen können und wie ihre oft wertvolle, jugendliche Perspektive in unser gesellschaftliches Meistern von Herausforderungen einbringen dürfen.

Deshalb fordern wir in Schule, Berufsschule und anderen Lernorten die Unterstützung von und Ermutigung zu AGs, die sich bspw. mit „Nachhaltigkeit“, „Raumgestaltung“ „Ernährung“, „Freies Lernen“ usw. an der jeweiligen Schule beschäftigen, durch die Schulleitungen und das Lehrpersonal. Die Themenschwerpunkte dieser AGs dürfen von den an ihnen Beteiligten (das können Schüler*innen, Lehrpersonal, Schulleitung, Eltern, sonstige Angestellte sein) selbst bestimmt werden. Im Austausch aller an der Schulgemeinschaft beteiligten Parteien soll darüber entschieden werden, welche der durch die AGs entstehenden Forderungen und Ideen umgesetzt werden, wobei allen Forderungen gebührender Raum und Respekt entgegengebracht wird. Die AGs sollen nach Möglichkeit Schüler*innen aller Klassenstufen offenstehen, um Beteiligung von klein auf zu ermutigen und zu fördern.

Ferner sollen Schulen und Land die Schüler*innenvertretungen in allen Ausführungen (auf Schulebene, kommunaler Ebene/Bezirksebene, Landesebene) vor allem aus finanzieller Perspektive mehr unterstützen und die Schüler*innenschaft zu der Beteiligung an und Nutzung der Schüler*innenvertretung ermutigen. Dafür soll über die Rechte und Möglichkeiten der Schüler*innenvertretungen durch den Lehrplan verpflichtend im Unterricht aufgeklärt werden. Zudem sollen Schulversammlungen möglich gemacht werden, auf denen alle Mitglieder der Schulgemeinschaft gleichermaßen stimmberechtigt sind. Die Länder sollen die Landesschüler*innenvertretungen stärker unterstützen, auch finanziell, und ihren Forderungen mehr Raum und Priorität geben.

Ferner sollen Schulen Informationsveranstaltungen anbieten, bei denen sich lokale Jugendverbände und -initiativen (bspw. Mitglieder der Stadt- und Landesjugendringe), die frei von religiöser oder fremdenfeindlicher Orientierung sind, vorstellen können, um den Schüler*innen die Möglichkeiten des außerschulischen Engagements aufzuzeigen.

Von den Bildungsminister*innen, sowie von allen Schuldirektor*innen fordern wir eine schriftliche und beherzte Selbstverpflichtung, gemeinsam mit den Landeschüler*innenvertretungen auf die Erfüllung der geschilderten Forderungen hinzuarbeiten und die Demokratisierung von Schulen und des Schulsystems voranzutreiben.

2. Jugendzukunftsräte in allen Bundesländerin Land und Kommune
Junge Menschen sollen die Möglichkeit haben, die Transformationsprozesse, die BNE braucht, mitzugestalten. Sie sollen ihren Perspektiven darauf, wie wir uns den SDGs auf landesweiter und kommunaler Ebene annähern können, Stimme und Handlungsraum geben dürfen. Dazu fordern wir:

  • 1) Das Errichten von landesweiten Jugendgremien durch die Ministerien, die zum Thema BNE und Zukunftsgestaltung arbeiten. Sinnvoll ist dazu ein im Hintergrund unterstützendes Beteiligungsbüro sowie eine Anknüpfung an die Nachhaltigkeitsstrategie des Bundeslandes. Erstrebenswert ist hier das Errichten von Jugendzukunftsräten, wie es ihn in Baden-Württemberg gibt.
  • 2) Das Errichten von kommunalen Jugendgremien, die zum Thema BNE und Zukunftsgestaltung arbeiten. In Kommunen, wo es bereits ein kommunales Jugendgremium gibt, soll dieses Gremium die BNE und Nachhaltigkeit in ihrer Kommune bearbeiten.
    Die landesweiten Gremien sollen mit den kommunalen Gremien, die kommunalen Gremien mit Schul-AGs (gemäß unserer Forderung „Jugendbeteiligung besser machen“) im Austausch stehen.

Die Ausgestaltung und Form dieser Gremien fällt unter die Länderhoheit. Bei der Besetzung der Gremien soll auf Diversität geachtet werden, insbesondere bezüglich der verschiedenen Schulformen, des Wohnens im städtischen oder ländlichen Raum und des Geschlechtes.

3. BNE als nationale und globale Aufgabe betrachten.
Das aktuelle Weltaktionsprogramm BNE läuft mit dem Jahr 2019 aus. Wir sehen national wie global einen weiten Weg hin zu einer Welt, in der Menschen nachhaltig leben und das Wissen hierzu in der Breite vorhanden ist. Deshalb fordern wir, dass Deutschland den positiven Weg weiter vorangeht und auch andere Länder ermutigt und unterstützt, BNE zu implementieren. Wir möchten, dass ein Nachfolgeprogramm für BNE insbesondere von Deutschland mitgetragen wird.

4. Fortsetzung des youpaN nach 2019.
Der Prozess für eine gelungene Verankerung von BNE wird auch nach 2019 weiterhin eine Herausforderung bleiben. Wir möchten, dass junge Menschen auch zukünftig strukturiert an diesem Prozess beteiligt werden, da dieser nur gemeinsam erfolgreich sein kann. Hierzu bedarf es einer sicheren Finanzierung, fachlicher Unterstützung und gemeinsamer Anstrengung.

Das kann gewährleistet werden, indem die Förderung des Projekts youpaN, gemeinsam mit den Elementen youcoN, youprO und youboX, vonseiten des Bundesministeriums für Bildung und Forschung bis 2030 verlängert wird. Weiterhin soll das youpaN auf nationaler Ebene in die Entscheidungsprozesse des UNESCO-Weltaktionsprogramms oder des jeweiligen Folgeprogramms eingebunden werden. Insbesondere die youboX soll finanziell mehr Ressourcen erhalten.

So kann die Jugendperspektive in nationale Entscheidungsprozesse eingebunden bleiben und Jugendpartizipation fortwährend gewährleistet werden.

5. BNE für alle – der Nationale Aktionsplan (NAP) kurz und verständlich
Wir fordern, dass das Bundesministerium für Bildung und Forschung die im NAP BNE festgehaltenen Ziele und angedachten Maßnahmen bis 2021 in einer zusammengefassten Form veröffentlicht, die für die Zivilgesellschaft, insbesondere Jugendliche aller Bildungsgrade, verständlich und ansprechend ist. Hierbei soll deutlich werden, welche konkreten Gestaltung sspielräume jede*r einzelne Bürger*in zur Beteiligung an der Umsetzung des NAPs offenstehen und an welchen Initiativen sie sich beteiligen können. Ferner soll erläutert werden, was der NAP ist und wie es zu seiner Entstehung kam. So soll ehrenamtliche Beteiligung aller Bürger*innen die Mitgestaltung der Zukunft durch BNE ermöglicht werden.

Medial empfehlen wir, die Inhalte des NAPs in kurze Videos zu verpacken, die über Social Mediaplattformen geteilt werden können (z.B. YouTube). Das ist besonders für Jugendliche zugänglich und ansprechend. Um die Verständlichkeit zu verbessern, sollen Bezüge zu Gegenwarts- und Zukunftsfragen und -problemen von Jugendlichen hergestellt werden. Bei der zielgruppenorientierten und inklusiven Ausarbeitung dieses Formates sollten Jugendliche miteinbezogen werden. Das youpaN bietet dabei seine Unterstützung an.

6. BNE Weiterbildungen für Entscheidungsträger*innen und Bildungsakteur*innen
Das Thema Bildung für nachhaltige Entwicklung geht uns alle etwas an. Besonders wichtig ist es jedoch, dass Führungskräfte und Akteur*innen in Wirtschaft, Politik und Bildung in BNE geschult werden, um entsprechende Perspektiven in ihren Entscheidungen einbeziehen zu können und in ihrer Vorbildfunktion zukunftsweisend voranzugehen. Wir sehen in ihnen Menschen, die in ihrer Position wichtige Entscheidungen treffen, Verantwortung für sich wie auch andere (junge) Menschen tragen und als Multiplikator*innen dienen.

Wir fordern daher verpflichtende Weiterbildungen zum Thema Bildung für nachhaltige Entwicklung für Entscheidungsträger*innen aus Politik und Wirtschaft und für Bildungsakteur*innen wie Pädagog*innen und Lehrpersonal an allen Lernorten. Das schließt insbesondere Hochschuldirektor*innen, Kommunalpolitiker*innen, Landtags- und Bundestagsabgeordnete sowie Führungskräfte aller Lernorte und in Unternehmen sowie Ausbilder*innen der Ausbildungsberufe mit ein.

Dabei sehen wir es als essenziellen Inhalt der BNE für Menschen mit Verantwortung darin, junge Menschen zu befähigen, Gestaltungskompetenzen für die Zukunft zu erwerben, um selbst nachhaltige Entscheidungen treffen zu können. Dafür müssen Führung und Lehre bzw. Lernen neu gedacht und partizipativ gestaltet werden, da Selbstwirksamkeit die Motivation zur Mitarbeit erhöht und demokratische Partizipation ein Grundpfeiler der BNE darstellt (siehe 7. BNE als Leitbild).

Diese Weiterbildungen könnten sich auf die Inhalte der UNESCO-Publikation „Education for Sustainable Development Goals: learning objectives“ stützen, die sich an Lehrende formaler wie non-formaler und informeller Lernorte, Bildungsträger*innen und politische Akteur*innen richtet und dabei auf die Rolle von Bildung für nachhaltige Entwicklung als Schlüsselinstrument zur Erreichung der SDGs abzielt.

7. BNE als Leitbild
Die Lernenden/jungen Menschen von heute sind die Gesellschaft von morgen. Deswegen ist es von zentraler Wichtigkeit, dass Lernende ideal auf ein Leben für und in einer nachhaltigen Zukunft vorbereitet werden. BNE soll Lernenden die Werkzeuge an die Hand geben, diese nachhaltige Zukunft zu gestalten und zu gewährleisten. Weil es noch keine klare Lösung gibt, wie eine nachhaltige Zukunft gestaltet werden könnte, ist es wichtig, dass möglichst viele Menschen ihr Handeln reflektieren, Wissen und Gestaltungskompetenzen erwerben, um zur Lösung von Herausforderungen des Klimawandels oder sozialer Ungerechtigkeit beizutragen.

  • 7.1 BNE in alle Curricula
    Deswegen fordern wir, dass BNE fächerübergreifend in alle Lehrpläne integriert wird und sich kritisch mit den SDGs auseinandergesetzt wird (siehe Forderung SDG als Bildungsanlass). BNE umfasst dabei beispielsweise Lehrplaneinheiten wie Menschenrechts- und Demokratiebildung, Umwelt- und Klimaschutz, das Erlernen von Grundlagen zur politischen Partizipation sowie die Beschäftigung mit nachhaltigen Wirtschafts- und Lebenskonzepten sowie Global Citizenship Education (globale Problemlösungsansätze). Im Hinblick auf den Berufseinstieg und den starken Wandel der Berufswelt, in dem zukünftige Berufe noch unbekannt sind, sollen Gestaltungskompetenzen neben reinem Wissen vermittelt werden, bspw. die Befähigung zum autodidaktischen und lebenslangen Lernen sowie berufs- und lebenspraktisches Wissen wie zum Beispiel ein Grundverständnis von Rechten und Pflichten.
  • 7.2 BNE als Methode
    Wichtig ist hierbei auch, dass nicht nur die Curricula angepasst werden, sondern auch die Art und Weise, wie gelernt wird, verändert wird. Lehrpläne sollen auf ein lebenslanges und nachhaltiges Lernen und Lehren ausgerichtet sein, Inter- und Transdisziplinarität soll gestärkt werden. Beispielhaft hierfür ist das Stärken von selbstbestimmtem und erlebtem/projektorientiertem Lernen.
  • 7.3 BNE als Vorbild
    Lernorte sollen eine Umgebung bereitstellen, welche als Inspiration für ein nachhaltiges Leben dienen. Dies bezieht sich unter anderem auf Klima- und Umweltfragen, z.B. eine effiziente Energienutzung, Reduktion von insbesondere Plastikmüll und das Erwerben von Produkten aus nachhaltiger und fairer Produktion. Darüber hinaus bezieht es sich auf soziale Nachhaltigkeitsaspekte wie Barriere- und Diskriminierungsfreiheit, Lehrende-Lernende-Beziehungen auf Augenhöhe und demokratische Strukturen mit starker Mitbestimmung der Lernenden. Solidarität soll gefördert und Konkurrenzdenken abgebaut werden. Weitere wichtige Punkte wären die konsequente Mülltrennung, wenn Müll nicht zu vermeiden ist, und nach Möglichkeit das Anbieten von vegetarischem/veganem, saisonalem und regionalem Essen.

Als Möglichkeit der Umsetzung/Implementierung verweist das youpaN beispielsweise auf die Studie “Warum redet niemand über Geld?” des “Bündnis Zukunftsbildung”, dessen Maßnahmen das youpaN unterstützt. Um die erfolgreiche Umsetzung von BNE als Leitbild zu gewährleisten, fordern wir, dass wissenschaftliche Erkenntnisse zur Erstellung von BNE-Indikatoren herangezogen werden, und diese genutzt werden, um die Wirksamkeit der Maßnahmen zu prüfen.

8. SDGs als Bildungsanlass
Die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung sind ein wichtiger Schritt in Richtung einer Auseinandersetzung mit einer nachhaltigen Zukunft. Gleichzeitig sind sie jedoch nur ein globaler Kompromiss und kein bestmögliches verfügbares Wissen und sollten als dies auch gesehen werden, weswegen wir einen kritischen Diskurs mit diesen fordern.

Wir fordern, dass die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung als Bildungsanlass und Bildungsideal zur Auseinandersetzung mit den Herausforderungen einer nachhaltigen Entwicklung genommen werden und fächerübergreifend in die Lehrpläne aller Lernorte integriert werden.

Die Ziele sollen dabei als Möglichkeit dienen, sich lösungs- und zukunftsorientiert mit den Problemen der Gegenwart auseinanderzusetzen sowie Gestaltungs- und Handlungsmöglichkeiten für die Lernenden eröffnen. Gleichzeitig soll es jedoch auch eine kritische Auseinandersetzung mit den Zielen für nachhaltige Entwicklung geben (so z.B. mit Ziel 8: Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum), um einen mündigen Diskurs über die Probleme zu ermöglichen.

9. Theorienvielfalt insbesondere in Wirtschaftswissenschaften
Nachhaltigkeit ist mit unserem aktuellen Wirtschaftssystem unvereinbar. Solange Profit und Wirtschaftswachstum an erster Stelle stehen, hat das katastrophale Auswirkungen für Mensch und Umwelt, wie wir an den derzeitigen Problemen sehen können (Klimawandel, Umweltzerstörung, soziale Ungleichheit, Armut etc.). Deswegen fordern wir, bestehende Theorien, wie z.B. den Neoliberalismus kritisch zu hinterfragen, Wirtschaft neu zu denken und sich mit Alternativen zu beschäftigen, wie sich die Menschheit zukunftsfähig organisieren kann. Es gibt zahlreiche Beispiele, von denen wir lernen können, wie Wirtschaftsformen, die auf Schenken und Teilen basieren, welche Handel obsolet machen, den Commonismus, die freie Software Bewegung, Open Source Ecology Deutschland etc.

Unsere Forderungen findest kannst du hier downloaden und gerne teilen.