Zwei junge Menschen stehen vor einer Kamera und grinsen. Die Person links trägt eine Brille, die Person daneben eine Kappe. Im Hintergrund sind Pflanzen und bunte SDG-Würfel.

Nachbericht: BNE-Winterfest

27.11.2025 – Vom 24. – 25. November fand unser BNE-Winterfest unter dem Motto ,,Zukunft bewegen – Gemeinsam für BNE“ in Berlin statt.

Ende November lud das youpan Engagierte aus Jugendorganisationen, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zu einem zweitägigen BNE-Winterfest ein – mit dem Ziel, jugendliches Engagement für Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) sichtbar zu machen und Jugendbeteiligung in allen gesellschaftlichen Bereichen zu stärken.

Montag: Empowerment und Vernetzung für junge Menschen

Am Montag waren wir über 30 Vertreter*innen von Jugendorganisationen aus den unterschiedlichsten Bereichen. In den Räumen der Stiftung Bildung kamen wir zusammen, um uns zu vernetzen und zu den Themen zu arbeiten, die uns zurzeit beschäftigen.

Youpan-Mitglieder Amelie Paassen und Phillip Gutberlet sorgten als Moderator*innen zu Beginn dafür, dass wir uns gegenseitig kennenlernen und unsere Erwartungen an den Tag klären konnten. Dabei entstanden mehrere Gruppen, die sich in einem Open Space-Format zu verschiedenen Themen austauschten.

In der ersten Session wurde deutlich, dass bei den Teilnehmenden ein starkes Bedürfnis besteht, wichtige Herausforderungen weiterzudenken. Besonders hervorgehoben wurde der Wunsch, die Interessensvertretung von jungen Menschen für junge Themen stärker zu bündeln. Ebenso zeigte sich, wie wichtig es ist, mehr junge Menschen für die Übernahme von Verantwortungsrollen in ehrenamtlichen Strukturen zu gewinnen. Insbesondere der Austausch über Good Practices oder eine Zusammenarbeit mit der Engagementforschung könnten hier neue Impulse setzen.

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© Stiftung Bildung, youpan
© Stiftung Bildung, youpan

Netzwerken, Mitgestalten und BNE weiterdenken

Auch der Bedarf an besserer Vernetzung junger Engagierter wurde klar benannt – besonders die Frage, wie junge Menschen verschiedener Ebenen überhaupt zueinanderfinden können. Ebenso wurde kritisch diskutiert, dass Schüler*innen weiterhin nur begrenzt am Bildungssystem mitwirken können und wie ihre Entscheidungsspielräume gestärkt werden könnten.

In der zweiten Arbeitsphase wurden die Themen gezielt weiterentwickelt. Die Gruppen zu Lobbyarbeit und Schüler*innenpartizipation entwarfen gemeinsam einen ersten Plan für eine mögliche Koordinierungsstelle für Jugendlobby; Gespräche mit Akteur*innen und potenziellen Förderern sollen folgen. Gleichzeitig entstanden visionäre Ideen, etwa der Einsatz von Losverfahren als Ergänzung zu Wahlämtern an Schulen. Eine weitere Gruppe arbeitete an Verbesserungen der Vernetzung und schlug einen zentralen Messenger-Infokanal für Events und Angebote junger Menschen vor.

Andere Teilnehmende vertieften sich in BNE und besprachen die Forderungen, die wir als youpan an Entscheidungsträger*innen richten. Im Fokus stand, enger mit Jugendgremien in den Ländern zusammenzuarbeiten und schul- bzw. hochschulbezogene Anliegen gezielt an Schüler*innenvertretungen beziehungsweise Studierendenparlamente heranzutragen, um deren bestehende Positionen zu stärken oder sinnvoll zu ergänzen.

Dienstag: Zukunft bewegen – Gemeinsam für BNE

Während einige Teilnehmende am Dienstagvormittag an einer lobbykritischen Stadtführung teilnahmen, trafen wir die letzten Vorbereitungen für den Abschluss des BNE-Winterfests in der Saarländischen Landesvertretung. Dazu hatten wir engagierte Vertreter*innen aus der Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft eingeladen.

Zwei junge Menschen sitzen auf Sesseln in einem hellen Foyer und unterhalten sich.
© Johanna Wick – Stiftung Bildung, youpan

Nach einer Begrüßung durch die Moderatorinnen und youpan-Mitglieder Jeanine Rühle und Jasmin Scholtbach standen zwei Workshopphasen auf dem Programm. Darin beschäftigten wir uns mit

  • der Entstehung von BNE und den Zusammenhängen von Nachhaltigkeit und Bildung,
  • demokratie- und menschenfeindlichen Weltanschauungen im Natur- und Umweltschutz,
  • Social Entrepreneurship Education und nachhaltigen Schüler*innenfirmen als Lern- und Beteiligungsorte sowie
  • der Frage, wie wir mit BNE unsere (mentale) Gesundheit und eine nachhaltige Gesellschaft stärken können.

Das ganze Workshopprogramm findest du hier.

Jeanine aus dem youpan steht auf einer Bühne und spricht in ein Mikrofon. Im Vordergrund sind die Hinterköpfe des Publikums zu sehen.
© Johanna Wick – Stiftung Bildung, youpan

Visionen, Forderungen und ein Blick in die Zukunft

Das anschließende Bühnenprogramm eröffnete das ehemalige youpan-Mitglied und Poesie-Künstlerin Inga Thao My Bui mit einer Liebeserklärung an unseren Planeten sowie einem mutmachenden Beitrag zur Vision einer Welt, in der die 17 Nachhaltigkeitsziele erreicht wurden.

Auf kreative Weise wurden gleich im Anschluss die neusten Forderungen des youpan vorgestellt. In der aktualisierten Fassung, mit der wir uns an Entscheidungstragende auf Länderebene sowie an Bildungsorten richten, formulieren wir Forderungen und Empfehlungen zu BNE und Jugendbeteiligung anhand von sieben Handlungsfeldern.

Youpan-Mitglieder Sophie Vahldiek und Dewina Leuschner traten dabei als Gästinnen aus der Zukunft auf, die als Geschäftsführungen der (bisher fiktiven) Bundeszentrale für Bildung für nachhaltige Entwicklung dem Publikum berichteten, wie das Bildungssystem im Jahr 2053 nach Umsetzung aller youpan-Forderungen aussieht.

Alle neuen Forderungen des youpan findest du hier.

© Johanna Wick – Stiftung Bildung, youpan
© Johanna Wick – Stiftung Bildung, youpan

Chancen und Herausforderungen bei der Umsetzung von BNE

In der Podiumsdiskussion mit Isabelle Kiehn (Ministerium für Bildung und Kultur (MBK) des Saarlandes) und Bernd Schwarz (Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ)) gingen wir der Frage nach, welche Hürden und Chancen es bei der Verankerung von Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) auf Bundes-, Länder- und kommunaler Ebene gibt. Aus dem Publikum, das aktiv in die Diskussion eingebunden war, wurde unter anderem die Sorge geäußert, dass BNE zu langsam umgesetzt würde.

Die Podiumsgäste machten deutlich, dass eine Reform des Föderalismus im Bildungsbereich nicht automatisch die gewünschten Verbesserungen bringen würde. Demokratische Abläufe brauchen Zeit, und gerade kleinere, dezentrale Strukturen können oft wirkungsvoll arbeiten. Außerdem sei die konstruktive Zusammenarbeit der verschiedenen Ebenen besonders hilfreich für die Weiterentwicklung von BNE.

,,BNE ist eine Erfolgsgeschichte“

Bernd Schwarz (BMBFSFJ)

Auch wenn Forderungen nach einer schnelleren Implementierung von BNE im Bildungsbereich nachvollziehbar seien und BNE auch in Konkurrenz um Aufmerksamkeit stehe, seien in den letzten Jahren gute Grundlagen geschaffen und vieles umgesetzt worden: „BNE ist eine Erfolgsgeschichte“, so Bernd Schwarz, Co-Leitung des Referats „Bildung in Regionen, Bildung für nachhaltige Entwicklung“ im BMBFSFJ.

Zudem waren sich die beiden Referatsleitungen darüber einig, dass BNE konsequent mit Demokratiebildung und sozialem Zusammenhalt zusammengedacht werden müsse, insbesondere vor dem Hintergrund antidemokratischer Entwicklungen in der Gesellschaft.

Blick aus dem Publikum auf die Bühne: Eine junge Person mit rotem Hijab fotografiert die Teilnehmenden der Podiumsdiskussion auf der Bühne vor ihr.
© Johanna Wick – Stiftung Bildung, youpan

Als besonders vielversprechend hob Isabelle Kiehn, Leitung des Referats „Entwicklungszusammenarbeit, Bildung für nachhaltige Entwicklung, Demokratiepädagogik“ im MBK Saarland, den Whole Institution Approach (WIA) hervor. Dieser Ansatz setzt auf eine ganzheitliche Verankerung von BNE in Institutionen wie Schulen und geht damit weit über eine rein theoretische Behandlung im Unterricht hinaus. „BNE ist immer verbunden mit einer demokratischen Schulkultur“, so Kiehn.

Zum Abschluss rundete Theresa Zanon, Sänger*in und Songwriter*in aus Berlin, das Bühnenprogramm mit zwei eindrucksvollen Songs ab. Danach ging der Abend bei einem gemeinsamen Essen weiter und bot viel Raum für Austausch in entspannter Atmosphäre.

Den ganzen Tag über konnten sich die Teilnehmenden zudem an einer Linoldruck-Station kreativ ausleben oder die interaktive SDG-Ausstellung „Alle alles anpacken“ durchlaufen, die von zelt17 entwickelt wurde.