Sei kein Lauch! – Junge Menschen reden mit, fragen nach und stellen Forderungen

Sei kein Lauch! Das war die große Fishbowl-Diskussion am Samstag auf der youcoN. Auf ihr sprachen junge Menschen mit geladenen Gästen aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Wissenschaft darüber, wie wir gemeinsam mit BNE eine zukunftsfähige Gesellschaft schaffen können.

Dabei ging es nicht nur darum, wie wir den Klimawandel stoppen können. Es wurde auch ganz konkret gefragt, was jede*r Einzelne jetzt schon dafür macht. Welche Verantwortung die Wirtschaft für eine Nachhaltige Entwicklung spielt. Und warum Bildung dabei so wichtig ist.

Junge Menschen im Gespräch mit Dr. Mandy Singer-Brodowski, Claus Colsman und Katja Hintze (von rechts nach links).

In der Diskussion zeigte sich wieder einmal: Das kritische Hinterfragen und die Forderungen junger Menschen beleben den Prozess hin zu einer Nachhaltigen Entwicklung und bleiben nicht ohne Folgen.

Getreu dem Ratschlag von Katja Hintze, die als Vorstandsvorsitzende der Stiftung Bildung die Zivilgesellschaft in der Diskussion vertrat, „als junger Mensch einfach mal zu machen“, kamen ganz viele der youcoN-Besucher*innen auf das Podium. Sie durchlöcherten die Diskutant*innen mit Fragen und Forderungen. Claus Colsman (Geschäftsführung der Autostadt) vernahm diese „Frische und das große Engagement“ der jungen Menschen und möchte viele der Ideen in die Autostadt einbringen und für sie auch eine Öko-Bilanz erstellen. Und auch Dr. Mandy Singer-Brodowski vom Institut Futur begrüßt die vielen BNE-Aktionen der jungen Menschen. Denn für BNE ist wichtig, dass viele Menschen gemeinsam aktiv werden. Sei also kein Lauch und mach gemeinsam mit uns BNE!

Wir haben die Diskussion mitgezeichnet und dabei ist ein tolles Bild als Ergebnis entstanden. Siehe selbst:

BNE… Wieso eigentlich bei VW?

Der Autokonzern VW steht aktuell bei Umweltschützern nicht sehr hoch im Kurs. Die Diskussionen um Pfusch am Autobau wollen nicht aus Medien und Politik verschwinden, der Autokonzern verweigert aus ökonomischen Gründen eine Nachrüstung. Das Totschlagargument Arbeitsplätze zieht in Deutschland schließlich immer.

Die Entscheidung, die youcoN 2018 in der Autostadt, dem mehrere hundert Millionen Euro teuren Prestigebau von VW in Wolfsburg, stattfinden zu lassen, war auch unter den Organisatoren umstritten, sagt Christoph Pennig von der Stiftung Bildung. Schließlich habe man sich sogar entschieden, die Autostadt als Partner zu nehmen. Sie trägt einen großen Teil der Kosten für die youcoN mit.

Getreu dem Motto „Gemeinsam“

„Unser Motto für die zweite youcoN ist aber ‚Gemeinsam.Zukunft.Leben‘. Letztes Jahr waren wir für uns alleine und hatten eine Wohlfühlatmosphäre. Es bringt aber nichts, wenn die wenigen Menschen, die Nachhaltigkeit schon gut können, noch besser darin werden.“ – Christoph Penning

Deshalb wurden in diesem Jahr Vertreter von Wirtschaft, Politik und Wissenschaft eingeladen, sich die Ergebnisse der youcoN anzuschauen. Der Veranstaltungsort bringt beide Seiten zusammen – so unterschiedlich sie auch sein mögen. Und wirklich treffen zwei Welten aufeinander.  Einige Teilnehmer laufen Barfuß und leger gekleidet über das Gelände und fallen damit zwischen den Angestellten und Gästen auf, von denen viele im Anzug unterwegs sind. Die Umgebung sieht aus wie sprichwörtlich geleckt. Kein Wunder, schließlich fahren hier täglich Mähroboter und abends röhren nach 23 Uhr die benzinbetriebenen Laubbläser und blasen die Blätter der Bäume in den Kanal. Wenigstens das Essen ist nach eigenen Angaben zu 97,8% nachhaltig, vegetarisch, Bio und aus der Region, sogar mit Gütesiegel.

Hört keiner zu?

Anonymes Statement eines/r Teilnehmenden

Wie viel Aufmerksamkeit in Wolfsburg durch die youcoN generiert wurde, lässt sich erst einmal schwer bemessen. Durch die Diskussionsrunde zum Thema „Sei kein Lauch! – BNE gemeinsam anpacken für eine zukunftsfähige Gesellschaft“ bot sich jedoch die Möglichkeit, sich kritisch mit dem Veranstaltungsort auseinander zu setzen. Dabei anwesend war nämlich unter anderem auch Claudius Colsmann aus der Geschäftsführung der Autostadt. Obwohl die Diskussion schnell vom Thema Bildung zum Thema Volkswagen und Umwelt wechselte, bemühte sich Herr Colsmann, alle Fragen zu beantworten und gab auch unumwunden zu, seine persönliche Meinung auf dem Podium nicht äußern zu dürfen. Katja Hintze von der Stiftung Bildung, die auch auf dem Podium stand, dankte ihm am Ende der Diskussion für seinen Mut. Die Verbesserungsvorschläge aus dem Publikum nahm Herr Colsmann dankend an und notierte sich alle. Inwiefern sie umgesetzt wurden wird dann vielleicht bei der youcoN 2019 deutlich.

Raus aus der Blase

Anonymes Statement eines/r Teilnehmenden

Aktionismus ist notwendig, um die eigenen wichtigen Ziele schnell zu erreichen. Das zeigt jüngst das Beispiel des Hambacher Waldes, der nach der Entscheidung des Oberverwaltungsgerichtes Münster und einer eigenen Einschätzung von RWE nun bis 2020 erst einmal sicher zu sein scheint. Um aber langfristig etwas zu verändern müssen in unserer vielschichtigen Gesellschaft Entscheidungstragende überzeugt werden, indem das eigene Anliegen in deren Lebens- und Arbeitswirklichkeiten hineingetragen wird – mit Argumenten und Diskussionen.

Die youcoN 2018 hat dafür einen ersten, kleinen Schritt getan und sich zusammen mit der Autostadt kritisch mit dem Thema Bildung für nachhaltige Entwicklung auseinander gesetzt. Ist noch mehr möglich? Natürlich. Aber nicht innerhalb von vier Tagen.

Dieser Artikel wurde geschrieben von Pascal Bucksteeg von der Jugendredaktion der Jungen Presse e.V., die live von der youcoN auf ihrem Magazin www.youthmag.de berichtet und uns diesen Beitrag freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Seit über 65 Jahren setzt sich die Junge Presse ehrenamtlich für medieninteressierte Jugendliche ein und ist einer der größten bundesweit aktiven Jugendmedienverbände.