Jugend mischt auf bei erster KMK-BMZ-Fachtagung mit Jugendbeteiligung

Auf Initiative von Engagement global und mit Unterstützung des SV Bildungswerks haben 20 junge Menschen, darunter auch Noura, Clara und Elena aus dem youpaN, die KMK-BMZ-Fachtagung  zum Orientierungsrahmen BNE besucht. Wer jetzt wegen der GROSSBUCHSTABEN verwirrt ist, KMK-BMZ steht für „Kultusministerkonferenz – Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit“ (Das sind die staatlichen Institutionen, welche diese Tagung veranstaltet haben.)

Foto: Ziel 4 der 17 Ziele für eine Nachhaltie Entwicklung der Vereinten Nationen

Wir hatten die Möglichkeit, als junge Menschen viele unserer Gedanken im Plenum aber auch in spannenden Einzelgesprächen oder Open Space-Formaten zu äußern. Das Programm wurde sogar extra so angepasst, dass auch junge Menschen das Fachchinesisch verstehen und sich nicht völlig im Abkürzungsjungle verirren. Viele wichtige Menschen haben betont wie wichtige Jugendbeteiligung ist. Dementsprechend passend war unsere Forderung nach einer Jugendpartizipation auf Augenhöhe und die Einrichtung von Jugendzukunftsräten in den Bundesländern. Da die Fachtagung in Leipzig stattfand, konnte das Land Sachsen seine Landesstrategie BNE vorstellen, in der jedoch keine strukturelle Jugendbeteiligung in Entscheidungsprozessen vorgesehen ist.  Wir haben auf diesen „Missstand“ aufmerksam gemacht und hoffen, dass die Staatsregierung Sachsen der Forderung der vielen jungen, engagierten Menschen nach Jugendbeteiligung in BNE nachkommt!

Der Artikel wurde von Clara aus dem youpaN verfasst.

Wie politisch ist Bildungsarbeit?

Akteure des Netzwerks Bildung für nachhaltige Entwicklung in und um München treffen sich zweimal jährlich bei den Netzwerk-Treffen Umweltbildung. Die Mitglieder sind Kolleg*innen aus Bildungseinrichtungen, Verbänden, Institutionen, Initiativen und Verwaltung, sowie selbständig Tätige mit den Schwerpunkten Natur, Umwelt und Nachhaltigkeit. Diesmal war auch Simeon aus dem youpaN mit dabei.

Das Vernetzungstreffen am 17.10. stand unter dem Thema „Jugend bewegt Zukunft & Politische Bildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung“ und wurde von Steffi Kreuzinger (Ökoprojekt MobilSpiel e.V.) moderiert.

Wie politisch soll-darf-kann-muss Bildungsarbeit sein?

Der erste Programmslot: „Wie politisch soll-darf-kann-muss Bildungsarbeit sein?“ Impuls und Austausch war mit Christoph Rössler von der Arbeitsgemeinschaft Friedenspädagogik e.V., Die Pastinaken. Inhalt: Viele rechtsorientierte Organisationen springen zurzeit auf den Trend auf, sich den Umweltschutz mit der Begründung “Umweltschutz ist Heimatschutz” auf die Agenda zu setzen. So ist auf der Homepage der AFD zu lesen: “Artenschutz ist Umweltschutz. Umweltschutz ist Heimatschutz. Heimatschutz ist blau, blau ist die AfD.“

Foto: Simeon Timmer

Selbstverständlich sind Rechtpopulisten ebenso vom Klimawandel betroffen wie auch alle anderen, doch Umweltschutz ist schwer mit faschistischen Ansichten vereinbar. Kurzerklärt: Rechtsradikale haben den Umweltschutz als Tätigkeitsfeld entdeckt. Nicht aus Überzeugung, sondern um einen weiteren Krakenarm in die Gesellschaft zu strecken. Dieses Unterfangen ist aber ebenso durchschaubar wie in seiner Substanz lächerlich. Denn wie kann mensch Leben schützen wollen, aber gleichzeitig einen starken Hass auf andere Ethnien und Kulturen haben und diesen das Recht auf ein sicheres Leben verwehren?
Mehr zum Thema: “wie politisch darf Bildung sein?” gibt es auf der Website der Bpb unter zu lesen.

Wie kann BNE das Engagement der jungen Generation unterstützen?

Der zweite Programmslot “Wie kann BNE das Engagement der jungen Generation unterstützen?” wurde durch Jule Müller vom Cambio eV. (Dresden) angeleitet. Unsere aktuelle Ausganslage: weltweite multiple Krisen; ineffektive politische Bearbeitung der Krisen in den letzten Jahrzehnten; Fridays for Future und Extinction Rebellion zeigen, dass ein großes Aktivierungspotential da ist. Gemeinhin bekannt ist bereits, dass es bereits zahlreihe Ansätze für die Aktivierung von jungen Menschen gibt. Der erste Schritt sollte sein, Lösungen anzubieten, die Politik und Wandel abseits des Parlaments und des Wahlzettels erfahrbar machen. Eine der bekanntesten Kampagnen sind die „Social Development Goals“, kurz SDG´s. Sie bieten einen schönen Einstieg, allerdings basieren diese auf problematischen Grundannahmen, die oftmals als alternativlos dargestellt werden:

  • Alternativlosigkeit von Wirtschaftswachstum
  • Verständnis von Umwelt und Natur als ökonomische Ressource
  • Eurozentrische Vorstellung von Entwicklung
Foto: Simeon Timmer

Doch laut Beutelsbacher Konsens ist es unsere primäre Aufgabe, Kontroversität und Denkräume zu eröffnen – unter dem Konsens – dass Bildung und Wissen nie neutral sind. Dies heißt als Konsequenz für die Bildungslandschaft: Kritische Selbstreflektion von den Bildungsakteur*innen; Sichere Lernräume, um sich auf das Hinterfragen gewohnter Denk- und Handlungsweisen einzulassen; Angst- und Ohnmachtserfahrungen Raum geben, gehört genauso dazu, wie die Gestaltung berührender und ermutigender Lernräume; Einbringung von Bewegung, Emotionen und Kunst; Abkehr von Expert*innentum, Schaffung gemeinsamer Denkräume mit reger Diskurskultur; Jugendliche und ihr Wissen &Können ernstnehmen, einbinden!; Neues Verständnis schaffen, was Politik //Demokratie bedeutet.

Dies sollte zukünftig in der Arbeit mit jungen Menschen beachtet werden um eine gelingende und qualitative Jugendpartizipation zu ermöglichen.
Im Anschluss an die Programmslots wurde noch über die vorgestellten Ideen und Ansichten ausführlich diskutiert und Kontakte ausgetauscht.

Der Artikel wurde von Simeon aus dem youpaN verfasst.

Nicht lang schnacken, selbst anpacken!

Unter dem Motto „Gemeinsam für Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)“ trat Thomas Hohn am heutigen Samstag der youcoN auf die Bühne. Als Kampaigner für Umwelt- und Bildungspolitik bei Greenpeace und durch privates Engagement hat er einige Erfahrungen gesammelt, die er so gut wie möglich versuchte, im Rahmen seines Vortrages an die Jugendlichen weiterzugeben. Für ihn sowie die youcoN-Teilnehmer war die Fragestellung „Wie werde ich politisch wirksam?“ zentral.

Politisch wirksam – aber wie?

Um einen Einblick in seine Arbeit für Greenpeace und Konzeptionierung und Umsetzung ihrer Projekte zu geben, stellte er gleich zu Beginn ein allgemeines Schema vor, das einen Einstieg in die Entwicklung eines Projekts vereinfachen soll. Zunächst sei es dafür besonders wichtig, sich seines Problems und seiner Zielsetzung bewusst zu sein. Dafür sei natürlich eine enge Zusammenarbeit mit der Wissenschaft erforderlich, damit man mit überprüften Fakten eine Grundlage für erste Thesen schaffen könne.

Genauso wichtig sei es allerdings, sich ein Netzwerk von Mitstreitern aufzubauen. Aus dem einfachen Grund, dass eine größere Gruppe viel mehr Aufmerksamkeit auf sich zieht und öffentlich mehr Druck erzeugen kann, ist es sinnvoll, sich mit anderen zusammenzuschließen. Außerdem bietet eine Gruppe sehr viel Platz für kreativen und konstruktiven Austausch. Durch die Unterteilung in Aufgabenbereiche können Projekte, Aktionen oder Initiativen zudem effektiver geplant und umgesetzt werden.

Ganz so einfach?

„So schön das auch klingt, so einfach ist es nicht, seine Meinung einzubringen. Meist erreicht man schnell einen Punkt, an dem man hängen bleibt und nicht weiter arbeiten kann“, meint eine Teilnehmerin aus dem Publikum im Anschluss an den Vortrag. Doch Thomas Hohn reagierte gelassen. Dass Probleme im Prozess auftreten, wäre ganz normal. Das Wichtigste sei, sich nicht entmutigen zu lassen, sondern immer wieder Wege zu suchen, sich selbst eine Stimme zu geben.

Es geht darum, sich mit Menschen, die die selben Ziele haben, zu vernetzen und gemeinsam anzupacken.

Dieser Artikel wurde geschrieben von Johanna Dörrie von der Jugendredaktion der Jungen Presse e.V., die live von der youcoN auf ihrem Magazin www.youthmag.de berichtet und uns diesen Beitrag freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Seit über 65 Jahren setzt sich die Junge Presse ehrenamtlich für medieninteressierte Jugendliche ein und ist einer der größten bundesweit aktiven Jugendmedienverbände.

youprO: Das war Youth & Politics – verstehen und verändern

Politisches Engagement von Jugendlichen – Eine Konzeptentwicklung irgendwo im Nirgendwo

Vom 26.06. – 04.07. fand unser Youth&Politics- youprO in der Bildungsstätte „Alter Brunsel“ in Burlage (Ostfriesland) statt. Insgesamt nahmen 21 junge Menschen unterschiedlicher Bildungshintergründe und Herkunft an dem Seminar teil. Unsere Mission: Wir wollten herausfinden, was geschehen muss, um junge Menschen zu mehr politischem Engagement zu motivieren.

Gemeinsam mit ein paar Freunden habe ich das Projekt initiiert und durchgeführt. Dabei hat uns unser Kooperationspartner „Peer Leader International e.V.“ tatkräftig unterstützt. Durch ein parallel stattfindendes internationales Seminar und die in der Organisation beschäftigten Jahresfreiwilligen konnten wir Impulse u.a. aus Nord- und Süd- sowie aus Stadt- und Landperspektive sammeln und einbringen. Um unsere Ideen hinterher im internationalen Netzwerk teilen zu können, fand das Seminar auf Englisch statt.

Was ist politisches Engagement? Und was ist und dabei wichtig?

„Vielen ist gar nicht bewusst, wie umfangreich Politik überhaupt ist. Da geht es nicht nur um Parlamente und Gesetze. Viele handeln schon viel politischer, als sie denken.“ – so sagte mein Mitmoderator Harald.

Deshalb war es am Anfang sehr wichtig, eine Art „Bestandsaufname“ zu machen. Wir sammelten also mögliche Beteiligungsmöglichkeiten und politische Instrumente. Auch machten wir uns unserer eigenen politischen Situation bewusst. Dazu wurden Notizen zur politischen Veränderung als Orientierung für die folgenden Seminartage gemacht.

„Bildung ist der Schlüssel.“ – Da waren sich alle sehr schnell einig

Doch was bedeutet das genau? Um dem mehr auf den Grund zu gehen, luden wir verschiedene Referent*innen und Gäste ein, uns einen Input zu geben: Es ging um globale und koloniale Aspekte der Nachhaltigen Entwicklung, um Kerncurricula und Erfahrungen der politischen Bildung an niedersächsischen Schulen, um Innovationen bei themenorientierten Unterrichtsverfahren, um links-grüne Jugendarbeit (DWARS Groningen, NL), einen Einstieg in die SDGs und unsere Vorstellungen von Bildung für nachhaltige Entwicklung und Globale Bildung (Thomas Hohn, GREENPEACE) und die Arbeit des youpaNs.

Und nun?

Wie kann Schule besser funktionieren als sie es heute tut? Was braucht sie, um SchülerInnen zu handlungsfähigen Menschen auszubilden? – Erst ein mal braucht sie Werte, dann ein Konzept und eine Umsetzung. Unser Prozess dazu ist in den nachfolgenden Bildern dargestellt:

 

Verstanden und jetzt verändern – Erarbeitung eines Folgeprojektes

Auf Grundlage der vorher angeführten Zusammentragungen ging es im letzten Teil des Seminares darum, ein Konzept zu entwickeln, das reif genug ist, um einen großen Projektantrag daraus zu machen. Es entstand das Konzept der „Y-School“ (à „Youth School“), welche nun all die gesammelten Aspekte von Wertvorstellungen, Werkzeugen und Visionen vereinen sollte.

Konkret möchte unser Team gerne 3 Jahre lang (2019-21) versuchen,

  • ENTWEDER 10 Schulen nach diesem Prinzip auf- oder umzubauen
  • ODER 100 Schulen zu motivieren, Essentials schrittweise einzuführen.
  • Dieser Auf- oder Umbau soll im internationalen Verbund des Peer-Leader-Netzwerkes geschehen, weil sich das Team mehr Ideen und andersartige Erfahrungen verspricht, zudem im Sinne einer Nachhaltigen Entwicklung eine Plattform von Problemen, Ideen und Aktionen nötig sei.

Das Vorgehen wird nun so sein:

  1. Sondierungen in den Ländern bei Ministerien, Eltern, SchülerInnen, LehrerInnen, NGOs
  2. Projektplanungsseminar im September (4-5 Tage in UKR, BiH oder GER), ferner Redaktion für einen „Alternativen Orientierungsrahmen“
  3. Formulierung des Projektantrages, Einreichung
  4. Umsetzung 2019-22

Wir wollen in Deutschland die Nationalen „Player“ einbeziehen: Engagement Global, Greenpeace, BUND, Misereor, Brot für die Welt.

Ergebnisse könnten sein:

  • Alternativer Orientierungsrahmen aus globaler Jugendsicht
  • Veränderungen in Modellen in Richtung Beteiligung / Peer-Education / Projekt / Handlungsorientierung

Mein Fazit

Ich bin super zufrieden. Mithilfe unseres Kooperationspartners ist es uns gelungen, ein Seminar zu veranstalten, welches sich bedürfnisorientiert und zieloffen nach den Belangen der Teilnehmenden richtet. Unser einziges Ziel war es, Antworten auf unsere Ausgangsfrage zu finden, daraus Lösungen zu entwickeln und sie soweit auszureifen, dass eine neue, antragsfertige Projektidee entsteht. Das haben wir geschafft und das macht mich stolz, auch wenn es natürlich nicht immer einfach war, alle unter einen Hut zu bekommen. Am Ende verließen wir alle den „Alten Brunsel“ als Freund*innen, mit denen wir auch zukünftig zusammenarbeiten möchten.

Der Artikel wurde von Hannah verfasst.

Was wir noch zur Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie sagen wollen

Wie ihr wisst, gehört das youboX-Team zur Stiftung Bildung. Wir sind eine Spendenorganisation und setzen uns für eine gute Bildung in Deutschland ein. Deshalb möchten wir, dass Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) überall wichtig wird. Und wir möchten auch, dass junge Menschen wie ihr mitbestimmen können. Denn die Entscheidungen, die jetzt getroffen werden, bestimmen unsere Zukunft. Und in der lebt ihr am längsten!

Die Deutsche Strategie für Nachhaltigkeit

Damit BNE und Jugendbeteiligung gut funktioniert, mischen wir uns in der Politik ein. Dort geben wir Tipps. Zum Beispiel wenn es darum geht, die Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie besser zu machen.

In dieser Strategie werden Maßnahmen aufgeschrieben, um die 17 Ziele nachhaltiger Entwicklung in Deutschland zu erreichen. Wir von der Stiftung Bildung haben dazu ein paar Ideen. Diese Ideen haben wir in einem Brief an die Bundesregierung geschickt.

Unsere Tipps und Forderungen

Für die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie 2018 wünschen wir uns, …

  • dass der Nationale Aktionsplan BNE als Leitperspektive aufgenommen wird. Es sollen also alle den Plan kennen und ähnlich wie darin vorgeschlagen handeln.
  • dass dort vom youpaN erzählt wird. Denn damit wird gezeigt, dass die Beteiligung von jungen Menschen wichtig ist.
  • dass BNE wichtiger wird und es dafür mehr Geld gibt. Mit rund 14 Milliarden Euro können Strukturen, Arbeitsplätze und Projekte bezahlt werden, die gute Arbeit für BNE machen. Das sind zum Beispiel ein Bundeselternrat, eine Bundesschüler*innenkonferenz, ein Bundesverband der Kita- und Schulfördervereine und die Stiftung Bildung.