youcoN-Zukunftskonferenz 2021

“Wir.L(i)eben.Zukunft! Klimagerechtigkeit fuer alle!”

70 junge Menschen denken in Prora auf Rügen Klimagerechtigkeit weiter

70 junge Menschen im Alter von 17-27 Jahren folgten vom 02.-05.09.2021 dem Aufruf der Jugendkonferenz youcoN „Wir.L(i)eben.Zukunft!” und kamen nach Prora auf Rügen zur fünften youcoN! Sie wollen ihre Zukunft selbst gestalten: diskriminierungsfrei, grün und wenn möglich, nicht zu warm soll diese Zukunft sein. „Klima ist wie Limonade. Zu warm ist’s scheiße.”, verkündet ein Aufkleber von einer Laterne. Das durchschnittliche Alter der Teilnehmenden lag bei 20 Jahren. Trotz Bahnstreik und strengen Hygieneauflagen kamen sie aus ganz Deutschland nach Rügen: Die kürzeste Anreise belief sich auf 17 Kilometer, die längste Anreise umfasste über 1000 Kilometer.

Ein buntes Programm und Planung mit Überraschungen

Die Konferenz hielt ein vielfältiges Angebot zu Klimagerechtigkeit, Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) und die 17 UN-Nachhaltigkeitsziele bereit. Die Teilnehmenden konnten in den Angeboten selbst aktiv werden, um ihre Zukunft zu gestalten. Bei einer der größten BNE-Jugendkonferenzen in Deutschland sorgten insgesamt 47 Personen für einen reibungslosen Ablauf: darunter Referierende, Betreuende, Techniker*innen und das Team für Jugendbeteiligung der spendenfinanzierten Stiftung Bildung selbst.

Sophie Hollop, eine der Hauptorganisator*innen der youcoN von der Stiftung Bildung, erinnert sich aber auch an das Bangen im Vorfeld der Konferenz. Angesichts des Streiks der Lokführenden und der Corona-Pandemie stellte sie sich die Frage, ob alle guten Pläne nicht in letzter Minute noch in sich zusammenbrechen könnten. Im Interview mit Florian Sandmann vom Verein Junge Presse erzählt sie aber auch von den schönen Seiten der Planung und ihrer Freude, wie sehr sich das Jugendforum youpaN in die Planung der Veranstaltung eingebracht und sich dort vor Ort wiedergefunden hat.

Von jungen Menschen für junge Menschen

Das youpaN ist Mitorganisator der Veranstaltung und übernahm unter anderem die komplette Moderation. Ronja, Simon, Brie, Atay und Amelie führten die Teilnehmenden vor Ort und im Stream mit viel Charme und Humor durch die Konferenz. Auch dass die youcoN am Samstag am Strand in einem Flashmob der Klimapolitik die Rote Karte zeigte, ging auf eine Initiative des youpaN zurück: Beim Konzert mit Brass Riot am Freitag übten alle fleißig einen Tanz unter der Regie von My, um dann am Strand voll loszulegen. Mitglieder wie Nicolas, My und Atay gaben selbst Workshops und brachten sich in der Planung mit Ideen und Wünschen ein. Auch die spontane Verspätung eines Workshops nutzte das youpaN und rief kurzerhand ein FLINTA*-Plenum aus, um die Zeit zu überbrücken. Auch die Berichterstattung über die Veranstaltung lag in der Hand von Jugendlichen: Junge Redakteur*innen des Vereins Junge Presse sammelten ihre Eindrücke der diversen Angebote in ihrer Onlineredaktion youthmag. Unter anderem begleiteten die Nachwuchsjournalist*innen die Workshops. So ist die youcoN tatsächlich eine Veranstaltung von jungen Menschen für junge Menschen – einige der Workshopgebenden waren selbst jugendliche Teilnehmer*innen.

Mit dem Klima spielen? Oder wählen? Was hat Essen damit zu tun?

Einer der Workshops war das Planspiel „Keep Cool”, bei dem sich Spieler*innen in die Klimadiplomatie einfühlen konnten und erkannten: „Wenn alle sich darauf einigen, keine fossilen Energieträger mehr zu nutzen, ist der Klimaschutz tatsächlich möglich.“ (Berit, Teilnehmer*in der youcoN). Hier wurden verschiedene globale Perspektiven auf die Klimakatastrophe an einen Tisch geholt.

In einem anderen Workshop stand die Frage „Was hat Essen mit dem Klima zu tun?” im Mittelpunkt. Die Teilnehmenden waren sich einig: Unsere Kaufentscheidung im Supermarkt ist wie eine Wahlstimme – wir entscheiden, wohin sich unsere (Nahrungsmittel-)industrie bewegt. Passend dazu gab es einen weiteren Workshop von und über Fairtrade.

Klimagerechtigkeit geht über Umweltschutz hinaus

Klimagerechtigkeit ist ein Querschnittsthema. Nicht nur ökologische Ungerechtigkeiten spielen eine Rolle. Auch deren Auswirkung auf Menschen mit weniger Privilegien als der Durchschnitt der deutschen Bevölkerung. In einigen Workshops werden genau diese Aspekte thematisiert. Wer bei dem Angebot „BNE & Aktivismus: anti-rassistisch, barrierefrei & inklusiv” von Atay aus dem youpaN und Betül dabei war, hat bewusst Lebensrealitäten, Privilegien und Erfahrungen hinterfragt.

Im Workshop „Klima der Gerechtigkeit” mit Nadine Etzkorn setzten sich die Teilnehmenden mit Kolonialismus, Rassismus, Macht- und Herrschaftsstrukturen auseinander. Es wurde viel diskutiert, doch einig sind sich die Teilnehmenden: Diese Themen sind grundlegend wichtig und müssen zusammengedacht werden, wenn von Nachhaltigkeit gesprochen wird.

Der Workshop „Destroy the partiarchy” von Nora Teuma (UN Women) knüpfte auch an der Intersektonalität an: Welche Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern sich durch die Klimakrise verschärfen und wie Politik dagegen steuern kann, beschäftigte die Runde intensiv.

Die youcoN versucht sowohl vor als auch hinter den Kulissen sensibel für diskriminierende Strukturen und mangelnde Repräsentation der gesellschaftlichen Vielfalt zu sein: 1/3 der gebuchten Referierenden bezeichnet sich selbst als BIPOC. Die Ausschreibung der Betreuenden-Jobs auf der youcoN, wurde jedoch nur von weißen Menschen beantwortet. Das Team für Jugendbeteiligung der Stiftung Bildung ist sich bewusst: Das müssen, wollen und werden wir ändern!

Bewusst zurückblicken – die bewegte Geschichte Proras

Mehrere Gruppen besuchten auch das Dokumentationszentrum Prora, um sich mit der Geschichte des Ortes und dem Nationalsozialismus auseinanderzusetzen. Die Tour von der Jugendherberge aus, war schnell mit dem Rad zu bewältigen.

Es geht nicht nur um Wissen!

„Denn das Rauschen ist omnipräsent und wenn man nicht achtgibt, wird es zum Dröhnen und wenn es erst einmal dröhnt, ist es schwer, das Glitzern der Wellen noch zu erkennen. Schnell wird es blendend.”

Merle Rittinghaus

Die Themen um die es bei der youcoN 2021 geht, sind für viele mit einer Menge Gefühle – positiven und negativen – verbunden. Die kreativen Angebote gaben den Teilnehmenden die Möglichkeit, ihre Emotionen und Gedanken zu den Themen zu verarbeiten. So hat z.B. My aus dem youpaN einen Gedichte-Workshop angeboten, bei welchem eine Vielzahl an emotionalen und poetischen Texten entstanden sind. Diese wurden dann auf der Bühne vor dem Plenum vorgetragen und ernteten riesigen Applaus! Es wurden Postkarten für nachhaltige Botschaften gebastelt und unter dem Motto „DIY in action” alles Mögliche dem Upcycling-Prozess unterworfen. So schön wie die Ergebnisse, so verbindend ist das Schaffen an sich. Zeit, um zu verarbeiten, zu netzwerken, sich gegenseitig zu inspirieren. Im Barcamp hatten zudem alle die Möglichkeit ihre (Workshop-)Idee zu teilen: Selfcare-Angebote, Diskussionen, Projektideen, die Teilnehmenden haben hier die Konferenz für sich gestaltet.

Das Team der Stiftung Bildung blickt auf eine aufregende, inspirierende youcoN zurück und freut sich auf Vorschläge und Ideen für die kommenden Jahre. Ganz gemäß dem Bundesministerium für Bildung und Forschung, welches im Rahmen des Projektes youpaN die youcoN fördert, wissen wir nämlich: Das beste Rezept für gute Jugendbeteiligung ist MEHR Jugendbeteiligung. So verkündete es auch Chloé Frenzel aus dem BNE-Referat des BMBF in ihrem Grußwort auf der youcoN :„ Je mehr, desto besser!” sagte sie und fordert außerdem explizit Auszubildene auf, sich im Jugendforum youpaN mit ihren Ideen einzubringen. Die nächste Nachbesetzung des Gremiums erfolgt Anfang nächsten Jahres – wer informiert werden möchte, meldet sich gerne beim Team für Jugendbeteiligung der Stiftung Bildung unter oder schaut auf youpaN.de nach.

Nach der youcoN ist vor der youcoN…

youcoN 2021

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Die spendenfinanzierte Stiftung Bildung setzt Projekte zu BNE, Jugendbeteiligung und Inklusion um. Mit verschiedenen Förderfonds, tatkräftiger Unterstützung in zahlreichen Regio-Teams in ganz Deutschland und Expertise für Bildung für nachhaltige Entwicklung unterstützt die Stiftung Bildung Projekte von Kindern und Jugendlichen für mehr Partizipation in der Bildung, von Kita bis Universität.

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Hintergrund

Das Jugendbeteiligungsbüro der Stiftung Bildung begleitet im Rahmen des UNESCO-Programms „Education for Sustainable Development for 2030“ junge Menschen in ihrer Beteiligung an der Umsetzung des Nationalen Aktionsplans BNE. Das Jugendbeteiligungsprojekt youpaN wird mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung unter dem Förderkennzeichen 01JO2001 gefördert und nun bereits im fünften Jahr erfolgreich umgesetzt.