Christoph Pennig

Ein Nachbericht zur youcoN

Die youcoN in Zahlen: 4 Tage, 50 Angebote, über 100 junge Menschen, unendlich Spaß, 1 Jugendforum für BNE wird gegründet

„Wir l(i)eben Zukunft!“ – das war nicht nur das Motto der 1. Jugendkonferenz zum Nationalen Aktionsplan Bildung für nachhaltige Entwicklung vom 15. bis 18. September im Haus Neuland in Bielefeld. Nein, das war auch der Spirit der über 100 jungen Menschen, die auf der Konferenz zur Umsetzung von Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) in Deutschland tagten.

Tag 1: Eröffnung der Konferenz

Schon hier zeigte sich, dass die Teilnehmenden nicht angereist waren, um nur zu reden. Sie wollten Nachhaltigkeit vorleben (#vorlebenstattvorlabern). Die Begrüßung am Freitagabend fand durch Nora (17) und Niklas (19) statt. Beide setzen sich für Jugendpartizipation ein und erzählten davon. Weiter ging es mit den Grußworten von Dr. Roland Bernecker, dem Generalsekretär der Deutschen UNESCO-Kommission und von Rabea Willers aus dem Bundesministerium für Bildung und Forschung. Beide sagten, dass Jugendbeteiligung wichtig ist.

Tag 2: Workshops, Diskussionen und Vorträge zu BNE

Am zweiten Tag gab es über 40 Programmpunkte zum Thema Nachhaltigkeit. Außerdem konnte jede*r erfahren warum Bildung für die Umsetzung der Ziele nachhaltiger Entwicklung (SDGs) so wichtig ist. Die jungen Menschen konnten dabei u.a. im Workshop „Wir verändern Hochschule – nachhaltig und partizipativ“ eigene Projektideen diskutieren oder lernen, wie sie eine „nachhaltige Schülerfirma aufbauen.“

Ganz praktisch wurde es in den Workshops „Energiewende Selbermachen“, indem die youcoN-Teilnehmer*innen Solarinselanlagen bauten oder „Nachhaltig Bauen“ , in welchem sie Experimente zur Wäremedämmung machten.

In mehreren Diskussionsrunden wurde das Thema BNE aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Zum Beipsiel in der Runde „Ohne uns geht nichts!“. Hier wurde darüber geredet, wie Jugendbeteiligung erfolgreich werden kann.

Vorträge rundeten das Programm der youcoN ab. Bloggerin Jane Krüger sprach zum „Ökologischen Fußabdruck“. Franziska Keich zeigte, was ein „nachhaltiges Unternehmen eigentlich ist“.

In den Pausen zwischen den Veranstaltungen gab es außerdem noch einen Markt der Möglichkeiten. Hier konnten die Teilnehmenden Organisationen, Vereine oder Institutionen kennenlernen, die sich für BNE einsetzen. Zum Beispiel war das Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie die Deutsche Sportjugend mit einem Stand dabei.

Den Abschluss des langen Tages gab es ein tolles Kulturprogramm. Die Poetryslammer von I.Slam texteten unterhaltsam. Pan Chimzee ließ den Abend mit einem Wohnzimmerkonzert ausklingen.

Tag 3: Open Space und Gründung des Jugendforums „youpaN“

An Tag 3 konnten die Teilnehmenden in offenen Formaten ihre Ideen und Gedanken praktisch umzusetzen oder mit anderen diskutieren. Hierfür haben sie selbst Projektwerkstätten angeboten. Zum Beispiel haben sie über die „Auswirkung des Tierproduktkonsums“ gesprochen oder die Idee zu der App „Check dein Bag“ entwickelt. Diese berechnet den ökologischen Fußabdruck von Einkäufen.

Ganz praktisch wurde in einer Ideenwerkstatt „Nachhaltigkeit getanzt“ . In einer anderen auf einem „Bildungsspaziergang“ im naheliegenden Wald Müll gesammelt.

Um ihre Projektideen mit Tipps zu verbessern, konnten sich die Teilnehmenden parallel zu ihren Workshops in einem Best-Practice-Café mit Akteuren aus dem Bereich BNE austauschen.

Einer der Höhepunkte des Tages war die Gründung des Jugend-Forums youpaN. Um die Jugendbeteiligung zu stärken und junge Menschen an der Umsetzung von BNE in Deutschland zu beteiligen. Es besteht aus 20 jungen Menschen, die sich auf der Konferenz dafür beworben hatten. Sie werden die Ideen aus der Konferenz in den nächsten zwei Jahren in die Politik weitertragen.

Tag 4: Abschluss der Konferenz

Am Ender der youcoN gab es ein Abschlussplenum. Die Ergebnisse der letzten drei Tage wurden noch einmal zusammengefasst, bewertet und durchlebt.

Christoph Pennig

youcoN ist vorbei, youpaN legt los

Eine ereignisreiche Zeit liegt hinter uns. Vom 15. bis 18. September fand die youcoN – Wir l(i)eben Zukunft! in Bielefeld statt. Weit über 100 junge Menschen haben sich dort getroffen und über Bildung für nachhaltige Entwickung getagt. Workshops, Diskussionen, Vorträge und verschiedene Stationen zum Selbstlernen und Spielen gab es dort. Alles gemischt in einem bunten Programm.

Aber vorallem gab es unglaublich motiverte Teilnehmer*innen. Die kamen aus ganze Deutschland und hatten jede Menge Ideen, Projekte und den Willen, die Welt nachhaltiger zu machen, in ihrem Gepäck mit dabei. Und sie haben uns gezeigt, warum und für wen die youboX die Konferenz eigentlich organisiert hat.

Wir von der youboX hatten auf jeden Fall vier volle Tage einen Riesenspaß alle kennenzulernen. Und mit den jungen Menschen zusammen über BNE zu tagen. Ok, ein bisschen Arbeit war es auch 🙂 Aber wir denken, es hat sich mehr als gelohnt!

Deshalb waren wir auch ein wenig traurig, als am Montag die letzten Konferenzteilnehmenden das Haus verlassen haben, um sich auf den Heimweg zu machen. Aber immerhin konnten sie ihre Heimreise mit einem schönen Radiobeitrag über die youcoN versüßen.

Aber wie sagt man so schön: Nach der Konferenz ist vor der Konferenz. Denn das Jugendbeteiligungsprojekt geht jetzt so richtig los. Auf der youcoN wurde nämlich auch das youpaN gegründet. Ein Jugendforum, welches in den nächsten zwei Jahren Politik und viele coole Aktionen zu BNE macht und das wir darin unterstützen.

 

Christoph Pennig

Nachhaltigkeit begreifbar machen

„Irgendwann saß ich vor dem Fernseher und war ganz baff. Ich habe in den Nachrichten eine Insel gesehen, da konnte man den Boden einfach nicht mehr erkennen – es war alles voller Müll. Das hat mich wachgerüttelt.“ Schlüsselmomente wie diesen hatten einige Teilnehmer des Workshops „Vom Wissen zum Handeln – Anregungen mit dem Germanwatch Handprint“ in der Vergangenheit. Auf Anregung von Workshop-Leiter Stefan Rostock berichteten sie zu Beginn von ihrer persönlichen Motivation, sich für Nachhaltigkeit einzusetzen.

In dem Workshop gab es vor allem allem Fakten rund um das Thema Klimawandel und Nachhaltigkeit. Außerdem diskutierten die Teilnehmenden über Ansätze aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, um nachhaltige Entwicklung voranzutreiben. Stefan Rostock, NRW-Fachpromoter für Klima und Entwicklung bei „Germanwatch“ in Bonn, zeigte den Teilnehmenden eine Simulation der prognostizierten globalen Temperaturen in den nächsten Jahrzehnten: Die Zahlen schossen innerhalb weniger Sekunden in die Höhe. Am Ende stand eine mögliche Erderwärmng von mehr als 3 Grad bis zum Jahr 2100, bei einer Bevölkerung von zehn Milliarden Menschen weltweit. Rostock erklärte, das sei das Worst-Case-Szenario, das bei einer fehlenden Klimapolitik und der verstärkten Nutzung von fossilen Brennstoffen durch Schwellenländer zu erwarten sei.

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Christoph Pennig

Iss was?! Ein Fleischquiz

„Eigentlich kann ich euch nichts mehr beibringen“, sagt André Moser von der Heinrich-Böll-Stiftung beeindruckt und lehnt sich zurück. Die Teilnehmer lachen. Zwei Teams sitzen sich gegenüber, gleichmäßig gemischt die Carnivoren und Herbivoren – also die Fleisch- und die Pflanzenesser. Sie verbindet jedoch eines: Das aufrichtige Interesse am Fleischkonsum in Deutschland und der Welt. Hauptgrund für die Teilnahme: Ein besseres Bewusstsein für den eigenen Konsum zu bekommen.

André Moser betonte zunächst, die Heinrich-Böll-Stiftung als parteinahe Stiftung der Grünen habe nicht das Ziel, mit dem Finger auf andere zu zeigen und zu sagen: „Was du machst, ist falsch!“. Sie wolle vielmehr informieren und Wissen vermitteln. Beim Thema nachhaltiges Konsumverhalten wird das etwa mit einem „Fleischquiz“ versucht, das als Kneipenquiz entworfen wurde, oder mit dem regelmäßig herausgegebenen „Fleischatlas„.

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Christoph Pennig

Enwicklungsziele kaum erreichbar

In Europa leben nur etwas mehr als zehn Prozent der Weltbevölkerung, die Menschen hier besitzen aber über 26 Prozent des verfügbaren Geldes in der Welt. Afrika verantwortet weniger als fünf Prozent der weltweiten Umweltverschmutzung, ist aber mit am stärksten vom Klimawandel betroffen. Im Workshop „Was sind SDGs und (wie) können wir diese erreichen?“ breitete Angelica Garcia, Vertreterin des Onlineportals Globales Lernen, eine große Weltkarte aus und drückte den Teilnehmern Holzmännchen und Plättchen in verschiedenen Farben in die Hand. Die symbolisierten Einwohner, Geld, Süßwasser und Umweltverschmutzung. Bei dem Versuch, die Plättchen auf der Weltkarte richtig zu verteilen, lag die Gruppe oft daneben – mal ein wenig, mal komplett. „Wir haben völlig unterschätzt, wie viele Menschen in Asien wohnen“, stellte eine Teilnehmerin frustriert fest.

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Christoph Pennig

„Wie fühlt man sich denn so als Bio-Deutsche?“

Samstagabend, der Raum ist mit Decken ausgelegt, vorfreudige Erwartung erfüllt die Luft, Applaus brandet auf und Haroon und Betül betreten die Bühne. Die beiden gehören zum iSlam-Team, einer Poetry-Slam Gruppe muslimischer Jugendlicher, die „mit Texten die Welt verändern wollen“. Mit diesen Worten eröffnet Haroon den Abend und lässt sofort sein Publikum mitspielen. „Wer von euch will noch die Welt verändern?“, ist seine Frage und die auf dem Boden sitzende Menge reißt begeistert die Arme hoch. 

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Christoph Pennig

Ist das wirklich fair?

Deutsche trinken pro Kopf im Durchschnitt etwa 150 Liter Kaffee pro Jahr. Die wenigsten machen sich dabei Gedanken darüber, wie und von wo dieser Kaffee zu ihnen kommt. Angelica Garcia berichtete am Samstagnachmittag in ihrem Vortrag „Was ist fair? Fairer Handel am Beispiel von Kaffee“ über Produktionsbedingungen, Börsenpreise und Kinderarbeit. Als Beispiel untersuchte sie das Siegel Fairtrade, das fair gehandelte Produkte auch für durchschnittliche Konsumenten zugänglich macht. Fairtrade verbindet Konsumenten und Produzenten in einem internationalen Netzwerk und setzt auf unabhängige Kontrollen, um die ausgehandelten Standards einzuhalten.

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Christoph Pennig

Wirtschaft und Nachhaltigkeit – passt das zusammen ?

Samstagnachmittag drehte sich bei Franziska Keich alles um nachhaltige Unternehmen – heute und in der Zukunft. Die Referentin arbeitet für UnternehmensGrün, einen parteiunabhängigen und branchenübergreifenden Lobbyverband. „Ökologie und Wirtschaft sind kein Widerspruch“, will UnternehmensGrün jungen Erwachsenen und Gründern ein Gefühl für nachhaltiges Wirtschaften vermitteln.

Franziska Keich eröffnete ihren Vortrag mit der Frage: „Wer von euch hat in der Schule bereits etwas über Wirtschaft gelernt?“, darauf melden sich die meisten Jugendlichen, andere nicken zustimmend. Bei der nächsten Frage sieht das ganz anders aus. Keiner der anwesenden Jungen und Mädchen hat im Wirtschaftsunterricht etwas über nachhaltiges Wirtschaften gelernt.

Genau darin sieht Keich das Problem der zukünftigen Gesellschaft: „Wirtschaftliche Unternehmen orientieren sich an der Gewinnmaximierung und nicht an fairem Handel“. Dabei sei gerade das Zusammenspiel von Ökologie, Ökonomie und sozialen Aspekten der Weg, um in Zukunft nachhaltiger zu Wirtschaften, so Keich.

Aber wie genau soll eine nachhaltige Firma aussehen?

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Christoph Pennig

„Informieren, Beleuchten, Kommunizieren“

„Flüchtlingswelle“, „Steuerbelastung“  – diese Begriffe werden im alltäglichen Sprachgebrauch meist ganz selbstverständlich genutzt. Doch dahinter steckt oft ein politisches Interesse. Für dieses sogenannte „Political Framing“ sollte der Workshop von Niklas Hähn sensibilisieren. Er ist Abiturient und gehört der Bundesdelegation 2016/17 von Rheinland-Pfalz an.

Niklas stieß selbst erst in diesem Jahr auf das Thema und beschäftigte sich immer intensiver damit. Das führte ihn zu der Frage: Werden wir von Politikern, Medien und auch Lehrern einfach nur durch bestimmte Worte beeinflusst?

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