Kommentar zur Studie „Zukunft? Jugend fragen“

Studie Zukunft? Jugend Fragen!

Es handelt sich bei der Studie um Befragungen von Jugendlichen zwischen 14 und 22 Jahren, die aufgrund repräsentativer Daten des statistischen Bundesamtes ausgewählt wurden und ihre Meinung zu verschiedenen Themen aus den Bereichen Umwelt, Politik und Soziales formulierten. Die Studie wurde vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung  (IÖW) durchgeführt.

Dabei wurde bewusst ein partizipativer Ansatz gewählt, das heißt, die Forscher des IÖW arbeiteten auf Augenhöhe mit den Jugendlichen. Um die Jugendlichen auch direkt an der Erstellung der Studie zu beteiligen, wurde auch extra ein Jugendbeirat gegründet, der an der Studie mitarbeitete.

Die Studie ist in Form einer Broschüre für alle Interessierten verfügbar gemacht worden.

Wichtige Erkenntnisse aus der Studie:

Es besteht ein ausgeprägter Wunsch nach verlässlichen persönlichen Beziehungen, die im Leben Halt geben sollen.

Außerdem existiert ein Wunsch nach mehr Solidarität und sozialem Miteinander im Zusammenleben der Menschen.

Sensibilität für die Bedrohungen der Zukunftsperspektiven durch globale Umweltzerstörungen und Klimawandel sind bei vielen Jugendlichen vorhanden.

Allerdings führt die Überzeugung, selbst wenig verändern zu können, oft zum mehr oder weniger bewussten Ausblenden von ökologischen Themen in ihrem Alltag.

Darüber hinaus wurden die Jugendlichen zu drei möglichen Zukunftsszenarien befragt:

  1. wirtschaftlich-liberal: Es herrscht Konkurrenz, Leistung, mehr Innovationen, mehr Effizienz auch rohstoffbezogen, das heißt, wir fahren weiter fort wie ins jetzt, können uns aber durch mehr Innovationen noch über Wasser halten.
  2. staatlich-steuernd: Maßnahmen des Staats zur Umverteilung von Reichtum sowie Vorschriften zu Umwelt. Das Wirtschaftswachstum „leidet“ darunter, allerdings gibt es mehr soziale Sicherheit für alle. Das Motto lautet: Absicherung statt mehr Wohlstand
  3. gemeinschaftlich-vernetzt:  Es bilden sich Initiativen, die unabhängig von Politik und Wirtschaft sind (oder sein wollen). Die Betonung liegt auf Gemeinschaft und „Sharing“

In der von den Forschern erstellten Online-Community/Plattform kam heraus, dass das erste Szenario als realistisch eingestuft wird, aber nur für eine Minderheit wirklich wünschenswert ist. Die Mehrheit präferiert Szenario 2 oder 3, hält es jedoch für unrealistisch, dass es eintreten wird.

Durch die ehrlichen Antworten der Jugendlichen, wird das Bild eines komplexen Dilemmas bei den jungen Menschen erzeugt:

Jugendliche sind sich der Gefährdung der Lebensgrundlagen bewusst, allerdings sind sie gleichzeitig überzeugt, als Individuen nichts an der Situation ändern zu können.

Überdies gibt weitere Widersprüche:

  1. Das Interesse an traditioneller Politik („Establishment“) ist gering, gleichzeitig gibt es jedoch eine Erwartung und sogar Befürwortung staatlicher Eingriffe, etwa, um die Umwelt zu schützen, oder um eine gewisse Umverteilung des aus der Wirtschaft gewonnen Reichtums zu gewährleisten.
  2. Es gibt relativ wenig aktive Partizipation (zum Beispiel in Parteien) an Politik. Trotzdem haben viele Jugendliche eine ausgeprägte politische Haltung.
  3. Zwar ist das Umweltbewusstsein bei vielen Jugendlichen durchaus ausgeprägt und auch die Erkenntnis, dass es dafür einer Änderung des Lebensstils bedarf, gleichzeitig wollen sie jedoch an ihrem gewohnten, eigenen Lebensstandard festhalten und sind nicht bereit, auf Flugreisen oder Fleisch zu verzichten.

Unser persönlicher Eindruck

Wir sind überrascht, wie pessimistisch-realistisch die Mehrheit der Jugendlichen ist. Obwohl junge Leute sich durchaus bewusst sind, dass wir globale Probleme haben und diese lösen müssen, tendieren erstaunlich viele dazu, Verantwortung von sich abzuschieben, mit einem resignierten Schulterzucken und der Einstellung: „Wir können ja sowieso nichts verändern“.

Die Studie findest du hier.

Dieser Artikel stammt von Clara und Aaron.

Die SDGs und Bildung in Deutschland

Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) ist unser Thema. Mit dem youpaN, der youcoN und Projekten (youprOs) setzen sich bei uns junge Menschen dafür ein, dass BNE in Deutschland immer wichtiger wird. Damit wir das gut machen, sollten wir aber das Folgende wissen: Wo funktioniert BNE in Deutschland schon gut? Und wo nicht? Denn dann können wir aus guten Beispielen lernen. Und wir erkennen Herausforderungen und sehen, an welchen Stellen wir etwas verändern müssen.

17 Ziele der nachhaltigen Entwicklung

Die SDGs und Bildung in Deutschland – eine aktuelle Studie

Unsere Fragen zu beantworten ist aber gar nicht so leicht. In Deutschland gibt es Tausende von Bildungseinrichtungen. Schulen, Kindergärten, Universitäten – und und und. Über alle Bescheid zu wissen, ist schwer. Helfen kann uns eine aktuelle Studie der Universität Bremen. In ihr fragen die Autor*innen Georg Müller-Christ, Bror Giesenbauer und Merle Katrin Tegeler: Inwiefern die SDGs im deutschen Bildungssystem angekommen sind? Also: Wie wichtig sind die SDGs in der Schule? Oder gibt es Nachhaltigkeits-Projekte im Kindergarten?

Um das herauszufinden, haben die Autor*innen viele Fachbücher gelesen. Sie haben eine Umfrage im Internet gemacht. Und sie haben Expertinnen für BNE interviewt. Das haben sie herausgefunden:

  • Über die SDGs wird wenig geredet. In vielen Bereichen sind sie kein Teil der Bildung.
  • Die SDGs werden vor allem dort besprochen, wo es Umwelt- und Naturbildung gibt. Die Themen Globales Lernen und BNE befassen sich auch viel mit den SDGs.
  • Die SDGs haben bisher keinen großen Einfluss auf Bildungspläne in Deutschland.
  • Durch die Festlegung der 17 SDGs arbeiten Menschen, die schon lange für nachhaltige Entwicklung engagiert sind, mit neuem Schwung.
  • Viele Aktionen für Nachhaltigkeit sehen sich durch die 17 SDGs nun als Teil eines großen Ganzen. Sie haben an Bedeutung gewonnen. Und sie sind leichter zu sehen.
  • Viele SDG-Projekte beziehen sich nur auf ein Ziel, wie zum Beispiel keinen Hunger auf der Welt.
  • In der Schule und Hochschule werden auch die Beziehungen mehrerer SDGs untereinander besprochen. Und es werden Zielkonflikte thematisiert. Kann zum Beispiel der Ozean geschützt werden, wenn gleichzeitig alle Menschen satt sein sollen und dafür Fische aus dem Meer gefischt werden müssen?
  • Nur ganz selten werden die SDGs als Ganzes besprochen. Selten wird sich überlegt, wie unsere Gesellschaft in der Zukunft alle Ziele auf einmal umsetzen kann.
  • Besonders in der beruflichen Bildung, beim non-formalen und informellen Lernen sowie in der Fort- und Weiterbildung ist noch viel zu tun, um die SDGs wichtiger zu machen.

Doppeltes Fazit

Mehr als zwei Jahre nach der Bekanntgabe der SDGs gibt also insgesamt ein gemischtes Bild:

  • Einerseits gibt es noch ganz viele Möglichkeiten, um die SDG in das deutsche Bildungssystem zu bringen.
  • Andererseits gibt es ganz viele gute SDG-Projekte. Und sie bringen unsere Gesellschaft in Richtung einer nachhaltigen Entwicklung.

 

Quellenangabe

Wenn du mehr wissen willst, dann findest du hier die Studie zum Download. Und du kannst da noch viel genauer und mehr über die SDGs in allen Bildungsbereichen nachlesen (Seiten 18 bis 24). Außerdem lernst du spannende Projekte zum Thema Nachhaltigkeit kennen (Seiten 25 bis 36).