La page verte – Die grüne Seite

Trotz Digitalisierung steigt der Papierverbrauch in Deutschland (Quelle:
Verbraucherservice Bayern). Mit einem Verbrauch von 250 kg Papier befindet sich Deutschland weltweit auf Platz 4 (Quelle: Bundesumweltamt 2015). Diese Zahlen sind bedenklich, denn die Papierindustrie hat einen nicht unerheblichen Effekt auf Klima und Umwelt – nicht zuletzt durch die Abholzung von Wäldern, die Entstehung von Monokulturen, das damit einhergehende Artensterben oder die Freisetzung von Chemikalien.

Auch an der Universität des Saarlandes wird nicht an Papier gespart: Jedes Jahr werden an der Universität des Saarlandes ca. 160 Tonnen Papier entsorgt (Quelle: Dezernat ZBD – Zentrale Beschaffung und Dienste, Universität des Saarlandes) . Daher haben wir im April 2019 beschlossen, auf direktem Wege etwas gegen diesen Ressourcenverbrauch zu unternehmen.

Foto: La page verte

Papier retten und neues Leben schenken

Und so wurde La page verte – Die grüne Seite geboren. Die Grundidee ist simpel: Einseitig bedrucktes Papier (z. B. Fehldrucke, Flyer oder Plakate) werden gesammelt, um daraus mit einer einfachen Leimbingung neue Notizblöcke herzustellen. Das Papier wird also „gerettet“, um ihm ein neues Leben zu schenken. Durch die Verwendung unserer Blöcke kann so jede*r einzelne Ressourcen einsparen: Holz, das vor allem bei der Herstellung von Frischfaserpapier gebraucht wird sowie Wasser und Energie, aber auch Chemikalien, die für die Herstellung von Papier eingesetzt werden.
Durch das „direkte“ Recycling wird sich außerdem der energieaufwendige Prozess, in dem aus Altpapier Recyclingpapier hergestellt wird, gespart. Somit kann CO2 eingespart werden. Während ein normaler DIN A4-Block mit 80 Seiten aus Frischfaserpapier 1,2 kg Holz, 20,8 l Wasser und 4,3 kWh Energie verbraucht, ein gleicher Block aus Recyclingpapier 0,4 kg Holz, 8,2 l Wasser und 1,7 kWh Energie (Quelle: IPR – Initiative Pro Recycling, Nachhaltigkeitsrechner), verbrauchen unsere Blöcke so gut wie keine Ressourcen.

Gleichzeitig versteht sich das Projekt als Nachhaltigkeitskampagne und will für einen verantwortungsvolleren Umgang mit Ressourcen sensibilisieren. Dafür befindet sich auf der ersten Seite eines jeden Blocks ein Factsheet zum Thema Papierverbrauch, auf dem Informationen rund um das Thema Papier und Tipps für einen verantwortungsvolleren Umgang damit zu finden sind.

Von der Idee zum Block

Der erste Schritt war die Kontaktaufnahme zu 2nd Page in Lüneburg, die uns die wichtigsten Aspekte rund um ihr Papier-Retten-Projekt erklärten. Darauf folgte die Findung eines Namens sowie die Entwicklung eines Logos. Als wir diese festgelegt hatten, konnten wir auf verschiedene Akteure an der Universität zugehen: So gewannen wir z. B. das Studentenwerk im Saarland e. V. Als Projektpartner, das uns unter anderem einen Raum zur Lagerung des gesammelten Papiers zur Verfügung stellte. Weiterhin sprachen wir mit
dem neuen Verantwortlichen für die Stabstelle Nachhaltigkeit und Digitalisierung der Universität des Saarlandes, um ihm das Projekt zu präsentieren und über bereits vorhandene Nachhaltigkeitsstrategien an der Universität zu sprechen.

Foto: La page verte

 

Dann veranstalteten wir ein Infotreffen, um das Projekt vorzustellen und Freiwillige zu finden, die uns bei der weiteren Umsetzung helfen würden. Werbung dafür haben wir u. a. im Rahmen der Hochschulwahlen gemacht. Rund 20 Personen kamen zur Infoveranstaltung, von denen, gemeinsam mit uns drei Initiatorinnen, ca. 10 heute das Kernteam ausmachen. Ende Juli folgte ein weiteres Treffen, bei dem wir damit begannen, Sammelboxen zu basteln (auch diese ausschließlich aus Altpapier).

Über Datenschutz und Inklusion

Wir haben daraufhin an verschiedenen Orten an der Universität Sammelboxen aufgestellt, u. a. Im Studentenwerk, in der Zentralbibliothek und einigen Teilbibliotheken sowie beim AstA. Während wir manche Standorte selbst angefragt haben, haben sich andere von sich aus an uns gewendet, um eine Box zu „bestellen“, da sie auf das Projekt aufmerksam geworden waren und uns unterstützen wollten.

Diese Boxen werden nun regelmäßig geleert und es findet ca. alle zwei Wochen Treffen statt, bei dem das Papier gemäß  Datenschutzgrundverordnung vorsortiert wird. Ein Freiwilliger hat sich dafür im Voraus an die Datenschutzbeauftragte der Universität des Saarlandes gewandt, um in Erfahrung zu bringen, welche Art von Daten nicht im Block
auftauchen darf.

Foto: La page verte

 

Da wir am 14.10.2019 die Blöcke zum ersten Mal an der Universität präsentieren wollten, ließen wir dann in der letzten Septemberwoche die erste Ladung Blöcke mit dem bis dahin gesammelten Papier in der Behindertenwerkstatt Reha GmbH herstellen (die Papiermenge ergab 186 Blöcke). Die Werkstatt hatten wir zuvor für einen Probedruck bereits besucht. Die Mitarbeiter dort waren sehr freundlich und entgegenkommend und haben uns im Detail gezeigt, wie genau die Blöcke gebunden werden würden.

Infokampagne zu Ressourcenverbrauch

In der Aufbauphase haben wir es geschafft, die Infrastrukturen für das Sammeln und Lagern von Papier an der Universität des Saarlandes aufzubauen, ein Team von engagierten Freiwilligen aufzubauen und schließlich die ersten Blöcke herstellen zu lassen.

Die Blöcke wurden schließlich zu Semesterbeginn bei einem Infostand am Erstsemester-Infotag präsentiert. Das Interesse an unserem Projekt war groß
und die Rückmeldungen zu den Blöcken sehr positiv. Darüber freuten wir uns und es motivierte uns weiterhin. Zusätzlich konnten wir ein paar neue Interessent*innen und sogar weitere Mithelfer*innen rekrutieren, die beim ersten Treffen in diesem Semester sofort kamen, um die Boxen zu leeren und Papier zu sortieren. Aktuell führen wir weitere Gespräche mit dem Studentenwerk, die uns dabei unterstützen, weitere Kooperationspartner*innen zu finden und gemeinsam mit uns zusätzliche Designs für das Cover erarbeiten.

Foto: La page verte

 

In den kommenden Wochen sollen weitere Infostände stattfinden, um die Studierenden über das Projekt zu informieren und somit für das Thema Ressourcenverbrauch zu sensibilisieren. Die Initiative „Faire Uni Saar“, die ein Mal wöchentlich einen Infostand in der Mensa der Universität des Saarlandes hat, hat sich außerdem bereiterklärt, unsere Blöcke an ihrem Stand anzubieten.

Papier retten 2.0

Unser Ziel ist es, dass das Projekt sich in Zukunft selbst tragen kann, also dass wir mittels der Spenden, die wir für die Blöcke erhalten, weitere Blöcke in Auftrag geben können. Wir wünschen uns, dass es La page verte – Die grüne Seite dauerhaft als studentische Initiative an der Universität des Saarlandes geben wird, denn es wird immer Fehldrucke geben, die gerettet werden können. Gleichzeitig verstehen wir die Blöcke als Nachhaltigkeitskampagne. Wir hoffen, dass wir die Studierenden und Mitarbeiter*innen der UdS auf diesem Wege für die Problematik der Papierverschwendung sensibilisieren
können, sodass in Zukunft weniger oder zumindest doppelseitig gedruckt wird. Außerdem möchten wir mit der Universität in den Dialog treten, um z. B. anzuregen, an den universitären Computern das doppelseitige Drucken als Voreinstellung festzulegen und mehr Recycling-Papier zu nutzen.

Foto: La page verte

 

Verfasser*innen des Berichts (gekürzt) sind Dariah , Elisa , Ronja und Ylva