Welches Recht hat die Natur?

Eine Stimme für den Regenwald

In Kolumbien kann der Wald künftig sein Recht selbst einklagen. Seit April 2018 besitzt das Amazonasgebiet die gleichen Rechte wie eine Person. Das oberste Gericht Kolumbiens erkannte nämlich in einem Urteil die Bedeutung des Amazonasregenwalds als lebenswichtiges Ökosystem an. Auch Bolivien und Ecuador haben bereits solche Passagen in ihrer Verfassung verankert. In Kolumbien ging die Initiative von einer Gruppe von Kindern und Jugendlichen aus, die von der NGO „dejusticia“ unterstützt wurden. Sie argumentierten damit, dass die Abholzung des Regenwaldes den Klimawandel beschleunigt und damit ihre Zukunft. Das oberste Gericht forderte zudem, die Emissionen von Treibhausgasen bis 2020 auf Null zu senken und den Kahlschlag zu stoppen.

Neue Rechtsauslegungen

Nach der Rechtsauffassung der allermeisten Länder sind Natur, Tiere, Pflanzen und Steine einfach Objekte, die jede*r besitzen, zerstören oder schützen kann. Das schlägt sich auch in den Umweltgesetzen nieder. Diese regeln wie viel Umweltverschmutzung oder Naturzerstörung in Kauf genommen wird und legalisieren dadurch Umweltschäden. Das ist anders als bei natürlichen oder juristischen Personen. Die können sich zur Wehr setzen bei einer Verletzung ihrer Interessen. Die Natur ist in solchen Konflikten strukturell benachteiligt. Sobald mensch jedoch der Natur Rechte zugesteht, ändert sich die Lage. Umweltverbände, NGOs oder Anwaltskanzleien können dann vor Gericht ziehen und als Stellvertreter dieser Rechtssubjekte auftreten.

Naturrechtssprechung wächst

In vielen Ländern, beispielsweise Brasilien, Bolivien oder den USA, gibt es mittlerweile entsprechende gesetzliche Regelungen. Es bleibt trotzdem eine Frage der Abwägung. So behält sich der bolivianische Staat die Ausbeutung von natürlichen Ressourcen vor, was in Widerspruch zu den Verfassungsrechten steht und zu Spannungen führt. Das bedeutet, dass die Natur nicht immer und automatisch gewinnt. Sie bekommt aber eine eigene Stimme, die vor Gericht bestand hat. Weltweit werden Jurist*Innen ausgebildet, um die Rechte der Natur und der Bürger*Innen zu schützen. Doch allen guten Vorsätzen zum Trotz, ist die Einbettung und Umsetzung der neuen Gesetze nicht immer einfach. Gerade in Lateinamerika basiert die Wirtschaft noch stark auf dem Raubbau an Ressourcen. Trotz vieler Schwierigkeiten hat die neue Rechtsstrategie des biozentrischen Ansatzes in den letzten zehn Jahren auf internationaler Ebene enorm Fahrt aufgenommen.

Ausführlichere Informationen und den ungekürzten Artikel von SPEKTRUM findest du hier.

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